Kraftwerk Tumpen/Habichen
Demonstration mit Menschenkette in Baugrube

Menschenkette "für freie Flüsse" in der Baugrube des Kraftwerkes Tumpen/Habichen
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  • Menschenkette "für freie Flüsse" in der Baugrube des Kraftwerkes Tumpen/Habichen
  • Foto: © WWF Gerhard Egger
  • hochgeladen von Petra Schöpf

UMHAUSEN/OETZ (ps). Erneut rumorte es rund um das Kraftwerk Tumpen/Habichen, dieses Mal in Form einer Menschenschlange direkt in der Baugrube. Projektgegner wie der WWF, „Wildwasser erhalten Tirol“ (WET) und die „Bürgerinitiative gegen die Wasserkraftanlage Tumpen“ waren die Initiatoren der Protestaktion am Samstagvormittag. Organisatorin und WET-Sprecherin Marieke Vogt wirft dem Land Untätigkeit vor: „Trotz der eingereichten 22.800 Unterschriften gegen das Skandalprojekt Tumpen-Habichen hat sich nichts geändert, im Gegenteil“. Sie bezieht sich damit auf die Unterschriften der Petition, die sowohl online wie auch in Papierform unterstützt wurde. Ähnliche Vorwürfe erhebt auch Marianne Götsch vom WWF: „Anstatt naturzerstörerische Projekte auch noch zu subventionieren braucht es eine Politik, die den dauerhaften Erhalt der letzten Flussjuwele garantiert.“

„Gstoage“ wirklich so attraktiv?

Jeder Ötztaler kennt das „Tumpener Gstoag“, mit seinen zwei Kehren eine sehr markante Talstufe des Ötztals. Was die Autofahrer nicht sehen ist der Verlauf der Ötztaler Ache in einer Schlucht direkt neben der Straße. Die „Achstürze“ sind imposant und bei Hochwasser durchaus angsteinflössend. Doch kein Fussgänger kann der Ache in diesem Bereich zu nahe kommen, es gibt hier keinen regulären Weg entlang des Wassers. Auch die Tier- und Pflanzenwelt dürfte gelernt haben, mit der Gefahr zu leben oder das Weite zu suchen. Letzteres gilt im Übrigen auch für die Wassersportler.
WET-Sprecherin Marieke Vogts Aussage, „die Flussverbauung entzieht dem Wildwassersport und dem dazugehörigen Tourismus die Grundlage“, bezieht sich daher ausschließlich auf den Bereich, nach welchem das abgezweigte Wasser das Kraftwerk passiert hat und bei Habichen wieder in die Ache eingeleitet wurde. Da auf dem Facebook-Profil von „WET“ Bilder mit Kajakfahrern im oberen Bereich der Achstürze gezeigt werden, könnte die Bedeutung der „Achstürze“ für den Kajaksport missgedeutet werden.

Die Vorgeschichte des Kraftwerkprojektes in aller Kürze

Seit mittlerweile zwölf Jahren, also seit 2008, befindet sich das Kraftwerk Tumpen/Habichen in der Planungsphase. Es wurden etliche Gutachten erstellt und schließlich erfolgte 2015 die naturschutzrechtliche Bewilligung. Der WWF Österreich hat gegen diese Bewilligung Beschwerde beim Landesverwaltungsgericht eingelegt, die wasserrechtliche Bewilligung ist beim Höchstgericht (VwGH) anhängig. Dennoch begannen im März dieses Jahres die Projektbetreiber, die Ötztaler Wasserkraft GmbH (bestehend aus Gemeinde Oetz, Gemeinde Umhausen, Auer Beteiligungs GmbH und TIWAG), mit den Baumaßnahmen des Kraftwerkes. Dies begründete Umhausens Bürgermeister Jakob Wolf mit dem Verfall eines aufrechten positiven Bescheides, wenn der Baustart nicht bis 11. Juni erfolgen würde. Seither wird in Habichen wie auch in Tumpen gebaut.

Förderungen streichen?

Aufhorchen ließ unlängst die Grüne Umweltministerin Leonore Gewessler mit ihrem eingereichten Entwurf zur Gesetzesnovelle für ein „Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz“. Demnach sollte der Ausbau der erneuerbaren Energiequellen derart vorangetrieben werden, dass in den kommenden zehn Jahren unser Stromverbrauch ausschließlich von Wasser, Sonne, Biomasse und Wind getilgt wird. Fördern will sie nur noch Kraftwerke, die alle ökologischen Bedingungen erfüllen.
Hier ortet Gebi Mair, Klubchef der Tiroler Grünen, das Aus für die Förderwürdigkeit von Tumpen/Habichen. „Mit dem ‚Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz’ wird zum ersten Mal die Förderwürdigkeit auch an die Qualität der Gewässer geknüpft. Ich gehe davon aus, dass es deutlich unattraktiver wird, am Kraftwerk Tumpen/Habichen weiterzuarbeiten“, wurde Gebi Mair kürzlich medial zitiert. 
Klubobmann und Bürgermeister Jakob Wolf informierte indes: „Es handelt sich vorerst um einen von den Grünen eingereichten Entwurf einer Gesetzesnovelle, der geprüft werden muss und eventuell abgeändert wird. Wir hoffen und gehen davon aus, dass die Bundesregierung zu ihren Förderzusagen steht und dass es für das in Bau befindliche Kraftwerk Tumpen/Habichen die zugesagten Förderungen geben wird.“

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