Leserbrief
Gletscherzusammenschluss: Wasserprediger und Weintrinker

Ich möchte den kürzlich veröffentlichten Leserbrief von Trude Melmer, dem ich zu hundert Prozent beipflichte, noch um ein paar Details ergänzen.
Ich finde, der Gletscherzusammenschluss im Pitztal ist notwendig und für das weiter wirtschaften im Tal alternativlos. Alternativlos, weil man sich schon in den 80ern zum Schi- und Wandertourismus entschlossen hat und jetzt ein Weitermachen dessen die logische Konsequenz daraus ist.
Fatal wäre die Entscheidung nun den Stillstand einzuläuten, Lifte abzubauen und auf sogenannte „Alternativen“ im Tourismus setzen.
Nein, wir haben im Pitztal und das Gott sei's gedankt diesen einen Weg gewählt, schon deswegen, weil es der einzige Wirtschaftszweig ist, den wir im Tal zur Verfügung haben. Ich bin seit gut 40 Jahren eben in diesem Gebiet als Bergführer unterwegs und habe tausenden Gästen die Schönheit des Tales und im speziellen unserer Berge näher gebracht. Der Massentourismus ist mir dabei nie begegnet.
Ich habe den Gletscher kennengelernt wie kaum ein anderer. Jetzt sich hinzustellen und den Gletscherschilauf quasi für den Gletscherrückgang verantwortlich zu machen ist schlichtweg falsch.
Gerade wir im Pitztal haben immer auch die Natur gehegt und gepflegt. Nicht umsonst haben wir mit dem Naturpark Kaunergrat sowie dem Natura 2000 Schutzgebiet Ötztaler Alpen einen großen Beitrag zum Naturschutz geleistet.
Hierüber könnte man auch einmal berichten und nicht nur immer eine einseitige Stimmung machen. Was schon alles getan wurde um die Natur zu schützen reicht nur leider nicht zum Überleben.
Was so oder anders für mich ein No Go ist, weil dieses Thema einzig den Pitztalern vorbehalten sein sollte. Wir sind nicht lautstark dagegen, wenn anderen Ortes eine Kofelbahn maßlos überzogen erbaut wird. Diese Geschichten lassen wir dort wo sie passieren.
Ich halte vor allem auch nichts von den sogenannten Wasserpredigern und Weintrinkern. Gerade der Alpenverein sollte da vor seiner eigenen Haustüre kehren. Denn als der größte Zimmervermieter in Österreich zahlt dieser hier bei uns keine Abgaben, geschweige denn einen Promillesatz. 
Das Thema Rudolfshütte oder sollte ich besser sagen Rudolfshotel am Weißsee mitten in den Tauern will ich gar nicht ansprechen. Warum braucht es auf einer Schutzhütte ein Schwimmbad?
Auch könnte ich von hunderten Hütten erzählen, deren Abwasserproblem noch lange nicht gelöst ist. Also lieber DAV/ÖAV, lieber mal selbst schauen, wo's fehlt bevor man mit dem Finger auf andere zeigt. 
Wir im Pitztal leisten jeden Tag mit unseren Bauern und Einheimischen Naturschutz vom Feinsten. Dass wir dafür die Luft zum Atmen brauchen, nämlich den Tourismus, sollte selbstverständlich sein.
Wenn aber Organisationen sich mehr Naturschutz und Klimaschutz wünschen, dann einen Tipp von mir: verkauft's eure sündteuren Allrad-SUV's, bucht's keine Kreuzfahrten mehr, fliegt's auch nicht mehr für eine Besprechung schnell mal nach Wien, sondern fahrt's ins Pitztal lasst's ein paar Euros da und regt's euch nicht auf, dass die Liftkarte zu teuer ist sondern bewandert's den Naturpark Kaunergrat, dann würd' ich endlich dort auch einmal ein paar Leutchen treffen.
Wasserprediger und Weintrinker muss ich euch einfach vorwerfen.
Anbei noch ein Umstand, der verschwiegen wird. Im Frühjahr werden tausende Quadratmeter Schnee abgedeckt, um diese im Herbst wieder auf den Gletscher aufzutragen. Ich habe beobachtet, dass dies dem Gletscher Nahrung gibt. Also könnte man auch sagen, hier wird Gletscherschmelze zumindest ein wenig eingedämmt. Beitrag zum Naturschutz ist das, wenn auch nur ein kleiner. Aber wir machen keinen Klimaschutz, wenn die großen Industrienationen nicht mitspielen. In Tirol trennt man schon seit 50 Jahren den Müll. Also liebe Grüße aus dem Pitztal an alle, die glauben im Pitztal sollte man jetzt endlich mal Naturschutz und Klimaschutz betreiben. Wir machen das schon lange. Zum Schluss sei mir noch eine Sache erlaubt zu erwähnen.
Just ein Mitglied des Alpenvereins hat sich maßlos aufgeregt, als er nicht pünktlich (wegen eines kleinen technischen Defektes) mit der Bahn zu seiner Wildspitztour aufbrechen konnte, und das Geschrei war noch größer, als er keine Ermäßigung auf seinen AV-Ausweis erhalten hatte .
Wasserprediger und Weintrinker seit's gegrüßt.

Helmut Eiter Bergführer/Gastwirt/Schilehrer in Ruhestand und Urpitztaler

Vorangegangener Leserbrief von Trude Melmer   

Gegner des Zusammenschlusses reagieren auf ein Gutachten

Du möchtest regelmäßig Infos über das, was in deiner Region passiert?

Dann melde dich für den meinbezirk.at-Newsletter an

Gleich anmelden

Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Folge uns auf:
Die Bezirksblätter immer mit dabei! Mit der praktischen ePaper-App.


Gleich downloaden!

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen