26.09.2014, 20:06 Uhr

In den NÖ Kaffeehäusern herrscht zunehmend dicke Luft

Am 1. Oktober feiert man in Österreich wieder den „Tag des Kaffees“ mit einem bunten Veranstaltungsbogen rund um das beliebte Muntermacher-Getränk. Zum Feiern ist den 845 Kaffeehäusern in Niederösterreich mit ihren fast 2.500 Beschäftigten aus wirtschaftlicher Sicht freilich wenig zumute. Denn in der Szene gärt es. Von der bevorstehenden EU-Allergeninformationsverordnung über das geplante totale Rauchverbot bis zum fehlenden Fachpersonal – Friedrich Veit, Mitglied des Berufsgruppenausschusses der Kaffeehäuser Österreichs sowie des Fachgruppenausschusses der Hotellerie Niederösterreichs, spricht gegenüber dem NÖ Wirtschaftspressedienst aus, woran es in der Branche krankt und wo dringend Verbesserungen notwendig wären.

Nach der EU-Lebensmittelinformationsverordnung müssen die Konsumenten ab dem 13. Dezember 2014 auch bei unverpackten Lebensmitteln über allergene Inhaltsstoffe informiert werden. „Der Wirtschaftskammer ist es zwar gelungen, in Österreich die Möglichkeit einer mündlichen Informationsweitergabe durchzusetzen. Somit gilt die Informationspflicht als erfüllt, wenn an einer gut sichtbaren Stelle deutlich und gut lesbar ein Hinweis angebracht ist, dass die Informationen auf Nachfrage mündlich erhältlich sind“, so Friedrich Veit.

Es entsteht aber durch diese Verordnung den Gastronomen wieder ein zusätzlicher bürokratischer Aufwand und viele befürchten, dass regionale Produkte durch industriell erzeugte und gekennzeichnete Ware ersetzt werden. Was aber die Branche besonders aufregt, ist der Umstand, dass Vereinsfeste, Clubbings und ähnliche Veranstaltungen nach derzeitigem Informationsstand von dieser Verordnung ausgenommen sind. Der Strafrahmen reicht bis zu 50.000 Euro.

Auch der Wandel des gesellschaftlichen Umfeldes mache sich in der Branche immer mehr bemerkbar. „Das Internet beeinflusst alle Lebensbereiche der Menschen, aber auch der gesteigerte Leistungsdruck von der Schule bis zum Berufsleben drückt sich im Konsum und Freizeitverhalten aus“, so Veit. „Vor allem der klassischen Gastronomie vom Restaurant bis zum Kaffeehaus fällt es schwer, die Web 3.0-Generation anzusprechen, und sie verliert in der Altersgruppe unter 30 kontinuierlich Gäste.“

Dazu kommt der Mangel an Mitarbeitern. „Immer weniger wollen es auf sich nehmen, gerade an Wochenenden und sonnigen Sommertagen zu arbeiten, während ihre Freunde feiern. Im klassischen Lehrberuf Kellner - jetzt Restaurantfachkraft - wird der Arbeitsmarkt zunehmend von Studenten und Quereinsteigern dominiert. Mit ungelernten Mitarbeitern wird es allerdings immer schwieriger, das gewünschte Qualitätsniveau zu halten.“

Ein weiteres Problem auch in dieser Branche sei die Reglementierungswut des Gesetzgebers. Dieser würde den kleinen und mittleren Unternehmen, vor allem in der Dienstleistung und in der Lebensmittelverarbeitung, immer mehr Steine in den Weg legen. „Hygienestandards, Evaluierungen und Sicherheitsmaßnahmen aus der Großindustrie werden vielfach auf Klein- und Kleinstbetriebe übertragen. Wo seit Generationen der Chef seine Gäste begrüßt hat, ist er mittlerweile dazu verdonnert, Listen zu schreiben, Protokolle zu führen, Messungen durchzuführen und in Schulungen zu sitzen, und hat daher immer weniger Zeit, sich um seine Gäste zu kümmern“, berichtet Friedrich Veit.

Dieser zeitliche Aufwand schlage sich auch in den Gewinnen der Branche nieder. Erst in der jüngsten Vergangenheit habe die Gastronomie schmerzliche Schläge einstecken müssen. Als Beispiele nennt Veit die „erzwungenen Investitionen“ in Raucher- und Nichtraucherzonen, Hygienemaßnahmen und Barrierefreiheit sowie höhere Energiepreise, Lohn- und Lohnnebenkosten sowie Kosten für Schulungen. Auf der anderen Seite sinken die Umsätze als Folge der zunehmenden Konkurrenz durch Tankstellen, Handelsketten und Vereine. „Diese Kosten-Ertrag-Schere geht immer mehr auf und macht die Eigenkapitaldecke vieler Gastronomiebetriebe immer dünner“, stellt Veit fest.

Er würde sich daher von der Politik ein klares Bekenntnis zur Erhaltung der Wirtshaus-, Restaurant- und Kaffeehauskultur wünschen. „Immerhin ist die Wiener Kaffeehauskultur seit 2011 Weltkulturerbe der UNESCO, die Österreichische Küche weltbekannt und auch unsere Fachkräfte und unser Know-how in aller Welt gefragt“, betont der Vertreter der Kaffeehäuser in der Wirtschaftskammer.

Mit zusätzlichen Belastungen und Verunsicherungen, wie dem Rauchergesetz, müsse jedenfalls endlich Schluss sein. „Denn nur wenn die Rahmenbedingungen stimmen, werden die klassischen Gastronomiebetriebe überleben können und weiterhin Kommunikationszentren in unseren Städten und Dörfern bleiben.“ (dsh)
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