Grabenkämpfe der Pädagogen

IMST (sz). Im November des vorangegangenen Jahres wurde der Entwurf einer Bildungsreform beschlossen, der unter anderem Modellregionen für eine gemeinsame Schule der 6 bis 14-Jährigen in Tirol vorsieht.

Steuerungsgruppe plant
Die Grundidee einer Gesamtschule ist es den SchülerInnen den Druck der frühen Entscheidung über den restlichen Lebens- bzw. Berufsweg zu nehmen und nach hinten zu verschieben, sowie gleiche Voraussetzungen für alle Kinder aus den verschiedensten sozialen Schichten zu schaffen.
Eine kürzlich eingerichtete Steuerungsgruppe, darunter NR Sigrid Maurer, Karlheinz Töchterle und LA Gebi Mair, soll das Modell ausarbeiten. Bevor es aber zu einer derartigen "Versuchsreihe" kommen kann, braucht es einen Beschluss des Nationalrates, der bis dato nicht vorliegt. Frühestens 2017 könnte der Versuch starten. Kritik kommt aber schon jetzt.

Modellregion Imst?
Einer kolportierten Meldung zu Folge sei auch die Schulstadt Imst als mögliche Modellregion vorstellbar. Einigen AHS-Lehrern, Schüler- und Elternvertretern stößt dieser Gedanke aber sauer auf. Sie wollen sich vehement zur Wehr setzen und sehen große Standortnachteile durch den "Bildungseintopf" Gemeinschaftsschule. Direktor Karl Digruber vom BRG Imst und AHS Gewerkschafter dazu: "Hier regiert ideologische Brachialgewalt. Die Region würde bildungsmäßig total verarmen. Nicht nur das Gymnasium ist in Gefahr, sondern alle Schulen mit Sonderformen, wie beispielsweise die Musik- und Sport-NMS in Imst. Derartige Formen finden bei diesem Modell keinen Platz."
Besonders in Imst herrsche ein gut funktionierendes und vielfältiges Schulsystem vor, dass durch dieses Modell mutwillig zerstört werden und letztlich nur teuren Privatschulen zu Gute kommen würde führt Digruber aus.

Pro und Kontra
Rückendeckung bekommt Digruber naturgemäß von der Vereinigung "Pro Gymnasium Österreich": "Die Pläne der Tiroler Landesregierung, entweder in Imst oder Landeck eine Gesamtschul-Modellregion einzuführen, sind zum Scheitern verurteilt", beurteilt Rainer Gögele, der Obmann von Pro Gymnasium Österreich, entsprechende Absichten. "Genauso wie in Reutte und Lienz gibt es geschlossenen Widerstand der Schulpartner, der örtlichen Politik und der Bevölkerung gegen die Pläne, das achtjährige Gymnasium in eine Gesamtschule umzuwandeln" und weiter: "Vollkommen abzulehnen ist der Vorstoß der Tiroler Bildungslandesrätin Beate Palfrader, der das Mitwirkungsrecht von Eltern, Schülern und Lehrern bei Schulversuchen abschaffen will. Sie ist in Innsbruck daran gescheitert, eine Gesamtschul-Modellregion einzurichten und reagiert jetzt unangemessen. Anstatt die Schulpartner zu entmachten sollte sie darüber nachdenken, warum Schüler, Eltern und Lehrern ihren schulpolitischen Vorstellungen nicht folgen", verlangt Gögele von LR Palfrader "Gewissenserforschung in eigener Sache." Franz Haselwanter, Schulausschuss-Obmann der Stadt Imst spricht sich für dieses Modell aus: "Das Schulsystem hat in anderen Ländern längst Einzug gehalten und funktioniert bestens. Daher ist für mich ganz klar, dass eine Gesamtschule auch in Österreich kommen muss - in Österreich dauert es aber naturgemäß immer etwas länger."

Autor:

Stephan Zangerle aus Imst

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

Newsletter Anmeldung!

Du willst Infos, Veranstaltungen und Gewinnspiele aus deiner Umgebung?

Dann melde dich jetzt für den kostenlosen Newsletter aus deiner Region an!

ANMELDEN

Newsletter Anmeldung!

Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.