25.09.2014, 00:00 Uhr

160 Millionen für den längsten Straßentunnel Österreichs

ASFINAG: Keine Totalsperren in erster Phase der Nachtschichten

Ab Ende September macht die ASFINAG die Nacht zum Tag, um den Arlbergtunnel nach 36 Dienstjahren zu modernisieren. Der längste Straßentunnel Österreichs wird noch sicherer – die ASFINAG investiert 160 Millionen Euro in 37 zusätzliche Fluchtwege, neueste Technolo- gien und eine umfangreiche Sanierung. In der ersten Phase gibt es keine Totalsperren – ledig- lich in der Nacht sind abwechselnde Anhaltungen an den beiden Tunnelportalen vorgesehen. „Wir haben uns auf diese große Herausforderung optimal vorbereitet – und uns ein ehrgeizi- ges Ziel gesteckt: möglichst straffe Bauzeiten, die kürzest möglichen Totalsperren in den Jah- ren 2015 und 2017 sowie Nachtschichten während des Winters ohne Behinderungen unter Tags. Der Tunnel steht im Winter zur Verfügung“, erklärt ASFINAG-Vorstand Alois Schedl. Hinsichtlich der ersten Totalsperre reagiert die ASFINAG auf die Bedürfnisse des regionalen Tourismus. „Die Totalsperre 2015 startet am 21. April - zwei Wochen später wie ursprünglich geplant. Damit erfüllen wir die Wünsche der Touristiker am Arlberg, um die Wintersaison nicht zu beeinflussen“, bestätigt ASFINAG-Geschäftsführer Klaus Fink. Das ist das Ergebnis aus nunmehr zwei Jahren Abstimmungsgespräche mit allen Beteiligten.
Es war die intensivste Informationsstrategie der ASFINAG im Westen Österreichs. Denn der Arlberg- tunnel ist schließlich die wesentlichste Ost-West-Verbindung zwischen Tirol und Vorarlberg. „Zwei Jahre haben wir uns mit Bauexperten, Behörden, Gemeinden, Einsatzkräften, Wirtschaftskammern oder Vertretern des Tourismus abgestimmt. Wir haben alle Facetten in unsere Strategie aufgenom- men – und glauben, den bestmöglichen Weg für die große Herausforderung Arlbergtunnel gefunden zu haben“, erklärt Schedl.
Einvernehmliche Lösungen stellte die ASFINAG unter anderem mit den Wirtschaftskammern beider Bundesländer und mit den Tourismusverantwortlichen her. Die Totalsperre beginnt somit erst am 21. April 2015 – für die Dauer von sechseinhalb Monaten. „Wir haben Lösungen für die Frächter gefun- den und Umleitungsszenarien untersucht – wir haben über die Grenzen hinaus informiert und abge- stimmt: vor allem auch hinsichtlich Umleitungen während der Totalsperren“, erklärt Fink.
Der Startschuss für die umfangreichen Maßnahmen im Arlbergtunnel fällt Ende September. Dann beginnen die Nachtschichten im Tunnel. Von 19.45 bis 05 Uhr kommt es von Ende September bis 20. April 2015 zu abwechselnden Anhaltungen von rund 30 Minuten an den Tunnelportalen – Auto- fahrer können also in abwechselnder Richtung trotz der Arbeiten durch den einröhrigen Tunnel fah- ren. Gearbeitet wird an sieben Nächten in der Woche – lediglich die sehr starken Reisewochenenden im Jänner und Februar werden davon ausgenommen.
Die Nacht wird zum Tage – Arbeiten nur unter strengsten Sicherheitsauflagen
Der Aufwand dafür ist enorm – vor allem was die Sicherheit für Autofahrer und für die Arbeiter im Tunnel betrifft: eigene Kontrollfahrzeuge begleiten den Verkehr durch den Tunnel und melden, so- bald der Weg für die andere Richtung frei ist. Größte Herausforderung bei der Planung: die Einbin- dung des Baustellenverkehrs. „Im Tunnel sind die Baustellenfahrzeuge in beiden Richtungen unterwegs. Dies muss auf den Verkehr, der zusätzlich in eine Richtung durch den Tunnel geführt wird, abgestimmt werden. Eine riesige logistische Herausforderung“, erklärt Fink. Auf die Einhaltung der Zeiten wird minutiös geachtet – die genaue Zahl der Anhaltungen pro Nacht ist abhängig vom Ar- beitsfortschritt und Verkehrsaufkommen. Deswegen ist mit Anhaltungen durchgehend in der ganzen Nacht bis 05 Uhr morgen zu rechnen.
Aber selbst dafür hat die ASFINAG vorgesorgt: Ein flexibles System in der Baustelle mit zusätzlichen Mitarbeitern in der Überwachungszentrale und Sicherungsposten im Tunnel ermöglicht es, kurzfristig den Verkehr aus der anderen Richtung freizugeben. Somit können zu lange Wartezeiten mit einer schnellen Reaktion verhindert werden. „Die Verkehrszahlen sind ab 20 Uhr gering – nach 22 Uhr sogar minimal. Die Sicherheit hat aber höchste Priorität – für Autofahrer und Arbeiter. Trotzdem ach- ten wir auf möglichst kurze Anhaltungen“, bestätigt Fink.
Ebenfalls vorgesehen: eine eigene „Countdown-Informationstafel“ wird dem Autofahrer die Wartezeit bereits frühzeitig signalisieren: an den Raststationen Schnann (Richtung Bregenz) und Klösterle (Richtung Tirol) sowie vor den jeweiligen Ausfahrten St. Anton und Langen. Der Autofahrer hat dann selbst die Wahl, ob er die Sperre abwarten will.


