03.01.2018, 09:26 Uhr

Schritte in die Selbständigkeit ermöglicht

Der Sprung in die erste eigene Wohnung ist für alle der Beginn einer neuen Selbständigkeit. In Ötztal Bahnhof haben drei Männer es gewagt das Lebenshilfe-Wohnhaus zu verlassen:
„Ich will nicht zurück ins Wohnhaus“, erklärt Daniel Wencl auf dem Weg in den Supermarkt. Er zückt den Einkaufszettel und macht sich mit seinem Mitbewohner auf die Suche nach Milch, Käse, Toastbrot.
„Daniel hatte schon lange den Wunsch, aus der großen Wohngruppe in eine kleinere Wohnung zu übersiedeln“, berichtet seine Sachwalterin. Nach einem Probe-Wohnen in einem Ferienappartement waren auch alle zuversichtlich. Doch es dauerte fast zwei Jahre um eine leistbare Wohnung zu finden. Mit Unterstützung des Lebenshilfe-Vereins übersiedelten im Herbst drei Erwachsene ihre Möbel in zwei kleine Wohnungen.
„Ich hatte anfangs Bedenken, wenn nachts niemand vor Ort ist“, gesteht die Sachwalterin „Aber die Sorge war völlig unbegründet!“ Heute sperrt Daniel Wencl seine Wohnung auf und genießt die Ruhe und Eigenständigkeit.

27 Jahre auf eine Wohnung gewartet

Inzwischen haben die drei Männer gelernt, ihren eigenen Haushalt zu führen und ergänzen sich gegenseitig: Werner Partoll gibt die Wäsche in die Maschinen und hängt sie auf. Daniel Wencl hingegen denkt voraus und plant die Wocheneinkäufe des Duos.
Um den Schritt gut zu begleiten, sind Assistenten vom Wohnhaus täglich vor Ort. Doch auch sie lernen: „Als wir anfangs beim Einkaufen dabei waren, kauften die beiden oft nach dem Lustprinzip ein“, berichtet Lukas Riml von der Lebenshilfe. Seit die beiden alleine ins Geschäft gehen, halten sie sich an ihren Einkaufszettel und kaufen nur das, was sie brauchen.
Weniger leicht ist es, Vorurteile zu überwinden und aus Nachbarn Freunde zu machen. „Um Kontakte zu knüpfen, braucht es jetzt oft noch die Hilfe von Begleitern“, bestätigt Burkhard Schneider, Leiter des Wohnverbundes „Aber wenn wir ihnen was zutrauen und sie selber tun lassen, zeigen sie, was sie drauf haben.“ Herr Wencl hat so zum Beispiel die Kassiererin im Spar zum Kaffee in seine Wohnung eingeladen. So knüpfen alle drei Kontakt zu Menschen außerhalb der Lebenshilfe.

Gleiche Rechte für alle

„Viele Menschen mit Behinderung wohnen in vollzeitbegleiteten Wohnhäusern. Mit entsprechender Unterstützung sind viele in der Lage selbstständiger zu leben“, ist Burkhard Schneider vom Lebenshilfe Wohnhaus überzeugt. „Muten wir ihnen das zu!“
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