14.08.2016, 19:03 Uhr

Lehrerchor in Schaffa

(Foto: privat)
Auf Einladung von Pfarrer Mag. Andreas Brandtner, der zusammen mit Chorleiterin Prof. Maria Magdalena Nödl die Schulbank im Aufbaugymnasium Horn gedrückt hat, besuchte eine Abordnung des Bezirkslehrerchors Horn den jüdischen Friedhof in Schaffa (tschechisch Safov). Ab 1671 besiedelten Juden das Gebiet, das 750 Meter von der jetzigen österreichischen Grenze entfernt liegt, und das Pfarrer Brandtner mit seinem Verein EuroSOLA sozusagen aus dem Dornröschenschlaf geweckt hat.


Geschichte eines Grenzortes
Zuerst erzählte Pfarrer Brandtner mithilfe einer Powerpoint Präsentation die wechselhafte Geschichte von Safov. Dieser Ort war zuerst deutsch, dann deutsch-jüdisch, nach der Vertreibung der Juden deutsch-tschechisch und seit der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung rein tschechisch. „Man muss sich auch vor Augen halten, was 800 Jahre das Normalste war: von einem Ort zum anderen zu gehen,“ meinte Pfarrer Brandtner. Dies wurde aber durch den Eisernen Vorhang unmöglich gemacht und ist erst seit Schengen 2007 wieder möglich.
Bis zum Ersten Weltkrieg bestand Safov aus einer christlichen Gemeinde mit Kirche und einem jüdischen Ghetto mit Synagoge, Schul- und Gemeindehaus. So war z.B. ein Verwandter des legendären Bundeskanzlers Bruno Kreisky Schuldirektor in der jüdischen Gemeinde von Safov. Und der österreichische EU-Kommissar für Europäische Nachbarschaftspolitik und Erweiterungsverhandlungen Dr. Johannes Hahn hat familiäre Wurzeln in diesem Grenzort.


Besuch der Friedhöfe
Nach der geschichtlichen Präsentation führte Pfarrer Brandtner die SängerInnen zuerst auf den jüdischen Friedhof. Er war bis 1938 einer der größten jüdischen Friedhöfe in Europa, jedoch lange Zeit vernachlässigt. Durch „Aufräumarbeiten“ kann man drei verschiedene Grabstellen ausmachen: eine ältere Reihe nur in hebräischer bzw. aramäischer Schrift, eine Reihe in sowohl hebräischer, als auch deutscher Beschriftung (die Grabsteine sind aus Zogelsdorfer Sandstein) und eine Reihe jüngeren Datums in rein deutscher Sprache.
Pfarrer Brandtner meinte dazu: „Das zeigt ganz deutlich die Integration und Assimilierung der jüdischen Bevölkerung!“
Anschließend wurde auch der christliche Friedhof besucht, der ursprünglich von der deutsch-christlichen Gemeinde verwendet wurde und sich durch wunderschöne schmiedeeiserne Kreuze auszeichnete. Nach der Vertreibung der deutsch-sprachigen Bevölkerung wurden diese Kreuze entfernt (Gott sei Dank teilweise gerettet).
Der Friedhof dient nun der christlich-tschechischen Gemeinde als letzte Ruhestätte.

Nach diesem historischen Ausflug in die Grenzregion Österreich-Tschechien kann der Lehrerchor mit Elan das neue Arbeitsjahr planen, das das 25-Jahr-Jubiläum des Chores bereit hält! (Agnes Wagner)
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