Unser Wald - Ein Gedankenanstoß
Wald als Familie – Welt als Geliebte?

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Manche gehen in den Wald und sehen Festmeter, Flächenertrag oder Wilddichte.
Ich gehe in den Wald zu meiner Familie.
Komisch eigentlich. Wir sagen, wir gingen „in die Natur“ und übersehen dabei, dass wir selbst Natur sind. Durch und durch. Wir werden geboren, wir wachsen, atmen und essen, und wir sterben. Gleich den Blättern, die im Herbst den Waldboden bedecken. Dieselbe Natur. Dasselbe Leben. Der Biologe und Philosoph Andreas Weber schreibt in seinem Buch „Alles fühlt“, dass wir einen hohen Preis zahlen für diesen objekthaften Naturbezug: Den der Entfremdung von unserem eigenen Leben. Wir spüren unseren Körper erst dann, wenn etwas weh tut, wenn er nicht mehr funktioniert, wie wir es wollen. Zum körperlichen Schmerz kommt der Schmerz des Kontrollverlusts hinzu.
Im Wald möchte ich keine philosophischen abstrakten Gedanken denken.
Ich bin einfach da. Meine Augen schauen von Busch zu Baum, von Blume zu Wipfel und entdecken immer mehr neue Farben und Formen. Die Nase riecht Tannenduft, Schatten und feuchten Boden. Der Schritt wird leicht und kräftig, das Herz weit. Die grossen alten Bäume haben es mir besonders angetan. Sie strahlen eine Würde, Kraft und Weisheit aus, die mein kleiner Geist nur erahnen kann.
Im Wald kannst du erkennen, wie alles miteinander verbunden ist, wie eines zum anderen passt und Sinn macht. Kein gut oder böse, bloss Vielfalt und Lebensfülle, Kommen und Gehen. Lehrmeister Wald.
Joanna Macy, prominente Vertreterin der Tiefenökologie, meint, wir sollten statt Nachhaltigkeitskonzepte zu entwickeln, die Welt als Geliebte sehen.
Wie klingt das?
Wie wäre es, das nächste Mal mit dieser Vorstellung in den Wald zu gehen?

naeherdran_aktuell

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