25.11.2016, 16:03 Uhr

Informationsabend zum geplanten Chaletdorf in Wenns

Zahlreiche Anwesende brachten sich in die Diskussion ein und artikulierten sowohl ihre Bedenken als auch ihre Zustimmung zum Projekt
WENNS (dl) Geht es um die Realisierung eines größeren Projektes vor der eigenen Haustüre, schüren Ungewissheit und Gerüchte die Angst, bestehende Lebensqualität in der eigenen Nachbarschaft verlieren zu können. Auf diese Weise regt sich vielerorts, bereits vor bekannt werden konkreter Planungsdetails, Widerstand gegen Bauprojekte. Aktuell beobachten lässt sich dieses Phänomen in der Gemeinde Wenns im Pitztal. Hier soll in den nächsten Jahren, privat finanziert, ein Chaltedorf entstehen und der touristisch ins Hintertreffen geratenen Gemeinde im Pitztal zu einem wirtschaftlichen und touristischen Sprung nach vorne verhelfen. Eine Informationsveranstaltung im Mehrzwecksaal in Wenns vergangenen Mittwoch sollte einerseits verdeutlichen wie notwendig dieses Projekt aus touristischer Sicht für die Gemeinde und das Pitztal ist, andererseits, wie alle Gemeindebürger von diesem Projekt profitieren können.

Seit Bekanntwerden des Bauvorhabens wandten sich die Projektreibenden mit ihren Plänen vergangenen Mittwoch erstmals an die Öffentlichkeit und legten Informationen und Planungsstand zum Projekt „Chaletdorf Wenns“ offen. Dafür wurde eine geplante, öffentliche Gemeindeversammlung kurzfristig zum Informationsabend umfunktioniert, auf dem Bürgermeister Walter Schöpf und Projektbetreiber Albert Raich, zusammen mit projektbeteiligten Experten, Stellung zum Projekt bezogen. Wie vielerorts hat ein Projekt dieser Größenordnung auch in Wenns die Gemüter bewegt. Dementsprechend war der Mehrzwecksaal in Wenns bis auf wenige freie Plätze voll besetzt. Viele Gemeindebürger nahmen an diesem Mittwochabend die Gelegenheit wahr, um ein konkreteres Bild vom geplanten Chaletdorf im Wenner Ortsteil Bichl gewinnen zu können.

Für Projektinitiator Albert Raich ist das Bauvorhaben in erster Linie eine Herzensangelegenheit. „Ich besitze den nötigen Baugrund, will dort bauen und es liegt mir am Herzen, dass ichs herbring. Dabei hoffe ich auf die Unterstützung der Wenner“ appelliert Raich an seine Mitbürger. Raich, der seit Jahren Kontakte in die Schweiz pflegt, will das Chaletdorf Wenns zusammen mit Privatinvestoren aus der Schweiz realisieren. Bei derzeitigem Planungsstand steht ein Kostenrahmen von etwa 10 Mio. Euro im Raum.

Vorstellung des Betreiberkonzepts

Für das Betreiberkonzept haben sich Projektbetreiber Albert Raich und BM Walter Schöpf den Tourismusexperten Reinhard Schrott aus Kufstein ins Boot geholt. Schrott selbst stellte das geplante Konzept an diesem Abend vor und unterstrich ausdrücklich dessen enormes Potenzial. „In meinen Augen ist das Projekt, wie wir es planen, eine Jahrhundertchance für Wenns und das Pitztal, sozusagen ein Lotto 6er“ schwärmt Schrott schon am Beginn seines gut vorbereiteten Vortrags. „Wir werden mit diesem Projekt touristisch betrachtet, neue Maßstäbe setzen“ führt Schrott weiter aus. Schrott ist ein Kenner der Branche und hat aus dem Vergleich mit bestehenden Chaletdorf-Konzepten aus Salzburg und Tirol ein Konzept für Wenns entwickelt. Aktuellen touristischen Trends, wie „Naturerlebnis und Luxus“, folgend, setzt Schrott auf hohes Niveau und anspruchsvolle Gäste. Sein Konzept richtet sich vor allem an die zählkräftige Gästeklientel aus der Schweiz. Die Rentabilität seines Betreiberkonzepts sieht Schrott in jedem Fall gegeben. „Bei 10.000 Übernachtungen würde sich der Umsatz auf 1,5 Mio. Euro belaufen. In den Folgejahren wäre ein Jahresumsatz von etwa 1,8 Mio. Euro realisierbar“ führt Schrott weiter aus.

Natürlich müsse das Konzept notwendige Kriterien erfüllen um die gewünschte Klientel anzusprechen. „A gscheiter Preis braucht zum Beispiel auch einen gscheiten Wasserspass.“ Deshalb seien ein Naturbadeteich und ein ganzjährig nutzbarer Outdoor-Pool geplant.

Der Gemeindebevölkerung verspricht Schrott an diesem Abend einen qualitativen, wirtschaftlichen Aufschwung durch das Chaletdorf und bezieht sich auf funktionierende Chaletdörfer in Tirol und Salzburg.

