02.10.2014, 13:45 Uhr

"Pro Gymnasium": Kein Angriff auf unser Bildungssystem

Mitinitiator VHS-Direktor Ronald Zecha ist gegen eine Gesamtschule.

"Pro Gymnasium" ist eine Tiroler Initiative, die für den Erhalt eines vielfältigen Bildungssystems kämpft.

Eine klare Absage an die von LH Platter initiierte Gesamtschulstrategie erteilt die neue Initiative "Pro Gymnasium". "Nach über 100 Jahren Gesamtschuldiskussion ist es an der Zeit einzugestehen, diese Bildungsdiskussion hat für Kinder und Eltern keinen Nutzen gebracht", erklärt VHS-Direktor Ronald Zecha. Auch die SchülerInnen unterstützen diese Bewegung. Florian Dengg, stellvertretender AHS-Schulsprecher in Tirol: "Es besteht in der Schülerschaft eine spürbare Ablehnung der Gesamtschule, das bewährte Bildungssystem gehört weiterentwickelt, aber beibehalten, denn mit zehn Jahren entscheidet sich nicht der Bildungsweg eines Kindes." So kommen in Tirol etwa 70 Prozent der MaturantInnen aus der Hauptschule.
Für den Obmann der beiden Landeselternverbände, Peter Retter, ist die Modellregion Zillertal ein Unsinn. Retter: "Es wird die Wahlfreiheit für Kinder eingeschränkt und das Zillertal ist die falsche Region. Innsbruck hat viel größere Schulprobleme, aber Schulprobleme werden generell durch die Gesamtschuldebatte einfach überdeckt."
So würden bei Einführung einer flächendeckenden Gesamtschule Kinder reicherer Eltern Privatschulen besuchen, wodurch es zu einer Verschärfung der sozialen Selektion käme. "Die für die Gesamtschule locker gemachten Geldmittel würden für wirksame Maßnahmen wie Unterstützungspersonal oder SozialarbeiterInnen und Schulpsychologen an Problemschulen viel besser investiert", sagt Marina Floriani, selbst diplomierte Sozialarbeiterin.
"Die Debatte um eine Bildungsreform muss endlich von der politischen auf die sachliche Ebene zurückkehren", fordert Zecha.

FPÖ unterstützt Initiative

Die Gründung der Initiative ‚Pro Gymnasium‘ nehmen die beiden Tiroler FPÖ-Nationalräte und Mitglieder des Unterrichtsausschusses des Nationalrates zum Anlass darauf zu verweisen, dass sich die FPÖ immer für die Beibehaltung des Gymnasiums ausgesprochen hat: „SPÖ und ÖVP wollten zeitweilig das Gymnasium zerstören, sie missbrauchten die Schule und somit die Schüler und auch Lehrer als Versuchsobjekt, ohne zu bedenken, dass die Schüler die leidtragenden sind“, so NAbg. Bgm. Mag. Gerald Hauser und NAbg. GR Peter Wurm in einer gemeinsamen Aussendung.

SPÖ lehnt ab

„Nicht das Gymnasium muss gerettet werden, sondern die Zukunft unserer Kinder“, sagt der Tiroler SPÖ-Vorsitzende Ingo Mayr in Reaktion auf die Initiative „Pro Gymnasium“.
Es sei mittlerweile hinlänglich bekannt, dass es zu früh ist, mit zehn Jahren über seine Zukunft zu entscheiden. Deshalb lehnt die SPÖ eine Trennung der Kinder nach der Volksschule ab. „Zwischen 10 und 14 Jahren sollen alle Kinder wie in der Volksschule gemeinsam unterrichtet werden, eine Spezialisierung dann nach der achten Schulstufe erfolgen“, erklärt Mayr. „Die Gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen muss die einzige Schulform für diese Altersstufe werden.“

Die konkreten Forderungen:

• Aufhebung der Blockade einer sachlichen Bildungsdebatte durch Beendigung der
Gesamtschuldiskussion
• Erhalt des achtjährigen Gymnasiums (Vielfalt des Angebotes für Vielfalt der
Begabungen und Interessen; Wahlmöglichkeit für Eltern)
• Änderung der Aufnahmekriterien am Gymnasium, längerfristiges
Prognoseverfahren statt Notendruck am Ende der Volksschule
• Errichtung zusätzlicher Oberstufen-Standorte (ORG, BMHS) zur Erhöhung der
Durchlässigkeit (insbesondere in ländlichen Regionen)
• Mehr Wertschätzung gegenüber der beruflichen Bildung und den Lehr-
(Handwerks)berufen
• Verstärktes Erkennen und Beheben von Defiziten im Kindergarten-, Vorschul- und
Volksschulalter, aber auch in der Erwachsenenbildung
• Mehr Unterstützungspersonal für Lehrer/innen und Schüler/innen (z.B.
Psycholog/inn/en, Sozialarbeiter/innen) und Stärkung der Schulpartnerschaft
• Qualitativer Ausbau der ganztägigen Angebote und Verstärkung des kostenlosen
Förderunterrichts sowohl für Begabungen als auch für die Kompensation von
Defiziten

Die Initiative Pro Gymnasium können Sie hier unterstützen.
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