17.09.2016, 00:00 Uhr

Ein Querdenker portraitiert die Heimat

Der gebürtige Pitztaler Künstler Willi Pechtl hat mit seinem Buch "Im Tal leben" seine Heimat aus seiner ganz speziellen Perspektive portraitiert. In mehr als 30-jähriger (!) Recherchearbeit hat er unzählige Fotografien, 200 Interviews mit Zeitzeugen, historische Schriftstücke, sowie Kunst und Artefakte gesammelt, die er in seinem umfangreichen Bildband präsentiert. Tourismus, Alpinismus, Landwirtschaft und der mitunter karge Alltag im Pitztal wird dabei unter die Lupe genommen - von den Anfängen bis in die Gegenwart werden unterschiedlichste Perspektiven eingenommen. Vier Jahre lang hat Pechtl an der Gestaltung des Buches gearbeitet und dabei mehr als nur eine Skizze seiner Heimat geschaffen. "Im Tal leben" - dabei handelt es sich um kein Buch, dass man "in einem Zug durchliest", wie es Prof. Werner Bätzing in seinem Vorwort formuliert, "sondern um eines, dass man immer wieder hervorholt und mit dessen Inhalten man sich lange Zeit beschäftigt". Auf 352 Seiten wird die Geschichte vom hinteren Pitztal bis zur Stadt Imst und die vielfältigen Beziehungen zwischen Stadt und Tal in Geschichten, Interviews und vielen Bildern dokumentiert. Dabei kommt neben den Schilderungen der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen auch die Kunst in vielen Varianten vor. Der Künstler Ferdinand Runk malte etwa bereits im Jahr 1801 den Mittelbergferner, Kühe im Gletschertor, die Kirche von St. Leonhard oder auch die Kitzgartenschlucht bei Zaunhof. Berühmte Pitztaler Künstler, die europaweit tätig waren, wie Alois Gabl,
Christian Tschuggmall, Matthäus Vischer und Johann Schnegg werden mit
raren Bildbeispielen gewürdigt.
So engagiert die Arbeit von Willi Pechtl ist, so wenig Unterstützung hat er aus "seinem" Tal dafür erhalten: Weder die Gemeinden, noch der Tourismusverband und auch nicht die Kulturabteilung des Landes haben das Werk für förderungswürdig erachtet und mit keinem einzigen Euro unterstützt. Der Autor hat eine große Geldsumme selbst in die Hand nehmen müssen und das Projekt auf eigenes Risiko selbst finanzieren müssen. Trotz der Ignoranz der Kommunen, Touristiker und der Kulturabteilung ist mit dem Band "Im Tal leben" ein eindrucksvolles Werk gelungen, das ein wertvolles historisches Bild des Pitztales zeichnet, das sowohl aus der Innensicht, wie auch aus der Perspektive verschiedener Zeitzeugen mitgestaltet wurde. Prädikat: sehr lesenwert.
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