14.10.2014, 08:00 Uhr

Kellerbesitzer sind die Verlierer

In Zukunft empfiehlt es sich als Kellerbesitzer seine weinseligen Stunden bei Kerzenlicht zu verbringen.Foto: Archiv

Mit 1. Oktober sind die Strompreise der EVN gesenkt worden. Aber wer wenig verbraucht, zahlt mehr.

(ae). Im September hat die EVN in einer Aussendung an ihre Kunden verkündet: „Senkung der Stromverbrauchspreise per 1. Oktober“. In der Auflistung der neuen Verbrauchspreise ist tatsächlich eine Verbilligung festzustellen. Im Gegenzug wurde aber die monatliche Grundgebühr für den Wenig-Verbraucher-Tarif (Optima mini) auf fast das Dreifache angehoben, bei Optima midi macht die Erhöhung auch noch gut 80 % aus.

Vielverbraucher gewinnen

Gewinner sind die Viel-Verbraucher (Optima maxi), sie können sich über eine 25-%-Verbilligung freuen. Prompt folgte harsche Kritik der AK NÖ, dass die sozial schwächsten Haushalte nicht entlastet würden. Im Gegenteil: Die AK hat berechnet, dass EVN-Kunden, die weniger als 1.300 kW/h pro Jahr verbrauchen, nach der neuen Tarifliste sogar mehr zahlen müssen. Eine Kritik, die an der EVN aber abprallte: „Es stimmt nicht, dass die sozial Schwachen davon hauptbetroffen sind“, sagte EVN-Sprecher Stefan Zach zu den Bezirksblättern.
„Diese Kundengruppe hat eher einen hohen Verbrauch, weil sie sich weder eine Wärmedämmung noch eine sparsame Heizung leisten kann.“ Laut Zach sind von den höheren Preisen beim Minimum-Verbrauch ganz andere gesellschaftliche Gruppen betroffen. „98 % Prozent unserer Kunden profitieren vom neuen Tarif. Und von den zwei Prozent, die durch Mehrkosten betroffen sind, sind 60 % Zweitwohnsitzer, 20 % Eigentümer sogenannter Nebenanlagen wie Weinkeller und nur 20 % sind Kunden, die tatsächlich in ihrem Haushalt weniger als 1.200 kW/h pro Jahr verbrauchen.“

Zielpublikum ausgemacht

Tatsächlich scheinen die Zweithaus- aber vor allem Kellerbesitzer das Zielpublikum der EVN für höhere Preise gewesen zu sein. Denn kaum einer verbraucht in seinem Hobby-Weinkeller so viel Strom, dass es zu einer Preissenkung kommt. Ein Keller-Eigner aus Obersteinabrunn rechnet vor: „Ich verbrauche im Schnitt keine 100 kW/h im Jahr. Das heißt, dass ich in Zukunft rund 16 Euro im Jahr mehr für den Strom bezahlen muss. Das ist, meiner Meinung nach, ein ganz falsches Signal in Zeiten, wo immer wieder über notwendiges Energiesparen geredet wird.“ Manfred Breindl, Obmann der Sitzendorfer Kellergasse, meint: „Wir haben keine Freude damit, weil wir alle mehr zahlen werden. Aber deshalb den Anbieter zu wechseln, ist auch nicht sinnvoll.“

Die Kleinen zahlen drauf

Georg Jungmayer, Bürgermeister von Seefeld-Kadolz und stolzer Kellerbesitzer erfuhr erst durch die Bezirksblätter, dass er in Zukunft mehr für Strom bezahlen muss: „Weil ich nur etwa 180 kW7H pro Jahr verbrauche, wird die Rechnung in Zukunft 15 Euro mehr ausmachen. Dass der Strom für die meisten billiger wird, stimmt zwar, aber die Kleinen zahlen drauf.“
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