25.10.2017, 09:11 Uhr

Tigewosi-Mieter flüchten scharenweise

IMST (pc). So genannte Mietkauf-Wohnungen wurden vor gut 15 Jahren von der Tigewosi in Imst in der Fabrikstraße gebaut und unter medialem Getöse an die mehr als 20 Mietparteien vergeben.
Was sich Anfangs als sozialer Wohnbau mit günstigen Mieten und einer Kaufoption durchaus als eine attraktive Möglichkeit für Imster Familien mit schmalem Budget dargestellt hatte, wandelte sich im Laufe der Zeit zu einem echten Albtraum.

Kein Schnäppchen

"Ständige Mietpreiserhöhungen und Steigerungen der Betriebskosten, eine mehr als dürftige Kommunikation mit den Tigewosi-Verantwortlichen und der buchstäbliche Saustall rund um die gesamte Anlage sind nur einige der Faktoren, die uns nun endgültig zum Auszug aus diesem Ghetto veranlasst haben", ärgert sich eine der Mieterinnen.
Und sie ist nicht die Einzige, die nun einen Schlussstrich unter das Thema Tigewosi gezogen hat. Zahlreiche Mieter haben in den vergangenen Jahren das Weite gesucht und das mit großem Groll gegen den Vermieter, der sich ihrer Ansicht nach aus jeglicher Verantwortung stiehlt.
"Die größte Frechheit ist aber, dass man dazumal eine Mietkaufwohnung angepriesen hat und sich dann herausgestellt hatte, dass mehr als die Hälfte der Mieter kaufen muss, damit diese Option überhaupt besteht. Das ist quasi im Kleingedruckten nachzulesen, was zwar für die Tigewosi einen rechtlich sicheren Boden bedeutet, de facto aber eine Täuschung der Mieter darstellt. Denn dass in einem sozialen Wohnbau keine Mehrheit eine Wohnung kaufen kann, liegt auf der Hand", schimpft eine weitere Mieterin der ersten Stunde, die rund 10.000 Euro in ihre Wohnung investiert hat und nun ebenfalls die Segel streichen will.

Müll wurde vergraben

Das Fass zum überlaufen gebracht hat nun aber die dramatische Senkung der Parkplätze vor der Anlage, was zwei riesige Lachen vor der Türe der Anlage verursacht. Dort wurde Müll vergraben und es konnte offenbar noch immer kein Verursacher gefunden, geschweige denn eine Sanierung veranlasst werden. Dass im Erdgeschoß Schimmelprobleme entstanden sind, ist aus dieser Sicht verständlich. Die Tigewosi hat auf Intervention geantwortet, dass man halt mehr lüften solle...
Die neue Imster Wohnungsreferentin Andrea Jäger meint auf BB-Anfrage: "Wir kennen die Probleme in der besagten Anlage und haben einen Brief an die Tigewosi verfasst. Hier gibt es großen Gesprächsbedarf. Wir werden aber auch die Gesamtstuation betrachten und uns um Lösungen bemühen. Hier gibt es Versäumnisse der Vergangenheit aufzuarbeiten." Auch Interventionen bei der AK und beim Imster Stadtchef haben nichts gefruchtet.

Tigewosi "unschuldig"

Von Seiten der Tigewosi ist man sich naturgemäß keiner Schuld bewusst. "Die Mieter der Wohnanlage in der Fabrikstraße wurden von Anfang an über die Gesetzesvorgaben informiert. Zum Thema Außenanlagen bzw. Parkplätze muss auf die unbefriedigende Situation der Entwässerung der Nachbarliegenschaft auf unsere Liegenschaft hingewiesen und die Herstellung des ordnungsgemäßen Zustandes (Entwässerung der Oberflächenwässer) eingefordert werden. Dies wurde auch vom Hausverwalter und Wohnungseigentümer der Nachbarliegenschaft zugesagt. Auch wurde bereits eine Fachfirma zwecks Ausführung der Arbeiten kontaktiert, welche aber aus Kapazitätsgründen die Arbeiten noch nicht durchführte. Wir bemühen uns, die unbefriedigende Situation zu beheben", sagt Thomas Wieser von der Objektverwaltung.
Zum vergrabenen Müll vor der Türe meint man: Die gefundenen Materialien müssen defacto vor Erwerb der Liegenschaft deponiert worden sein. Und zum Zustand der Anlage wird gar verlautet, dass sich hier abbildet, wie "schonend" die Bewohner den Mietgegenstand gebrauchen...Fazit: Sozialer Wohnbau schaut anders aus, Tigewosi und (Landes-)Politik sind an den Problemen der Mieter mäßig interessiert, um nicht zu sagen vollkommen ignorant.
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