Erstes Buch zur Geschichte der Imster Südtiroler Siedlung

Südtiroler Familien, die Haus und Hof verließen, um ein vermeintlich lebenswerteres Daheim zu finden: Die beiden Autorinnen Annemarie Regensburger und Angelika Polak-Pollhammer beleuchten das Schicksal von Menschen in der Imster Südtiroler Siedlung. Ihr Buch „Ehe der letzte Schornstein fällt. Die Imster Südttirolersiedlung 1939 - 2014“ wird am 14. November im Imster Pflegezentrum vorgestellt. Vor 75 Jahren wurde die Südtiroler Bevölkerung zur Option gerufen. Die von zwei faschistischen Regimen erzwungene Abstimmung stellte deutschsprachige Südtiroler und Ladiner vor die „Wahl“: Italianisierung oder Auswanderung ins damalige Deutsche Reich. 1939 kamen die ersten Südtiroler Familien im Zuge der Option nach Imst. In der Siedlung am Grettert fanden die unvermittelt Heimatlosen einen neuen Wohnort, in dem sich viele lange nicht zuhause fühlen sollten. Die historischen Bauten der Südtirolersiedlung weichen derzeit neuen, modernen Wohnblöcken. Mit dem Verschwinden dieser baulichen Zeugnisse schließt sich zugleich ein Kapitel Südtiroler und Imster Geschichte.

20 Familiengeschichten

Die beiden Autorinnen Annemarie Regensburger und Angelika Polak-Pollhammer haben die letzten persönlich betroffenen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen befragt und ihre Lebenserinnerungen an die Zeit der Option und die Jahre danach niedergeschrieben. 32 Interviews mit 70 Stunden an Tonbandprotokollen sind dabei entstanden. Daraus entschlüsselt haben die beiden Schriftstellerinnen 20 Familiengeschichten, die sie in ihrem unlängst auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellten Buch darlegen. Das Werk trägt den Titel „Ehe der letzte Schornstein fällt. Die Imster Südttirolersiedlung 1939 - 2014“. Darin zutage treten viele persönliche Schicksale, die sich zu einem eindringlichen Stimmungsbild einer Zeit großer Umbrüche verdichten. Die Motivation für die Entscheidung nach Nordtirol zu gehen, politische und persönliche Einstellungen, Lebensschicksale, Aufarbeiten oder Verschweigung der NS-Zeit – all dies erinnern die Betroffenen in unmittelbarer Sprache. Die Geschichten gewähren einen tiefen Einblick in das Erleben von Persönlichkeiten und Familienverbänden, die erfahren mussten, was es heißt, sein Zuhause zu verlieren. „Es war für uns berührend, dass wir mit großem Wohlwollen bei diesen Menschen, die damals Kinder waren, aufgenommen wurden. Und auch bei ihren eigenen Kindern. Oft erlebten wir Freude darüber, dass sie endlich mit ihrem Schicksal wahrgenommen werden“, berichten Regensburger und Polak-Pollhammer. In Imst gab es bisher noch keine Dokumentation zur Geschichte der aus Südtirol stammenden Bevölkerung – obwohl von 1940 bis 1947 insgesamt 67 Wohnungen an Südtiroler Optantinnen und Optanten vergeben wurden. Das vorliegende Buch, das im Verlag „EYE, Literatur der Wenigerheiten“ erschienen ist, schließt diese Lücke. Neben den Familiengeschichten mit Stammbäumen enthält es einen historischen Teil zur Option, ein Kapitel über die Architektur der Südtirolersiedlungen und eines über die Entstehung der NHT (Neue Heimat Tirol) sowie historisches Fotomaterial. Präsentiert wird das Buch am Freitag, 14. November 2014, um 20.00 Uhr im Café Rosengartl im Imster Pflegezentrum (und in unmittelbarer Nachbarschaft einer einstigen Südtiroler Siedlung). Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

Autor:

Clemens Perktold aus Imst

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