Tumpen-Baustart trotz offener Rechtsfragen
WWF warnt vor Tiroler Kraftwerksskandal

Fotos belegen: Ötztaler Ache könnte ohne rechtskräftige Bewilligung verbaut werden.
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Der WWF erhebt gegen die Betreibergesellschaft des geplanten und sehr umstrittenen Kraftwerks in Tumpen schwere Vorwürfe. Umweltschutzorganisationen und Bürgerinitiativen befürchten massive Umweltschäden an einer praktisch unberührten Wildwasserstrecke der Ötztaler Ache.

TUMPEN. "Laut Informationen, die dem WWF und ÖKOBÜRO vorliegen, startet die Betreibergesellschaft im Schatten der Coronavirus-Krise mit dem Kraftwerksbau, ohne den Ausgang der offenen Verfahren abzuwarten. Anstatt die Bedenken auszuräumen, wollen die Projektbetreiber jetzt vollendete Tatsachen schaffen. Das ist eine skandalöse Verfahrenspraxis, die unbedingt unterbunden werden muss. Die Tiroler Landesregierung muss hier dringend als Aufsichtsbehörde einschreiten und ein faires Verfahren garantieren“, fordert WWF-Flussexperte Gerhard Egger. Die entsprechende Bauanzeige wurde bereits bei der Naturschutzbehörde des Landes eingebracht. Neue vom WWF Österreich veröffentlichte Fotos belegen, dass schon diese Woche mit Bauarbeiten an der entsprechenden Flusstrecke begonnen wurde. "Durch den Kraftwerksbau der Ötztaler Wasserkraft GmbH (bestehend aus den Gesellschaftern Gemeinde Oetz und Umhausen, TIWAG und Auer Beteiligungs GmbH) würde einer der letzten Flussstrecken dieser Art in ganz Tirol der Großteil des Wassers entzogen werden", so finalisiert Egger die Vorwürfe. 

Beschwerden anhängig

Gegen das Kraftwerk sind noch mehrere Beschwerden anhängig: Der WWF Österreich hat gegen die naturschutzrechtliche Bewilligung Beschwerde ans Landesverwaltungsgericht eingelegt, die wasserrechtliche Bewilligung ist sogar beim Höchstgericht (VwGH) anhängig. Auch eine lokale Bürgerinitiative hat sich aus Zweifeln an der Bewilligung an das Höchstgericht gewandt. „Für relativ wenig Energieausbeute soll einer einzigartigen Wildwasserstrecke das Wasser abgegraben werden. Darüber hinaus betrifft der Kraftwerksbau ein geologisch hochriskantes Gebiet“, sagt Alfred Kuen von der Bürgerinitiative gegen Wasserstau Tumpen. „Die Bürger werden mit dem überfallsartigen Baubeginn ohne Information und Bauverhandlung vor den Kopf gestoßen.“

Aus Gründen des Fristablaufs

Für den Bürgermeister von Umhausen, LA KO Jakob Wolf, hat der Baubeginn logische Gründe. Er begründet die Vorgehensweise mit der Einhaltung der vorgegebenen Fristen, die ansonsten verstreichen würden. "Die für einen Baubeginn notwendigen Bescheide liegen konsumierbar vor. Die Gültigkeit des Naturschutzbescheides erlischt, ohne Verlängerungsmöglichkeit, am 11.6.2020. Nur ein substanzieller Baustart vor dem 11.6.2020 stellt sicher, dass der Naturschutzbescheid seine Gültigkeit nicht verliert.Die gegen den wasserrechtlichen Bescheid und gegen den naturschutzrechtlichen Bescheid eingebrachten Beschwerden haben keine aufschiebende Wirkung, so die Erklärung Wolfs. Ein Abwarten aller noch anhängigen Gerichtsentscheidungen könne aufgrund des unbestimmten Entscheidungsdatums und dem drohenden Erlöschen des naturschutzrechtlichen Bescheides zu einem Schaden für die Gesellschaft führen.
Aufgrund der beschriebenen Randbedingungen hätte daher die Gesellschaft den unmittelbaren Beginn der Arbei- ten beschlossen. "Folgende Gewerke werden zuerst umgesetzt:
Beprobungen des Aushubmaterials, Grundwasserbeweissicherungspegel in Tumpen und Habichen, temporäre Steinschlagschutzmaßnahmen, Errichtung der Baustromanschlüsse, Errichtung der Baubrücke über die Ötztaler Ache in Habichen, Unterwasserkanal Habichen. Der operative Baubeginn wird am 9.3.2020 erfolgen. Die Fertigstellung der Anlage ist für Frühsommer 2022 geplant", so Wolf abschließend.

Autor:

Clemens Perktold aus Imst

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