Historische Weihnachtskrippen

Szene aus der Ursulinenkrippe, um 1790
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  • Szene aus der Ursulinenkrippe, um 1790
  • Foto: Foto: MiB
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Die Zeit des „Krippenschauens“ erlebt traditionellerweise nach Dreikönig ihren Höhepunkt, weil in allen Hauskrippen auch die prachtvollen Königsfiguren aufgestellt werden.
Am Sonntag, dem 19. Jänner 2014, ist das Museum deshalb zusätzlich von 14-18 Uhr geöffnet, dazu gibt es Führungen durch die Krippenausstellung.

Das Museum im Ballhaus zeigt schon seit dem Advent seine prächtigen Krippenfiguren, die noch bis zum Samstag, 1. Februar 2014 zu sehen sind.
Dazu gehört natürlich die wunderschöne Ursulinenkrippe, eine barocke Klosterarbeit aus dem Innsbrucker Ursulinenkloster. Die aufwendig gestaltete Klaissnerkrippe ist eine Luxusversion einer aus Holz geschnitzten Krippe, entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Weitere Szenen aus verschiedenen kleineren Krippen ergänzen die Krippenschau.

In Tirol steht heute die Krippe im Mittelpunkt des weihnachtlichen Brauchtums. Ursprünglich wurden Krippen nur in Kirchen und Klöstern aufgestellt, um den Gläubigen das Geschehen um Weihnachten bildlich zu vermitteln und so den Glauben zu vertiefen, denn Lesen und Schreiben kontern früher nur die Wenigsten.
Nur langsam fand die Krippe ihren Weg erst in die Häuser der Adeligen, schließlich auch in die Bauernstuben, wo Figuren aus den unterschiedlichsten Materialien, aus Holz, Ton, Papier,...., entsprechend der jeweiligen durch die Evangelien überlieferten Geschehnisse immer wieder neu auf- und umgestellt wurden.

Im Mittelpunkt der Krippenschau im Ballhaus steht natürlich die prächtige barocke Ursulinenkrippe. Klosterfrauen aus dem Innsbrucker Ursulinenkloster haben um 1790 die Gewänder für die 239 Figuren in liebevoller Handarbeit genäht. So genannte "gekleidete Krippen" wie diese sind typisch für die Zeit des Barock und zudem die älteste Krippenform in Tirol.
Solche gekleideten Krippenfiguren wurden eigentlich immer in Klöstern hergestellt, wo Ordensfrauen Muße hatten, um die Kleider aus Resten von Priestergewändern oder Opernkostümen herzustellen. Es wurden also Stoffreste verwendet, wobei diese aber kostbar und von sehr hoher Qualität waren. Zur Dekoration wurden Spitzen, Borten, Klöppelarbeiten, Pailletten, französische und italienische Gewebe sowie Perlenschmuck verschiedenster Herkunft verarbeitet.
Beeindruckend an der Ursulinenkrippe sind nicht nur die große Figurenanzahl, sondern auch die prunkvolle Ausführung und der hervorragende Erhaltungszustand.

Aus Holz geschnitzte Krippen wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts immer beliebter, da sich nun sowohl anerkannte Bildhauer als auch Volkskünstler dieser Arbeit widmeten. Geschnitzte Figuren waren haltbarer und boten mehr Ausdrucksmöglichkeiten als etwa gekleidete Figuren.
Eine Luxusversion einer aus Holz geschnitzten Krippe zeigt das Ballhaus mit der Klaissnerkrippe.
Dabei handelt es sich um eine Arbeit des Zirler Krippenschnitzers Johann Klaissner vulgo "Plätz" oder "Plätzen Hannes".
Die aufwendig gestalteten Figuren beeindrucken durch ihren Prunk, die Farbigkeit und den Detailreichtum.
Vor allem bei den Engeln und beim Zug der Könige findet man eine so genannte Lüsterfassung, bei der durch einen aufwendigen Arbeitsprozess ein metallisches Durchschimmern der Farbe erreicht wurde. Kostspielige Polimentvergoldungen sind oft sogar noch in sich gemustert – es handelt sich bei dieser Krippe wahrlich um eine Nobelausführung.
Exotische Tiere, Elefanten, Kamele und sogar ein Vogel Strauß gehören dem Zug der Könige an, die einheimischen Tiere wie Schafe und Ziegen bestechen durch ihre Anmut und Natürlichkeit.
Über den Schnitzer, den „Plätzen Hannes“, wissen wir sehr wenig. Während seine Krippen heute bei Kennern hoch geschätzt sind, führte er selbst ein einfaches Leben, arbeitete für Essen und Obdach und war auf die Unterstützung seiner Familie angewiesen.

Die einfachste und billigste Form der Krippe war die aus Papier. Man konnte Bögen mit aufgedruckten Figuren – als Holzschnitt oder Kupferstich - zum selbst Ausschneiden kaufen. Die Figuren wurden dann mit Wasserfarben bunt bemalt, auf Holzspieße geklebt und kulissenhaft vor einer Landschaft aufgestellt.
Gedruckte Bögen zum Ausschneiden wurden ab dem frühen 18. Jahrhundert hauptsächlich in Augsburg, Nürnberg und Wien hergestellt. Eine ältere, "edlere" Version dieser Krippe sind von Hand gemalte Figuren, die man ab 1600 vorwiegend im höfischen Bereich findet.
Papierkrippen waren nicht nur billig in der Herstellung, sondern auch einfach und Platz sparend aufzubewahren sowie einfach aufzubauen, was natürlich ihre einst große Verbreitung in Privathäusern erklärt. In Kirchen wurden dagegen große Bretterkrippen aufgestellt, also auf große Holztafeln gemalte Figuren, deren Konturen ebenfalls ausgeschnitten wurden.
Die Figuren der Papierkrippen sind meistens bunt und fantasievoll bemalt. Bei diesen Krippen finden wir besonders viele verschiedene Szenen, oft auch Darstellungen, die sonst eher selten anzutreffen sind.

Krippenfiguren wurden aus den unterschiedlichsten Materialien hergestellt und stellen verschiedenste Szenen aus dem Weihnachtsgeschehen dar.
Kleinere Krippen (z.B. eine aus Ton geformte Krippe) beziehungsweise verschiedene, teils volkstümliche Szenen daraus ergänzen die historische Krippenschau im Museum im Ballhaus.

Öffnungszeiten:
Dienstag, Donnerstag, Freitag 14 - 18 Uhr, Samstag 9 - 12 Uhr

Sonntag, 19. Jänner 2014: Krippenführungen, das Museum ist von 14 - 18 Uhr geöffnet

Museum im Ballhaus, A-6460 Imst, Ballgasse 1
www.kultur-imst.at; ballhaus.imst@cni.at; T.: +43 5412 64927

Wann: 19.01.2014 14:00:00 bis 19.01.2014, 18:00:00 Wo: Museum im Ballhaus, Ballgasse 1, 6460 Imst auf Karte anzeigen
Autor:

Sandra Haid aus Imst

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