Landesgericht Krems
Turbulenter Adventsonntag am Würstelstand endete vor Gericht

Ein Angeklagter, viele Versionen am Landesgericht Krems.
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BEZIRK KREMS. Vier Versionen, ein Angeklagter und eine schwierige Entscheidungsfindung für Richterin und Staatsanwalt am Kremser Landesgericht. Wie es dazu kam:

Frühschoppen

Der Würstelstand ist ein beliebter Treffpunkt im Bezirk Horn. Zwei Freunde fuhren am ersten Adventsonntag vorigen Jahres dorthin zum Frühschoppen. Man traf einen weiteren Bekannten und genehmigte sich Bier und Spritzwein. Dann traf auch noch ein 30-Jähriger mit Wrestler-Statur in Begleitung seiner Lebensgefährtin ein, um Kaffee zu trinken.

Aussprache

Gegen 14 Uhr betrat eine 45-jährige Frau den Imbissstand und forderte einen der Männer lautstark zu einer Aussprache auf. Er sollte dazu mit ihr hinausgehen. Der Mann dachte nicht daran. Die Frau drängte ihn vehement dazu, der Mann verweigerte. Die anderen Gäste fanden das lustig und lachten.

Würgemale, gebrochener Daumen

Dann wurde es turbulent. Der Nachmittag endete mit einem gebrochenen Daumen der Kaffeetrinkerin und Lebensgefährtin des Besuchers mit Wrestler-Statur, die Aussprachesuchende soll Würgemale am Hals, ein abgeschürftes Knie sowie eine Rötung im Gesicht erlitten haben. Es erfolgten Anzeige und Gegenanzeige sowie eine Anklage des „Wrestlers“ wegen Körperverletzung, schwerer Körperverletzung und Nötigung am Landesgericht Krems. Richterin und Staatsanwalt sahen sich mit den verschiedensten Versionen der Beteiligten konfrontiert.

Die Versionen

Version 1 (Angeklagter): Sie ist hereingekommen, wollte eine Aussprache vom Ex, dann wurde sie laut. Als alle lachten, ist sie wutentbrannt zur Tür und wollte hinaus. Die Tür klemmte, sie hat mehrmals mit dem Knie dagegen geschlagen. Die Tür sprang auf und sie fiel hinaus. Dann kam sie wieder herein. Es gab ein Wortgefecht und ein Gerangel mit meiner Lebensgefährtin und beide sind bei der Tür hinausgefallen und auf dem Boden gelandet. Meine Partnerin hatte einen gebrochenen Finger und vier Wochen Gips.

Version 2 (Aussprachesuchende): Ich bin wegen einer Aussprache gekommen, zu meinem Bekannten gegangen und habe ihn aufgefordert mit hinauszugehen. Er wollte nicht und alle haben gelacht. Dann hat mich der eine (der „Wrestler“) am Hals gepackt, gewürgt und zur Tür geschoben. Wir sind hinausgefallen, er ist auf mir draufgesessen und hat mich weiter gewürgt, bis ihn ein Gast aufgefordert hat aufzuhören. Dann sind alle rein, ich bin hinterher. Ich wollte meinen Tee austrinken, er war ja schon bezahlt. Dann hat mir der Angeklagte den Tee ins Gesicht geschüttet. Das musste ich zuhause mit einer Brandsalbe behandeln. Außerdem hatte ich Würgemale am Hals und ein abgeschürftes Knie.

Version 3 (Lebensgefährtin des Beschuldigten): Sie ist hereingekommen und hat zu schimpfen begonnen. Ich habe gesagt, das interessiert hier keinen. Ich wollte meine Handtasche nehmen und gehen. Sie hat mich gepackt. Bei der Rangelei sind wir dann hinausgefallen. Ich hab mir den Finger gebrochen. Mein Lebensgefährte hat mir aufgeholfen, sonst hat er nichts gemacht.

Version 4 (ein weiterer Gast): Die Frau ist hereingekommen und hat meinen Freund aufgefordert, mit ihr zur Aussprache hinauszugehen. Er hat nein gesagt. Alle haben gelacht. Sie ist zur Tür. Die hat geklemmt. Sie hat mit dem Fuß gegen die Tür getreten, diese ging nicht auf. Dann ist die Frau zurück und die beiden Frauen haben zu streiten begonnen. Beim Gerangel sind sie aus der Würstelbude hinausgefallen.

Die weiteren Versionen der Anwesenden sowie des Polizeibeamten, der zwei Anzeigeprotokolle des Angeklagten aufsetzte, brachten kein Licht ins Dunkel. Das Gericht konnte aufgrund der facettenreichen, abweichenden Aussagen aller Beteiligten über den Hergang an besagtem Adventsonntag zu keiner Entscheidung finden. Die Richterin fällte einen Freispruch. -Kurt Berger

Autor:

Kurt Berger aus Krems

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