26.11.2016, 19:09 Uhr

Bittere Pille: Ärzte versus Apotheker

Mag.pharm. Gilbert Zinsler zeigt sich besorgt. (Foto: privat)

Es gibt eine Forderung der Ärztekammer, dass Ärzte die Dispensierfreiheit bekommen (Abgabe v. Medikamenten)

HORN. "Es ist klar, wenn es dazu kommt, ist die Existenzgrundlage der Apotheken nicht mehr gegeben", erklärt Mag.pharm. Gilbert Zinsler. "Es wird zu gewaltigen Arbeitsverlusten von angestellten Pharmazeuten kommen", so Zinsler weiter. Heute beschäftigt eine Apotheke 10 bis 12 Angestellte im Durchschnitt. "Diese Arbeitsplätze wird es nicht mehr geben und die Apotheke als solche wird es auch nicht mehr geben. Dann haben die Leute keine Nachtdienste mehr, wo wir zur Verfügung stehen, und auch nicht mehr rund um die Uhr die Möglichkeit Medikamente zu kaufen - viel Spaß beim Versorgungsauftrag."

Falsche Richtung

"Es gibt momentan das Surrogat (Ersatz von geringerer Qualität) - die Hausapotheke wird dazu verwendet, die Finanzierung der Ärzteschaft zu ermöglichen. Ist aber ein Unsinn, denn der Arzt soll für seine ärztliche Tätigkeit entlohnt werden und nicht für eine Tätigkeit, die er nicht so gut macht wie ein anderer Berufsstand, sprich die Apotheker." Die Hausapotheke sei der Weg in die falsche Richtung. Es gehe hier um eine Querfinanzierung der Ärzteschaft.

Schaden für Patienten

"Ich hab das interpretiert als Vorwahlkampfgetöse der Ärztekammer und halte das für einen riesengroßen Blödsinn, weil es letztendlich zum Schaden des Patienten ist", so Mag. Zinsler. "Bereits vor 800 Jahren war die Trennung von Ärzten und Apothekern vollzogen. Aus einem ganz klaren Grund: Es soll keine Einflussnahme auf wirtschaftliche Interessen geben. Der Arzt soll seine ärztliche Tätigkeit machen, die soll er gut machen und der Apotheker ist für die Abgabe der Arzneimittel zuständig. Es liegt auf der Hand: Wenn der Arzt die Arzneimittel abgibt, gibt er lieber die ab, die er hat oder wo er wirtschaftliche Vorteile hat - dazu soll es nicht kommen", erklärt Mag. Zinsler.


Qualitätsverlust

Wird es zu Einkommenseinbußen kommen? "Ich glaube nicht, dass es zu einer Kürzung kommen würde. Im Endeffekt würde es die Apotheke nicht mehr geben, das ist ganz einfach. Wenn die Ärzte die Arzneimittel abgeben, dann bleibt praktisch nichts über für die Apotheker, aber man muss dazu sagen, es käme auch zu einem Qualitätsverlust." Zinsler weiter: "Die öffentliche Apotheke hat bedeutend mehr Lager und verschiedene Arten wie jeder Arzt und auch Zeit - nicht nur zur Beratung des Kunden. Immerhin haben Apotheken Angestellte und selbstständige Apotheker, die ein pharmazeutisches Wissen haben, das die Dame beim Arzt, die die Arzneimittel ausgibt, nicht hat. Hier käme es wirklich zu einem Verlust von Qualität für den Patienten - auch im Hinblick auf die vielen Nachtdienste, die wir machen."

365 Tage rund um die Uhr

"Wir sind in Horn 365 Tage rund um die Uhr 24 Stunden in der Apotheke erreichbar - den Arzt müssen sie mir erst zeigen, der das auf den Weg bringt."
Die Apotheke in der Form würde es nicht mehr geben. Der Apotheker lebt heute zum Großteil von der Abgabe von Arzneimittel. Von ein paar xxx.
Der Arzt hat nicht alles bei sich. "Wir bekommen vier Mal am Tag eine Lieferung vom Großhändler", so Mag. Zinsler abschließend.
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