02.04.2017, 17:16 Uhr

Poetry Slam im Buchladen Wiederlesen - zehn Poeten überzeugten bei der wortstarken 3. Auflage des Wettbewerbs in Imst

Die zehn Teilnehmer des Poetry Slam im Wiederlesen in Imst mit Markus Köhle. Die Siegerin Sandra Da Vina aus Essen (hintere Reihe in der Mitte stehend) und Martin Fritz (stehend 2.v.l.) der auf Platz zwei landete überzeugten Jury und Publikum gleichermaßen.
IMST(alra). Zum sinngemäßen Dichterwettstreit - besser bekannt als Poetry Slam war am 1.April im Secondhand-Buchladen Wiederlesen in Imst aufgerufen. Markus Köhle, der als Begründer der österreichischen Poetry Slam Szene gilt, führte durch den Wettbewerb, der bereits zum dritten Mal im perfekten Ambiente des Wiederlesen stattfand. Zum lockeren Einstieg in die Materie lieferte Köhle einen Beitrag zum Thema Liebe und erwies sich mit "Der hohen Minne tiefer Fall" als Hirnmasseur und Intellektkonfekt.

Performte Literatur, selbst verfasst - musste innerhalb von fünf Minuten dem Publikum vorgetragen werden. Stilistisch gibt es beim slammen keine einheitlichen Vorgaben, vielmehr ist es die individuelle Poetik und die Selbstinszenierung, die als Reiz und Herausforderung besteht.

Zehn Teilnehmer traten in den poetischen Wettstreit - frei von Kategorien galt es für Neueinsteiger sich neben ausgefuchsten Slam-Profis zu bewähren. Die
Themen, beispielsweise - "Kulinarische Reise", "Die Freiheit der übergewichtigen Gazelle", "Hart durch Sport" oder "Selbstliebe" - spielten sich durch alles, was der facettenreich gefüllte und gefühlte Alltag der Slammer an poetry hergab.

Dem Publikum soll beim Poetry Slam ein lebendiges Mitfiebern entlockt werden, vom positiven Zuspruch mittels Schnipsen bis hin zum mitfühlenden "ohhh" und "ahhh" ist alles erlaubt und erwünscht. Im Wiederlesen war Raum für viel mehr - das Publikum ließ sich infizieren und von den starken Vorträgen mitreißen und begeistern.

Herrlich vielfältig gestalteten sich die Beiträge, nachdenklich vorgetragen oder lautstark in den Raum gestellt, hielten die zehn Teilnehmer das Niveau durchgängig hoch. Roswitha Matt - Imster Lokalmatadorin - bestach erneut mit Wortakrobatik und Schauspiel im freien Vortrag. Erwähnenswert auch die knapp 13-jährige Lena, die selbstbewusst und vielsagend auf Konfrontation mit vorherrschenden Schönheitsidealen ging.

Die fünfköpfige Jury wurde aus der Zuhörerschaft gebildet - eine Punktevergabe regelte die Ausscheidung, der Bewerb spitzte sich über zwei Durchgänge zu. Nach der zweiten Runde mit noch fünf verbliebenen Finalisten führten Martin Fritz aus Innsbruck und Sandra Da Vina aus Essen das Feld an.

Martin Fritz lieferte eine plastische Informationsflut rund um die Mysterien des Innsbrucker und Südtiroler Dialekts, verpackt in zwei vollkommen unterschiedliche Stränge die das Schicksal eines ungeliebten Bären, ebenso wie die unerwarteten Folgen des Heimwerkens schilderten - das Publikum honorierte die geniale Performance mit unbändigem Lachen und Applaus gleichermaßen.

Sandra Da Vina, auf sämtlichen Kabarett- und Comedybühnen Deutschlands bereits ein gefragter Star der Szene und auch erfolgreiche Buchautorin ging mit ihrem sprudelnden Vortrag über Alltagsszenen rund um skurril-witzige Selbstbetrachtungen und Beziehungsdramen als Siegerin des Abends hervor.
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