Ausverkaufte Premiere für „Kaspar Häuser Meer" an der Bühne Imst Mitte
Theaterforum Humiste bot starkes Spiel mit tiegründigem Inhalt

Das Ensemble des Theaterforum Humiste setzte das ernste Thema mit durchdringendem Spiel um.
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  • Das Ensemble des Theaterforum Humiste setzte das ernste Thema mit durchdringendem Spiel um.
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IMST(alra). Mit dem Stück „Kaspar Häuser Meer" wagt sich das Theaterforum Humiste unter der Regie von Michael Rudigier, thematisch einmal mehr an die dunklen und durchdringenden gesellschaftlichen Wirklichkeiten heran, die im Leben immer erst dann eine große Bühne bekommen, wenn sie in menschlichen Tragödien eskalieren. Am 10. November fand an der Bühne Imst Mitte vor ausverkauftem Haus die Premiere statt.

Die Theaterautorin Felicia Zeller hat sich inhaltlich aus dem Alltag eines Jugendamtes bedient und anhand dreier Sozialarbeiterinnen und eines nicht anwesenden Kollegen mit Burn-out-Syndrom, ein drastisches Bild aus bürokratischem Wahnwitz und persönlicher Überforderung skizziert. Die drei Frauen, dargestellt von Roswitha Matt, Andrea Reich und Stefanie Bauer, geraten auf der Gratwanderung zwischen Engagement, Pflicht und Entscheidungsgewalt an die Grenze des Machbaren. Zeit und Bürokratie arbeiten permanent gegen sie und die Gefahr zwischen Statistiken und Routine zu scheitern und die Ausmaße von Kindesvernachlässigung und Misshandlung in der vollen Tragweite zu unterschätzen ist allgegenwärtig.

Stark inszenierte Zustandsbilder und treffsichere Wortkaskaden

Das Spiel ist wortreich über weite Teile rasant und es verlangt ein Höchstmaß an Konzentration von den Darstellern und ernsthafte Aufmerksamkeit vom Publikum. Die menschliche Überforderung der handelnden Personen wird im Sprachgebrauch auf die Spitze getrieben. Wörter, Sätze, Mimik und Gestik türmen sich zu Stressgebilden auf. In permanenten Wiederholungen oder nicht zu Ende gesprochenen Sätzen findet das innere Chaos greifbar Gestalt. Roswitha Matt, Andrea Reich und Stefanie Bauer verstehen es aus der gemeinsamen Aussage der Rollen, das individuelle Schicksal gekonnt herauszuarbeiten. Regisseur Michael Rudigier fügt der modernen Inszenierung mit der Rolle von Peter Friedle am elektronischen Schlagzeug ein abstraktes und wirkungsvolles Statement hinzu. Der Einsatz der Sprache mutet im Stück immer wieder wie ein kompositorisches Element an und Peter Friedle nimmt sich wie ein musikalischer Wortverstärker, wie ein akustisches Satzzeichen aus. Der Rhythmus seines Spiels akzentuiert Textpassagen, Zwischenräume und Übergänge.

Große Bühne für die verdrängten Abründe des Alltags

Das reduzierte Bühnenbild und die optische Uniformierung der Darsteller verdeutlicht die Monotonie der Strukturen und der Atmosphäre im Jugendamt, die nur durch eine Unmenge von Blättern und Akten und den seelischen Wirren ihre Übersichtlichkeit verliert. Pur und treffend ist die Aussage des Bühnenbildes, das Kinder der VS Lech mit ihren Zeichnungen gestalteten. Förmlich an diese Bilderwand gespielt vom riskanten Auftrag präventiv einzuschreiten und akut zu helfen, fehlt den Sozialarbeiterinnen irgendwann der Überblick. Desillusioniert von persönlichen und beruflichen Wahrheiten tun sich Abgründe auf und das Leben schlägt zu. Das Stück und die Darstellerinnen sind stark genug, um auch abseits des offensichtlichen zu treffen und sich beim Publikum suggestiv breitzumachen. Die Botschaft die sich im unausgesprochenen abbildet, braucht nicht um Betroffenheit zu buhlen. Die Betroffenheit füllt das Theater in den überhöhten, aber vor allem in den leisen Momenten, die das Scheitern von sozialen Netzen, das Überhören von einzelnen Hilfeschreien, das Verkümmern von Berufung unter dem Druck des Berufes unmissverständlich in die Köpfe der Zuschauer transportieren. Das Ensemble bot am Premierenabend ein anspruchsvolles Stück mit intensiven Impulsen. Das eindringlichen Spiel und die durchdachte Inszenierung führt gelungen vor Augen, dass es auch eine große Kunst ist, dem alltäglichen eine neue Bühne zu geben, die Menschen zum Nachdenken zu bewegt.

Weitere Spieltermine:
SA 17. November, SO 18. November
SA 24. November, SO 25. November
SA 1. Dezember, SO 2. Dezember 2018
SA 12. Jänner, SO 13. Jänner
FR 18. Jänner, SA 19. Jänner, SO 20. Jänner 2019
Uhrzeit: Freitag und Samstag jeweils um 20.00 Uhr, Sonntag um 18.00 Uhr
Kartenreservierung: www.humiste.at
Pfarrgasse 7, 6460 Imst, Tel. : 0664 6360646
Abendkassa: FR, SA ab 19.00 Uhr, SO ab 17.00 Uhr

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