AutorInnen des Internationalen Dialektinstituts zu Gast in Imst
„Grenzgänger Dialekt“ – literarischer Austausch bei Tagung und Lesung (mit Video)

Das Internationale Dialektinstitut tagte mit 30 Mitgliedern in Imst. Als Höhepunkt fand eine gemeinsame Lesung mit den Wortraum-AutorInnen statt.
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IMST(alra). Die Wortraum-Autorinnen Angelika Polak-Pollhammer und Annemarie Regensburger organisierten die heurige Jahrestagung des IDI, des Internationalen Dialektinstituts. Sie brachten die Veranstaltung erstmals nach Imst. Ein gemeinsamer Auftritt mit TeilnehmerInnen aus Österreich, Deutschland, dem Elsass und der Schweiz gab im Rahmen einer öffentlichen Lesung Einblicke in deutschsprachige und individuell geprägte Sprachvarietäten.

Erhalt und Pflege von sprachlicher Vielfalt

Vom 15. bis 17. Oktober trafen sich 30 Mitglieder des Internationalen Dialektinstitutes in Imst. Möglich machten dies zwei starke regionale Vertreterinnen der Dialektsprache – Angelika Polak-Pollhammer und Annemarie Regensburger, die selbst aktiv dem IDI angehören. Auf dem Programm stand die jährliche Tagung mit Generalversammlung. „Die Veranstaltung ist im letzten Jahr ausgefallen und somit langersehnt. Unser Thema lautete „Grenzgänger Dialekt“ und es war deutlich spürbar, wie froh alle darüber sind, dass wir uns dank offener Grenzen wieder treffen können“, erklärt Angelika Polak-Pollhammer. Insgesamt zählen 130 AutorInnen sowie verschiedene Organisationen zum IDI. Das gemeinsame Ziel besteht in der Förderung von Dialektliteratur und dem Engagement für Minderheitensprachen in Zentraleuropa. Besetzt ist das IDI vorwiegend mit VertreterInnen aus dem deutschen Sprachraum. Die Gründung geht auf die Ötztaler Sprachlegende Dr. Hans Haid zurück, der 1976 den Zusammenschluss ins Lebens rief. Haid war es auch, der die Dialektdichtung aus ihrer engen Beschaulichkeit befreite und sie zunehmend seriös etablierte. Aktuell hält der aus Deutschland stammende Markus Manfred Jung die IDI-Präsidentschaft inne.

Gemeinsame Lesung mit Musik

Am Aufeinandertreffen von zahlreichen VertreterInnen unterschiedlicher Dialekte in Imst konnte auch die Öffentlichkeit teilhaben. Die stellvertretende Kulturreferentin Barbara Hauser begrüßte das Publikum und die IDI-Mitglieder anlässlich des Leseabends im Imster Raika-Saal. Sie bedankte sich bei allen, die sich für das Bewahren des Wortschatzes engagieren. Beim gemeinsamen Auftritt der Wortraum- und der IDI-AutorInnen wurde eine große Bandbreite aufgezeigt, die sich sowohl auf die regionalen Eigenheiten der Sprache wie auch auf die thematische Vielfalt der Texte bezog. Stimmungsbilder rund um die Jahreszeiten, der Begriff Heimat, Liebe und Abschied, Alltagsbeobachtungen, die Auseinandersetzung mit dem aktuellen Zeitgeschehen – all dies fand in den kritisch bis satirisch, humorvoll bis ernst angelegten Beiträgen Raum. Den Auftakt des Programms übernahm der Wortraum – die Plattform der Oberländer Autorinnen war vertreten mit Beiträgen von ChristIana Pucher, Alexandra Kleinheinz, Lea Jehle, Irene Zoller, Angelika Praxmarer, Ingeborg Schmid, Gerda Bernhart, Brigitte Thurner, Angelika Polak-Pollhammer, Claudia Müller und Annemarie Regensburger. Die IDI-TeilnehmerInnen folgten mit Gertraud Patterer, Gerlinde Allmayer, Max Faistauer, Gundi Egger, Hans-Dieter Mairinger, Hannes Decker und Christine Tippelreiter. Sie vermittelten die Sprachfarben Osttirols, Salzburgs, Oberösterreichs und Niederösterreichs. Einblicke in die Dialekte aus dem Alemannischen, aus Bayern, Allgäu, Franken und Norddeutschland erfolgten durch Josef Wittmann, Claudia Scherer, Markus Manfred Jung, Manfred Kern, Elfi Neubauer-Theis, Wendelinus Wurth, Dirk Römmer und Gerd Spiekermann. Den abschließenden Block gestalteten Pierre Kretz, Erwin Messmer, Anneliese Zerlauth, Lidwina Boso, Birgit Rietzler, Astrid Marte, Helene Rüdisser und Franz Rüdisser mit Texten, die das Elsass, die Schweiz und Vorarlberg in seinen sprachlichen Eigenheiten repräsentierten. Mit einer stimmigen Auswahl von Eigenkompositionen, einem vertonten Erich Fried Text sowie Mundart-Gedichten umrahmte Dieter Oberkofler an Gitarre und Gesang den Abend. Deutlich wurden die Individualität und die feinen Nuancen aufgezeigt, die der Dialekt im Ausdrücken von Gefühlslagen in all ihrer Intensität ermöglicht. Die Veranstaltung war gut besucht und fand beim Publikum und den TeilnehmerInnen großen Anklang.

Produktives, kreatives Treffen

Das Zusammenkunft in Imst war zum einen organisatorischer Natur – es wurde jedoch auch der rege Austausch gepflegt. Neben den Vorstandswahlen und zwei Vorträgen zum Thema „Häschtäck Dialeckth“ von Mag.a Dr.in Ingeborg Schmid und „Literarisches Schreiben im Dialekt“ von Dr.in Maria Piok fand wurde auch eine Schreibwerkstatt abgehalten. Dabei sind tiefgründige und zeitgemäße Texten zum Thema „s’woart kenn kua grenz“ entstanden. Autorin und Organisatorin Annemarie Regensburger erklärt: „Dieser Austausch war besonders fruchtbar für uns, wir konnten uns gegenseitig stärken. Dialekt hat die Aufgabe, identitätsstiftend zu sein – er ist nicht konserviert, sondern lebendig und Ausdruck regionaler Befindlichkeiten. Diese Lebendigkeit haben wir bei der Tagung erfahren.“ Angelika Polak-Pollhammer und Annemarie Regensburger luden die TagungsteilnehmerInnen weiters zum Brunnenspaziergang durch Imst, dem gemeinsamen Besuch des Fasnachtsmuseums sowie einer Runde übers Bergl ein. Die Autorin Elfi Neubauer-Theis zeigte sich begeistert: „Hut ab vor den beiden Organisatorinnen – die Tage hier in Imst waren perfekt geplant. Wir haben uns sehr wohl gefühlt, viel über Imst erfahren, die Wortraum-Autorinnen kennengelernt und die Energie von Menschen gespürt, die gemeinsam etwas im Bereich des Dialekts bewegen wollen.“

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