Laute Proteste gegen drohende Abschiebung
„Henry gehört zu unserer Familie”

Vereinte Familie: Henry Okoh durfte auch bei der Hochzeit von Natalie Kranebitter nicht fehlen.
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  • Foto: Kranebitter
  • hochgeladen von Peter Leitner

ROPPEN, SAUTENS, MÖTZ (pele). Er war noch nicht angelobt, da beeilte sich Österreichs designierter Bundeskanzler Karl Nehammer sogleich, zu betonen, dass er in Sachen Asyl und Migration die Linie halten werde. Wie grausam eben dieses System sein kann, zeigt sich an dem seit sieben Jahren im Tiroler Oberland lebenden Nigerianer Henry Okoh. Er ist ausgezeichnet integriert, wurde unlängst von Landeshauptmann Günther Platter und Tirols obersten Polizeibeamten Edelbert Kohler sogar für seinen mutigen Einsatz bei einem Raubüberfall bei der Hofer-Filiale auf der Ötztaler Höhe ausgezeichnet. Dennoch droht ihm nahezu täglich die Abschiebung. Ohne jeden Skrupel negieren die für das Asylwesen zuständigen Richter bis dato die dramatische Lebensgeschichte des 32-Jährigen. Unternehmer Christian Kranebitter, der mit seiner Familie Henry Okoh gewissermaßen adoptiert hat, will jedoch nicht aufgeben und ist mit dem Fall vergangene Woche vor den Verfassungsgerichtshof gezogen.

Dramatische Geschichte

Die Vita von Henry könnte dramatischer nicht sein. Als er 2007 die Universität besuchen wollte, wurde er zum Beitritt in die Terrororganisation Supreme Eiye Confraternity (SEC), welche von den österreichischen Richtern unfassbarerweise als harmlos eingestuft wird, genötigt. Er lehnte ab, wurde daraufhin auf offener Straße mit Macheten und Hacken attackiert. Nur weil die Attentäter glaubten, er sei tot, überlebte er schwer verletzt in seiner eigenen Blutlache liegend.

Ganze zwei Jahre dauerte der Heilungsprozess. Und Henry lebte stets in Angst, dass die Terroristen abermals zuschlagen würden. Im Jahr 2009 reiste er mit einem Visum in die Türkei aus, kam später über Griechenland und Italien in die Schweiz. Dort aufgegriffen, wurde er sofort nach Nigeria abgeschoben.

Wo er wenig später neuerlich vor der SEC flüchten musste, die ihm weiterhin nach dem Leben trachtete. Er schlug sich nach Lybien durch. In einem Schlauchboot mit rund 150 Leuten an Bord ging’s übers Mittelmeer nach Italien. Viele Flüchtlinge ertranken. Schreiende Flüchtlingsbabys wurden von den Schleppern kurzerhand ins Meer geworfen.

Mit einem LKW-Fahrer gelangte Henry schließlich nach Wien. Im Erstaufnahmelager Traiskichern stellte er einen Asylantrag. Über St. Georgen in Salzburg kam er ins damalige Flüchtlingsheim nach Mötz, dann nach Sautens. Sieben Jahre später hat er seine Unterkunft im Flüchtlingsheim in Roppen – aber auch sein eigenes Zimmer im Haus der Familie Kranebitter in Mötz.

Annabell Kranebitter gab ehrenamtlich Deutschunterricht in Sautens, lernte dort Henry kennen. Wenig später beschloss die Familie, sich um den jungen Nigerianer zu kümmern.


Voll integriert


„Henry ist bei uns ein voll integriertes Familienmitglied, unser viertes Kind. Familienfeiern ohne ihn sind für uns schon längst undenkbar”, sagt Christian Kranebitter. Der auch Obmann der SPG Silz/Mötz ist, jenen Verein, für den Henry in der zweiten Mannschaft der Leithammel für viele junge Talente ist.

Der trotz seines Schicksals stets gut gelaunte Mann ist Verkäufer der Straßenzeitung 20er und auch ein geschätzter Mitarbeiter im Recyclinghof in Sautens.

Während das Büro des Landeshauptmannes nach Bekanntwerden des negativen Asylbescheids für Henry sofort auch Tauchstation ging und sich für nicht zuständig erklärte, gab es sehr wohl öffentliche politische Reaktionen. So spricht sich der Präsident der Tiroler Wirtschaftskammer, Christoph Walser, dezidiert für ein Bleiberecht aus. „Man kann sich nicht dauernd hinter dem Asylrecht verstecken. Hier geht es um einen ausgezeichnet integrierten und arbeitswilligen Menschen, den unsere Wirtschaft angesichts des Arbeitskräftemangels gut gebrauchen könnte.”

Auch Tirols SPÖ-Chef Georg Dornauer wurde deutlich: „Es kann nicht sein, dass Menschen einerseits für den Einsatz und die Verdienste für unser Land geehrt werden, ihnen andererseits aber die Abschiebung in ein für sie lebensbedrohliches Land droht – und das noch dazu aufgrund von fragwürdigen Argumentationen und Bescheiden.”

Für Bürgermeister Fredi Köll aus Sautens steht ebenfalls fest: „Henry muss bleiben! Ich fordere ein humanitäres Bleiberecht. Die drohende Abschiebung macht mich fassungslos.”

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