04.10.2016, 13:19 Uhr

„Bezahlte und unbezahlte Arbeit muss gerechter verteilt werden."

Neubewertung von „Frauenberufen“ ist erforderlich
Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern sind mit 22,36 Prozent in Österreich immer noch sehr hoch. Am 11. Oktober ist bundesweiter Equal Pay Day, in Niederösterreich ist es der 9. Oktober. Ab diesem Tag arbeiten Frauen statistisch gesehen bis Jahresende gratis. Männer haben zu diesem Zeitpunkt das Jahreseinkommen der Frauen bereits erreicht.

Der durchschnittliche Einkommensunterschied zwischen Männern (50.431 Euro jährliches Bruttogehalt) und Frauen (38.862 Euro jährliches Bruttogehalt) liegt bei 22,94 Prozent. Die SPÖ-Frauen machen sich mit Straßenaktionen in ganz Österreich unter dem Motto „Arbeit gerecht verteilen“ für Lohngerechtigkeit stark.
„Bezahlte und unbezahlte Arbeit muss in Zukunft gerechter verteilt werden. Frauen leisten zwei Drittel der unbezahlten Arbeit. Das muss sich ändern, damit wir die Lohnschere endlich schließen“, sagt SPÖ NÖ Landesfrauenvorsitzende Elvira Schmidt.

Beinahe jede zweite Frau in Österreich arbeitet Teilzeit, das bedeutet weniger Gehalt und niedrige Pension, erklärt Schmidt: „Für viele Frauen ist Teilzeit auch aufgrund fehlender Kinderbetreuung eine Notwendigkeit, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Männer machen – oft unfreiwillig – Überstunden. Die wachsenden Unterschiede in der Arbeitszeit entsprechen nicht immer dem Wunsch der Beschäftigten. Vollzeitarbeitskräfte wollen oft kürzer arbeiten, Teilzeitarbeitskräfte wollen oft ihre Stunden aufstocken.“ 2015 wurden laut Arbeiterkammer etwa 52 Millionen Mehrarbeits- und Überstunden nicht bezahlt. Dieses Volumen entspricht umgerechnet einem Ausmaß von über 30.000 Vollzeitarbeitsplätzen. Überstunden gehören abgebaut. Gelingen kann das unter anderem durch das Einheben eines sogenannten Überstunden-Euros. Verkürzte Vollzeit für alle, die Eltern geworden sind, ist eine weitere Möglichkeit.

Neubewertung von „Frauenberufen“ ist erforderlich

Die Frage des Gehalts sei in Österreich eines der letzten großen Tabus, sagt SPÖ NÖ Landesparteivorsitzender Mag. Matthias Stadler: „Dieses Tabu schadet vor allem den Frauen, denn viele wissen einfach nicht, ob sie fair bezahlt werden. Es muss Schluss sein mit der Geheimniskrämerei auf Kosten der Frauen. Nur wenn Frauen wissen, was männliche Kollegen – bei gleicher Qualifikation und gleicher Tätigkeit – verdienen, können sie auch gegen Lohnungerechtigkeit vorgehen. In der Politik gibt es schon längst Transparenz bei Einkünften und Gehältern, das sollte auch in der Privatwirtschaft gelten.“
Um Lohnlücken zu schließen, müsse man vor allem auch über die Aufwertung von bisher frauendominierten Berufen, also von sozialen und pädagogischen Berufen sprechen, erklärt Stadler: „Warum wird die Pflege von Menschen schlechter entlohnt als die Reparatur einer Waschmaschine? Wie viel ist uns die Arbeit von Erzieherinnen, Krankenpflegerinnen oder Altenpflegerinnen wert?“
Ein Anheben des Gehalts für diese Beschäftigten müsste über Sozialversicherungsbeiträge oder Zuzahlung der Pflegebedürftigen gegenfinanziert werden.
„Unser Vorschlag: Diese Frage muss auch bei der Einführung des Mindestlohns von 1.700 Euro brutto in allen Kollektivverträgen eine Rolle spielen“, sagt Stadler. Klar sei: Die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern wird sich in absehbarer Zeit nicht von selbst schließen. „Es ist unsere Aufgabe, diesen Gap zu schließen“, erklärt der SPÖ NÖ-Parteichef und weist einmal mehr auf die Kampagne ‚Arbeit ist unser Thema‘ hin, bei der neben der Forderung nach Vollbeschäftigung jetzt im Herbst das Thema Lehre und Ausbildung im Mittelpunkt steht.

Ganztägige Schulen: Angebot verdoppeln
Noch immer gibt es viel zu wenige Betreuungsplätze, speziell für die Unter-Dreijährigen, aber auch für Schulkinder. Die Betreuungsquote bei den Unter-Dreijährigen beträgt sowohl in Österreich als auch in Niederösterreich 23,8 Prozent – zum Vergleich: In Wien beträgt die Betreuungsquote 40,2 Prozent, im Burgenland 30,9 Prozent, die niedrigste hat die Steiermark mit 12,7 Prozent. In dieser Legislaturperiode werden 305 Millionen Euro in den Ausbau der Kinderbildungseinrichtungen investiert. Hier sei auch die „Landflucht“ zu betonen: Dort, wo es keine oder unzureichende Kinderbildungseinrichtungen und Betreuungsmöglichkeiten gibt, ziehen Frauen bzw. Familien weg, anstatt auszupendeln.
Auch das Angebot an ganztägigen Schulformen wird erweitert, freut sich Schmidt, selbst Direktorin in einer Neuen Mittelschule: „Hier ist der Sozialdemokratie Anfang Sommer ein weiterer wichtiger Verhandlungserfolg gelungen: Zusätzlich zu den bestehenden Maßnahmen werden 750 Millionen in den Ausbau der Ganztagsschulen investiert. Bis 2025 soll es ein ganztägiges Angebot für 40 Prozent der SchülerInnen geben, das entspricht einer Verdoppelung.“
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