Reportage
Alle nannten ihn Anja - eine Reportage über einen Mann, der im Frauenkörper geboren wurde

<f>Ricardo Föger </f>war 26 Jahre in einem Frauenkörper gefangen. Nach seiner Befreiung, wie er es nennt, will er Ansprechperson für Betroffene sein und zeigen, dass für Transgender ein normales Leben möglich ist.
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  • <f>Ricardo Föger </f>war 26 Jahre in einem Frauenkörper gefangen. Nach seiner Befreiung, wie er es nennt, will er Ansprechperson für Betroffene sein und zeigen, dass für Transgender ein normales Leben möglich ist.
  • Foto: Fotos: Privat
  • hochgeladen von Petra Schöpf

Einen tiefen Einblick in seine starke Seele gewährte mir kürzlich Ricardo Föger. Es war ein Gespräch mit einem Mann, der in einem Mädchenkörper geboren wurde und die Zeit bis zu seiner Befreiung aus dem falschen Körper als unverschuldete Gefangenschaft beschreibt.

Die Thematik Transgender zu sein ist keineswegs selten, neu ist die offene Art damit umzugehen und sogar an die Öffentlichkeit zu gehen. Ricardo Föger aus Silz will eine Ansprechperson für Betroffene und deren Familien sein, er will das Thema enttabuisieren. "Mein behandelnder Arzt Dr. Christoph Tasch hat einmal gesagt, er findet es schade, dass so viele Leidende erst zu ihm kommen, nachdem sie einen Selbstmordversuch überlebt haben", erzählt Ricardo. Auch Pädagogen sollen sich angesprochen fühlen um hellhörig bei ihren Schützlingen zu sein. 
Ricardos Lebensgeschichte gleicht streckenweise einer Leidensgeschichte. Bereits im Kindergarten fand er es falsch auf das Mädchenklo gehen zu müssen und Kleidchen anzuziehen, aber alle nannten ihn Anja. Richtiger erschienen ihm Kapuzenshirt und Sneakers. Auch seine Schulkollegen fanden, es würde mit Anja etwas nicht stimmen, er wurde gemobbt. Seine Hauptschulzeit erlebte der heute glücklich verheiratete Ricardo als Qual, seine Pubertät und damit die Ausprägung der weiblichen Geschlechtsorgane begann und trieb ihn in eine tiefe Verzweiflung.

Zusammenbruch war ein Anfang

Unfähig selbst zu verstehen, was in ihm los war, erkannte seine Mutter bald die ersten Vorzeichen. Einfühlsam suchte sie das Gespräch, lange Zeit erfolglos. Auch eine Beziehung, weder mit Mädchen noch mit einem Jungen kam für ihn in Frage, die Scheu von jemandem an seinem "falschen" Körper berührt zu werden war zu groß. Mit 26 Jahren schließlich brach der als Polizist ausgebildete, immer noch im Frauenkörper Gefangene, zusammen, er outete sich seiner Mutter gegenüber. Die ganze Familie stand hinter ihm und begleitete Ricardo auf seinem langen, schmerzvollen Weg zum eigentlichen Ich, wie er die Anpassung des Körpers an den vorhandenen männlichen Geist nennt. 

Medizinisches Wunder

Was folgte war ein Jahr Psychotherapie, Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens und die ersten Hormonspritzen. Der Stimmbruch setzte ein und weitere männliche Merkmale zeichneten sich bald ab. Es stand die erste der drei großen Operationen an, die Totaloperation, wobei alle weiblichen Geschlechtsorgane entnommen werden und zusätzlich noch eine Mastektomie, also die Brust wurde entfernt. Begleitet von Panikgefühlen und Vorfreude endlich der Mensch zu sein, der er innerlich schon immer war, schlief er im OP ein, mit Freudentränen und Erleichterung wachte er auf. Doch der eigentliche Hammer kam Monate später, die 80.000 Euro teure Operation in Deutschland bei Dr. Jean Paul Daverio. Damals bezahlte die Krankenkasse keine ausländischen Eingriffe dieser Art, heute ist das anders. Aus dem Gewebe, Nerven und Blutgefäßen des Unterarms wurde in einer über zehn Stunden dauernden Operation der Penis geformt und mit dem Körper verbunden, 21 Tage stationärer Aufenthalt folgten und eine schmerzhafte Zeit, bis der Körper sich von den Operationen erholte. Durch diese Zeit begleitete ihn bereits seine heutige Ehefrau Miriam, die ihm Kraft gab und auch vorher schon unterstützte. Letztendlich folgte die finale Operation, die auch bei impotenten oder anders erkrankten Männern eine Erektion möglich macht, der Einsatz der Erektionsprothese. Dabei handelt es sich um ein Implantat, wobei mit einer kleinen Pumpe, die im Hodensack versteckt ist, Flüssigkeit in den Penis gepumpt wird, was eine künstlich erzeugte Erektion zur Folge hat. Ricardo kann sich also nach einem langen Befreiungsweg auch äußerlich als Mann bezeichnen. 

Autor entzündete Hoffnungsschimmer

Mit dem Buchautor und selbst geschlechtlich angeglichenen Balian Buschbaum, der mit dem Beststeller "Blaue Augen bleiben blau" bei Ricardo einen Hoffnungsschimmer auf ein normales Leben entzündete, ist der Silzer mittlerweile gut befreundet. Zufällig traf er sein Idol damals in der Klinik und tankte seither immer wieder Kraft im Gespräch mit Buschbaum. Den charismatischen Erfolgschoach lud Ricardo kurzerhand nach Silz ein, wo er im Februar seinen Vortrag "Vielfalt erleben" halten wird um am darauf folgenden Tag aus seinem ersten, oben erwähnten Buch vorzulesen. Ein Erklärungsversuch mit zwinkerndem Auge warum Männer angeblich nicht zuhören und wie genau Multitasking bei einer Frau funktioniert. Welche Geheimnisse noch hinter den gängigen Klischees von Männern und Frauen stecken, berichtet Balian auf charmante Weise und erweitert zusätzlich noch den einen oder anderen Horizont abseits der Geschlechterfrage. Die Zuhörer erwartet ein erfrischenden Abend, der sich um den weit gefächerten Themenbereich Mann-Frau-Mensch drehen wird. Termine sind voraussichtlich am 22. und 23. Februar. Kontaktaufnahme mit Ricardo Föger ist über die Radaktion der Bezirksblätter unter 0664/80 666 4615 möglich.

&lt;f&gt;Ricardo Föger &lt;/f&gt;war 26 Jahre in einem Frauenkörper gefangen. Nach seiner Befreiung, wie er es nennt, will er Ansprechperson für Betroffene sein und zeigen, dass für Transgender ein normales Leben möglich ist.
&lt;f&gt;Ricardo Föger&lt;/f&gt; aus Silz ist heute glücklich verheiratet.

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