AREA 47: Luftschlacht lockte die Massen an

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Das Freestyle-Epizentrum Tirols heißt seit vergangenem Samstag endgültig AREA 47. Am 47. Längen- und 11. Breitengrad haben sich Superstars der Szene zum Showdown zusammengefunden. Und der wurde zu dem, was die Amerikaner gemeinhin als "jaw dropping" bezeichnen – ein echter Kinnladenöffner. Die Idee des Events: Sechs Teams aus verschiedenen Freestyle-Sportarten treten zur fliegerischen Leistungsschau gegeneinander an. Weltmeister, Olympiasieger und Szenelegenden folgten dem Ruf von Organisator Hansi Neuner. Die Ambitionen auf den obersten Platz am Siegestreppchen war bei den Athleten offenkundig groß, denn die Mannschaften schenkten sich rein gar nichts und packten ihre heißesten Moves aus der Trickkiste.

Die Elite der Red Bull Cliffdiving-Serie – darunter die beiden Top-Springer Gary Hunt und Orlando Duque – zauberten aus 27 Meter Absprunghöhe Salti und Schrauben in die Luft, für die das Prädikat "mortale" eine Untertreibung höchsten Grades darstellt. Eine Prise Gefahr in der Luft lag auch bei der von Olympiasieger Stanislav Kravchuk und Christian Rijavec angeführten Teamdarbietung der Ski Slopestyle Mannschaft. Manch ein Zuschauer wollte gar nicht hinschauen, als sechs Mann im Formationssprung wie Granaten nacheinander höchst präzise, aber unglaublich knapp nebeneinander im Wasser einschlugen. Ebenfalls sprachlos machte die Show der Acro Paraglider Marvin Ogger, Lino Oehl, Tim Alongi und Sebastian Kahn. Mit ihren Schirmen starteten die Piloten bei extrem schwierigen Windbedingungen von der Roppener Maisalm. Vorwärtsüberschläge und Helikopter-Moveovers sorgten bereits in der Luft für Kribbeln im Bauch. Als die tollkühnen Flieger beim Landeanflug – bewusst oder nicht – haarscharf über Freestyle-Schanze und Sprungturm einsegelten, wurde am Boden kollektiv die Luft angehalten. Nach der Ouvertüre in der Water AREA übersiedelte das Geschehen in den Ötztal Dome, der bis auf den letzten Platz mit 4000 Zuschauern gefüllt war. Der benzingeschwängerte Teil des Abends sorgte einmal mehr für Furore bei Publikum und Promi-Juroren, darunter Ex-ÖFB-Teamchef Didi Constantini, Fußballtrainer Peter Pacult, Radprofi Thomas Rohregger, die Motorsport-Familie Kinigadner, Jakob Falkner (Geschäftsführer der Bergbahnen Sölden), Event-Zampano Ernst Lorenzi sowie die beiden Standortbürgermeister Josef Leitner (Haiming) und Ingo Mayr (Roppen). Der Deutsche Chris Pfeiffer, unübertroffene Legende der Stuntriding-Szene, führte gemeinsam mit den Wiener "Streetrockaz" rund um den heimischen Ausnahmefahrer Kurt Rubik die Gladiatoren auf ihren heulenden Straßenmaschinen in die Arena. Pfeiffer & Co. traten live den Beweis an, dass man mit rund 180 kg schweren Motorrädern fast alles außer Jonglieren anstellen kann. Jede erdenkliche Figur auf Vorder- und Hinterrad zauberten die offensichtlich topfitten Fahrer auf den Asphalt – und daneben auch jede Menge heißen Gummiabrieb. Sehenswert auch, wie ein Stuntrider seine Maschine abstellt und von ihr absteigt, nämlich mit einem Salto vorwärts.

Worauf insgeheim alles gewartet hat an diesem Abend ist natürlich die Show der Freestyle-Motocrosser. Was nicht verwundert, denn gleich vier Helden der Red Bull X-Fighters waren am Start. Mit Gilles De Jong, Martin Koren, Tobi Immler und vor allem "Wunderkind" Petr Pilat absolute Topfahrer. Was hier an Backflips und ähnlichem unter die Hallendecke gezaubert wurde, ließ fast vergessen, dass die vermeintliche Leichtigkeit mitunter auch ihren Preis hat. Pilat zog sich bei einem Trainingssprung im Vorjahr einen18-fachen (!) Bein- und Fußbruch zu. In der AREA 47 war aber für jedermann ersichtlich, dass für den 20-jährigen Tschechen daraus kein Handicap erwuchs. Der Jungstar zeigte ebenso wie seine Co-Piloten alles, was der Sport zu bieten hat, von Rückwärts- und Vorwärtssalti über Cliffhanger bis zum obligatorischen Superman. Kommentar eines fassungslosen Zusehers: "Ich fahre bereits mein Leben lang Motorrad, aber wie man das hinkriegt, ist für mich schlichtweg unerklärlich".

Überraschenderweise kristallisierten sich die sympathischen Trial-Freestyler als die Publikumslieblinge des Abends heraus. Auf ihren Trial-Maschinen leben die Fahrer der Szene ohne wirkliches Reglement ihre Improvisationslust aus. Warum Julien Dupont im Youtube-Universum damit zu einem regelrechten Star wurde, kristallisierte sich spätestens im Ötztal Dome heraus: Der Mann schafft es dank perfekter Körperbeherrschung mit seiner Maschine jedes Hindernis zu überwinden. Arthur Coutard und Adrian Guggemos verzauberten nicht minder. Was letztlich beim entscheidenden Voting anerkannt wurde. Die tobenden Ränge puschten bei der per Dezibelmessung geführten Publikumswertung das deutsch-französische Team auf den 1. Rang. Ex aequo mit 108,7 Dezibel teilten sich Dupont & Co. den Sieg mit der FMX-Gang. Rang 3 gehörte den Stuntridern (108,5 Dezibel). Drei vierte Plätze teilten sich die Ski-Freestyler, Cliffdiver und Acro Paraglider.

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