07.02.2018, 10:47 Uhr

Wirtshäuser haben es schwer!

Karl Riepl ist Vertrauensmann der Gastronomen im Bezirk Hollabrunn und klagt sehr über den Mangel an Fachkräften. Foto: Eipeldauer

Wenig Umsatz und hohe Erhaltungskosten zwingen oft zum Aufgeben.

BEZIRK (ag). Das gute alte Dorfwirtshaus mit Stammtisch und fixer wöchentlicher Schnapserrunde stirbt aus. Seit dem Jahr 2010 hat in Niederösterreich mehr als jedes zehnte Gasthaus seine Pforten für immer geschlossen. Ein Bezirksblätter „Lokal-Augenschein“ im wahrsten Sinne des Wortes.

7 Schließungen in 7 Jahren

Im Bezirk Hollabrunn sperrten in den letzten 7 Jahren 7 Gasthäuser zu. Einer davon war das Gasthaus Strell in Suttenbrunn. Das hat Johann Gantner gekauft und daraus eine Frühstückspension gemacht. Zweimal pro Woche hat das Gasthaus geöffnet, bringt aber nicht den gewünschten Erfolg. „Die Zimmer gehen gut, sodass wir weitere Zimmer herrichten werden, aber das Gasthaus werden wir wahrscheinlich auflassen. Kein Umsatz ist das größte Problem, weil Angestellte braucht man meist in doppelter Besetzung. Heutzutage können fast nur mehr Familenbetriebe überleben“, so Gantner.
Das bestätigte uns im Gespräch auch Herbert Berger von seinem Gasthaus in Kleinstetteldorf, das bereits in der 4. Generation geführt wird und an dem derzeit 3 Generationen arbeiten. „Ohne meine Eltern, die 70 und 74 Jahre alt sind würde es nicht möglich sein, weil Angestellte sind nicht drin. Auch meine Söhne helfen mit, werden aber aus derzeitger Sicht den Betrieb nicht weiterführen, weil dann zu viele Vorschriften aktiv werden würden“, so Herbert Berger.

Fachkräftemangel

Für den Bezirksvertrauensmann der Gastronomie, Karl Riepl, stellt das größte Problem der Fachkräftemangel dar. Er beschrieb aber auch andere Punkte, wie Registrierkassenumstellung, Änderung des Heizöls und die Raucher/Nichtraucherdepatte, die für Betriebe negative Auswirkungen haben. „In meinem Betrieb läuft das Restaurant seit gut 10 Jahren in einem Null-Summen-Spiel. Über Wasser hält mich das Hotel, der Schankwagen und Catering. Mittagsmenüs von öffentlichen Einrichtungen machen es für Lokale nicht einfacher. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation haben meine beiden Kinder nicht vor, den Betrieb zu übernehmen. Als Unternehmer kannst du dich nur selbst ausbeuten. Ich wäre froh, nur einen 12-Stunden Job zu haben“, so Karl Riepl.
Weiters erwähnte er auch die Problematik mit Vereinen. „Wenn die Wirte involviert werden, wie etwa die Generalversammlung in einem Lokal abzuhalten, dann ist das für mich akzeptabel“, so Riepl. Bei ihm gibt es noch einige regelmäßige Schapserrunden und Stammtischpartien.

Zur Sache:

Immer mehr Gasthäuser finden keine Nachfolger und sperren zu. Im Bezirk Hollabrunn gibt es derzeit 48 Gasthäuser.
Gasthäuser per 31.12.2015: 50
Gasthäuser per 31.12.2010: 55
Gastrobetriebe aktuell im Bezirk per 31.12.2017
Gasthäusere: 48
Restaurants: 14
Kaffeehäuser: 21
Kaffeerestaurants: 34
Weinlokale, Weinschenken, Heurigenbuffets: 12
Espressobetriebe, Stehkaffeeschenken u. Buffet-Espressi: 2
Kaffeekonditoreien: 4
Bars, Tanzlokale, Diskotheken, Clubbinglounges: 6
Imbisstuben, Jausenstationen, Milchtrinkstuben: 39
Buffets aller Art (inkl. Tankstellenbuffets): 45
Kantinen, Werksküchen, Mensabetriebe: 3
Lieferküchen, Partyservice, Catering, Mietkoch: 8
Freie Gewerbe Verabreich. v.Speisen u. Ausschank v. Getränken: 8
Würstelstände, Kebab-Stände: 18
Buschenschankbuffets: 1
Automatenausschank: 2
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