Raumplaner Klaus Spielmann unterstreicht, dass für das geplante Vorhaben zwingend eine Flächenumwidmung im örtlichen Raumordnungskonzept erforderlich sei, die nur durchsetzbar sei, wenn sich das Projekt unterschiedliche Kriterien erfülle. Diese seien neben der gewährleisteten Finanzierung auch die passende Größenordnung, die im Falle des Chaletdorfs Wenns mit 80 geplanten Betten durchaus angemessenen sei. Durch die Schaffung ökologisch gleichwertiger Ersatzflächen stehe einer Flächenumwidmung, die auch ökologische Schutzflächen einbezieht, aus seiner Sicht nichts im Wege. Um unerwünschte Ferien- oder Zweitwohnsitze zu vermeiden, sieht Spielmann allerdings die Notwendigkeit, die Gültigkeit der Umwidmung ausschließlich auf dieses Projekt zu beschränken. Spielmann bewertet das Vorhaben an diesem Abend durchaus positiv und sieht darin einen großen Schritt in Richtung der Zielsetzung „Naturparkgemeinde Wenns“.

"Das Pitztal darf den touristischen Fortschritt nicht verschlafen!"

Vor allem Gerhard Gstettner, Geschäftsführer des TVB Pitztal sieht in der Realisierung des Chaletdorf-Projekts einen längst überfälligen Schritt in der touristischen Entwicklung der Gemeinde und des Pitztales im gesamten. „Zu mir hat einmal jemand gesagt: „Fahr durch die Täler und schau wo Kräne stehen. In diesen Tälern ist Fortschritt. Im Pitztal habe ich schon lange keine Kräne mehr gesehen“ so Gstettner, der die Befürchtung äußert, das Pitztal könne den Anschluss im hart umkämpften Tourismusmarkt verlieren. „In Wenns sind die Übernachtungen innerhalb der letzten Jahre um 24% zurückgegangen –es darf deshalb jetzt nicht sein, dass neue, den Tourismus im Tal weiterbringende, Projekte blockiert werden. Von diesen Projekten profitieren wir doch alle. Deshalb: Auf geht’s, packen wir‘s gemeinsam an. Es ist eine Herausforderung, aber gemeinsam schaffen wir das!“ wirbt Gstettner an diesem Abend für das Projekt.

Auch BM Walter Schöpf unterstreicht an diesem Abend das Potenzial und die dringende Notwendigkeit des geplanten Projekts für die Gemeinde Wenns. „70% - 80% der Pitztaler leben vom Tourismus. Sollte dieses Projekt scheitern, läuft das Tal Gefahr die touristische Weiterentwicklung vollends zu verschlafen“ argumentiert Schöpf und führt weiter aus: „Die gute, Infrastruktur in Wenns lässt sich allein durch den Konsum der Einheimischen nicht mehr sehr viel länger aufrechterhalten. Für mich ist es ein Alarmsignal, dass kommunale Betriebe wie die Bäckerei Sturm in Wenns zusperren, weil die Nachfrage im Ort einfach zu gering ist.“

Die Projektgegner hielten sich bedeckt

In der, auf die Projektpräsentation folgenden Diskussion waren an diesem Abend zwar auch kritische Stimmen zu hören, die als Gegner des Projekts auftretende „Initiative pro Bichl“ um Werner Dobler bestand allerdings auf die Abhaltung der rechtlich vorgesehenen Gemeindeversammlung um dort ihre Argumente gegen das Projekt vorbringen zu können. So trat auch die „Liste Fritz“, die den Projektgegnern im Vorfeld der Veranstaltung ihre Unterstützung zugesagt hatte, an diesem Mittwoch nicht in Erscheinung. Doblers Hauptkritik richtete sich an diesem Abend vor allem an Bürgermeister Schöpf und den zu kurzfristigen Termin der Präsentation, der die Erarbeitung von gezielten Fragen nicht zugelassen habe. Wichtig war der „Initiative pro Bichl“ an diesem Abend aber vor allem aber auch, dass sie sich von den Eierwürfen in der Vergangenheit distanzieren konnte.

Was ursprünglich als TT-Forum geplant und dann in eine öffentliche Gemeindeversammlung umgewandelt und schließlich als Informationsabend durchgeführt wurde, stellte sich letztendlich wie eine Werbeveranstaltung für Raichs Vorhaben dar. Der Notwendigkeit und dem Potenzial des Projektes tut das zwar keinen Abbruch, einen realistischen Einblick in das Befinden der Gemeindebevölkerung konnte die auf die Projektpräsentation folgende Diskussion allerdings nicht liefern. Die Informationen zum Projekt waren zwar mit Spannung erwartet worden, letztendlich aber war die Informationsveranstaltung wohl zu kurzfristig angesetzt worden. So fühlten sich die meisten Anwesenden in dieser, für die Gemeindebevölkerung höchst sensiblen Angelegenheit, von der Diskussion im Anschluss augenscheinlich überrumpelt. Infolgedessen meldeten sich an diesem Abend neben vereinzelten, kritischen Stimmen aus dem Publikum, in der Mehrzahl Befürworter des Projektes zu Wort. Wie sich die Dinge entwickeln werden wird die Zukunft weisen. Derzeit prüfen die Instanzen des Landes die Projektunterlagen.
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