23.09.2014, 08:30 Uhr

Kirchenangebote kein Renner

Sandra und Markus Döller mit Töchterchen Katharina wollen in der Familie christliche Werte leben.Foto: Josef Messirek

Fallende Tendenz gibt es bei der Zahl der Taufen. Auch kirchliche Trauungen sind nicht mehr selbstverständlich.

BEZIRK (jm). „Ich kenne junge Paare, deren Kinder bereits in die Schule gehen, aber noch nicht getauft sind. ‚Die Kinder sollen sich selbst entscheiden, ob sie sich taufen lassen‘, sagen die Eltern.“ Diese Erfahrung muss der Pulkauer Stadtpfarrer Jerome Ciceu gelegentlich machen, fügt aber hinzu: „Die meisten lassen ihre Kinder aus Tradition taufen.“

Bleibende Beziehung gewünscht

Bei der kirchlichen Trauung gibt es nur wenige, die das Angebot der Kirche ablehnen. Junge Paare sehnen sich nach einer sicheren Beziehung. „Weil sie um das Scheitern von Beziehungen wissen, vertrauen sie Gott mehr als ihren eigenen Kräften“, ist die Erfahrung von Pfarrer Jerome. Das Heiratsalter liegt heute bei 30, denn „die berufliche Ausbildung dauert länger, und nicht selten ist ein Kind bei der Trauung dabei“, erklärt Hermann Neubauer, Standesbeamter in der Trauungshochburg Retz.

Christliche Werte schätzen

Wir sprachen mit einem frisch vermählten Paar, das klar zu den christlichen Werten steht: Sandra und Markus Döller aus Zellerndorf. „Die Taufe unseres Kindes war uns wichtig, und wir wollen Katharina nach christlichen Werten erziehen“, sind die jungen Eltern überzeugt. In ihrem Bekanntenkreis gibt es schon junge Paare, die zwar standesamtlich, aber (noch) nicht kirchlich heiraten wollen. „Eine standesamtliche Hochzeit ist ausschlaggebend für vielerlei rechtliche Ansprüche und Verplichtungen“, erörtert Markus. „Als wir unseren Entschluss kirchlich zu heiraten bekannt gaben, hat es nur positives Echo gegeben, und alle haben sich gefreut.“

Kirchenaustritte nehmen zu

Die Kirchenaustritte haben in den letzten zehn Jahren in Hollabrunn um 46 %, in Retz sogar um 125 % zugenommen („Zur Sache“). Wolfgang Paset von der Erzdiözese Wien sieht in der Verweltlichung einen der Gründe: „Diese Tatsache müssen wir als Kirche sehr ernst nehmen und gerade die Menschen in kritischer Distanz zur Kirche ansprechen und mit ihnen in Kontakt bleiben.“

Begräbnisse mit Priester

Die Begräbnisse werden fast ausnahmslos von einem katholischen Priester geleitet. Bei Nichtkatholischen oder Ausgetretenen ist eine Grabbegleitung möglich, wenn dies die Angehörigen wünschen. In Retz gibt es sie bei etwa fünf Begräbnissen im Jahr, in Hollabrunn bei zwölf.

Zur Sache:

Pfarre Retz: Katholiken 2003 = 2.354, 2013 = 2.133.
Kirchenaustritte 2003 = 8, 2013 = 18 ( +125 %)
Pfarre Hollabrunn: Katholiken 2003 = 6.237, 2013 = 6.007.
Kirchenaustritte 2003 = 28, 2013 = 41 (+64,43 %)
Quelle Kirchenbeitragsstelle der Erzdiözese Wien.
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