Vorarbeiten für die Totalsperre beginnen sofort

In den Nachtschichten erfolgen auch die wesentlichen Vorbereitungen für die Abwicklung des Ver- kehrs während der Totalsperre. So wird bereits jetzt die Kreuzung bei der Ausfahrt St. Anton Rich- tung Anbindung zur Bundesstraße B 197 umgebaut. Hier sind eine neue Ampelanlage sowie eine Verbreiterung der Ausfahrtsspur vorgesehen. Zusätzliche Informationen erhalten Autofahrer über die bereits bestehenden elektronischen Signaltafeln auf den Zulaufstrecken zum Arlbergtunnel. Mit den Landesstraßenabteilungen von Tirol und Vorarlberg ist vereinbart, dass der Großteil der notwendigen Bauarbeiten an der Passstrecke noch heuer umgesetzt werden: Sanierungen, Errichtung von Pannen- und Ausweichbuchten für Lkw oder Umbauarbeiten am großen Nadelöhr der Umleitungsstrecke – nämlich dem Kreisverkehr in St. Anton. Die Arbeiten übernehmen die Länder federführend – die ASFINAG beteiligt sich an den Kosten.
Sicherheit durch Technologie von morgen für täglich 8.000 Autofahrer
Im Arlbergtunnel kommt erstmals die neueste Sicherheitstechnologie zum Einsatz. Der Thermoscan- ner, er überhitzte Schwerfahrzeuge und Busse bereits vor Durchfahrt zum Abkühlen aussortiert, soll bereits nach der ersten Sperre Ende 2015 in voller Funktion zur Verfügung stehen. Ebenfalls neu: „akustisches Tunnelmonitoring“ - kurz AKUT: Mikrofone und Videokameras liefern Daten an eine spezielle Datenbank. Die eigene Software kann typische Verkehrsgeräusche von untypischen, wie sie etwa bei Zusammenstößen oder Vollbremsungen passieren, unterscheiden. Bei Alarm wird die dem detektierten Geräusch nächste Videokamera automatisch aktiviert - die Mitarbeiter in der Tun- nelüberwachungszentrale können sofort reagieren. Der Tunnel erhält quasi Ohren für noch mehr Sicherheit.
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