Graselwirtin-Mutter: "Wir waren bitterarm"

Josefine Rehatschek (87): "Hab Gänse und Schweine gezüchtet. Ich habe alles gemacht, um mir etwas zu schaffen. Mit der Arbeit hab ich immer Glück gehabt, nur mit den Männern nicht." (lachend)
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MOLD. Josefine Rehatschek (87), die Wirtin von Maria Dreieichen war jahrzehntelang bis zum 1. Juni 2017 ein wichtiges Teammitglied der Küche bei der Graselwirtin Anni, ihrer Tochter (in Mörtersdorf). Im Herbst wird sie ein Buch über ihr Leben schreiben, den BEZIRKSBLÄTTERN hat sie schon ein wenig über ihre Erlebnisse berichtet. Sie ist eine hübsche, sanfte und sehr positive Frau. Sie stammt aus einer sehr armen Familie. "Ich habe als Kind schon so viel arbeiten müssen und hab alles darangesetzt, dass ich zu etwas kommen bin. Hab Flaschen gesammelt und den Wirten gebracht - dafür gab es ein Paar Würstl und ein Kracherl, später Geld. Bei den Wallfahrten in Maria Dreieichen konnte man Hunderte Flaschen aufsammeln, dann half sie immer im Wirtshaus.
Später sollte sie selbst dort Chefin werden. "Du kannst gut kochen, hat der Wirt gesagt, aber du brauchst eine Prüfung." Da hat sie einen Dreiwochenkurs in Horn gemacht, mit 30 anderen. "Dort hab ich mir alles abschauen müssen von den Burschen. Ich hab ja nur Würstl, ein Gulasch und ein Beuschl kochen können." Der Prüfer ist dann viele Jahre gerne zu ihr ins Wirtshaus gekommen und hat gesagt: "Du bist die Beste von allen geworden."

Statt Semmeln holen ging's in den Wald

Den Führerschein hat sie spät gemacht, vor 45 Jahren. "Hab immer zu den Mädchen gesagt, fahrts mit den Chauffeuren mit und holt's die Semmeln - aber die sind immer in den Wald gefahren. (Die Herren wollten ihr Vergnügen). Da hab ich gesagt, nein, das geht so nicht, da mach ich selbst den Schein."
Im Winter hat es kein Geschäft gegeben, da hat sie aus Erdäpfeln händisch Pommes erzeugt und verkauft. Dann hat sie sich Gänse eingestellt, "Aber das war mir auch zu wenig. Dann hab ich mir Schweine eingestellt und gezüchtet. Das war ein großes Geschäft", strahlt sie.

Patscherl aus Kukuruzblättern

Als Mädchen ist sie Himbeeren pflücken und Schwammerl sammeln gegangen und aus Palmkatzerln hat sie Dutzende kleine Sträuße gemacht und im Erholungsheim Rosenburg verkauft, "damit ich mir endlich einmal ein Kleid und eine Schürze kaufen konnte und Patscherl hab ich mir aus getrockneten Kukuruzblättern geflochten. Wir waren so arm, ich hatte keine Schuhe und keine Kleider."

Einfach losgebaut

In Mold hatte sie eine große Wiese, da fing sie an, ein Haus zu bauen. Bei den Eltern hatte sie um 5.000 ÖS angefragt, aber weil der Vater von Anfang an täglich bei ihr im Wirtshaus ihren Wein trank und ständig fragte: "Wann gibst mir mein Geld zurück?", ist sie zur Bank gegangen und hat um 5.000 ÖS gefragt. Der Direktor war zuerst skeptisch, aber die Leute im Vorstand waren ihre Lieferanten und sagten zu ihm: "Gib ihr das Geld, sie zahlt immer pünktlich." Sie baute ein Haus mit neun Zimmern und zwei Bädern.
"Jeder, der sich scheiden hat lassen, hat bei mir gewohnt." Jedes Jahr hat ihr der Bankdirektor einen kleinen Golddukaten geschenkt, "weil ich so brav gezahlt hab", lacht sie stolz.


Charme & starker Wille

Vom Ehemann wollte sie die Scheidung, "aber der Richter in Krems hat mich drei Jahre nicht geschieden, zwecks 'Versöhnung und so'. Aber ich hab keine Zeit gehabt, ständig nach Krems zu fahren und den Rechtsanwalt zu zahlen. Da hab ich nach drei Jahren bei einer Verhandlung gesagt: 'Herr Rat, ich geh da nicht weg bis ich geschieden bin, und wenn ich da übernachten muss.'"
Sie ließ sich schuldig scheiden, wollte nichts von ihm, nur Alimente für die Kinder. So war dann auch das Urteil. Und, hat er gezahlt? "Geh, woher, keinen Groschen." Sie hat alleine ihre zwei Töchter durchgebracht.
"Mit der Arbeit hab ich immer Glück gehabt, nur mit den Männern nicht."

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