21.09.2017, 12:51 Uhr

„Studie ist eine solide Olympia-Basis“

Sportdirektor Gerald Kammerlander sieht in Olympischen Spielen eine riesige Chance für das Land Tirol. (Foto: Chris Walch)

ÖRV-Sportdirektor Gerald Kammerlander bezieht im BEZIRKSBLÄTTER-Interview Stellung zum möglichen Großereignis

UMHAUSEN. Gerald Kammerlander, ehemaliger Spitzen-Naturbahnrodler und aktueller Sportdirektor der Naturbahnrodel-Nationalmannschaft sieht in der möglichen Durchführung Olympischer Winterspiele eine riesige Chance für das Land Tirol.

BB: Die Befragung, ob sich Tirol für die Austragung Olympischer Spiele bewerben soll, rückt näher. Wie stehst du der Thematik gegenüber?
Kammerlander: Ich sage, dass wir insgesamt das Sportthema globaler sehen müssen. Der Sport ist völkerverbindend und hat gleichzeitig Einfluss auf die Gesundheit, den sozialen Zusammenhalt und sogar die Bildung.

BB: Bei Olympischen Spielen handelt es sich aber um ein einzelnes Groß-Event, wenn auch mit vielen Disziplinen.
Kammerlander: Damit der Breitensport funktioniert, brauchen wir auch den Spitzensport und entsprechende Veranstaltungen. Gerade für die Jugend sind Idole, denen sie nacheifern können, wichtig. Und ein Groß-Event dieser Art direkt vor Ort hinterlässt natürlich besonders intensive Eindrücke mit großer Nachhaltigkeit. Wer etwa bei den bis dato letzten Olympischen Spielen 1976 in Innsbruck noch jung war, wird sich auch heute noch ausgezeichnet daran erinnern können. Das wird mir immer wieder bestätigt.

Kosten sind festgeschrieben

BB: Die Olympia-Gegner argumentieren immer wieder mit horrenden Kosten, welche die Veranstaltung verursachen würden.
Kammerlander: Das Problem ist, das die Kritiker die vorliegende Machbarkeitsstudie offenbar nie gelesen haben. Die Kosten sind darin ganz klar festgelegt. Und die Richtung ist klar vorgegeben: Weg vom Gigantismus von Olympischen Spielen Marke Sotschi und wieder hin zu wirtschaftlich und ökologische vertretbaren Spielen, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen. Für Veranstaltungen, wie wir sie im Süden Russlands erlebt haben, wäre ich auch nicht zu haben, denn da hat der Sport selbst nur noch eine Nebenrolle gespielt. Da ging`s nur noch darum, dass sich einige wenige unter dem Glanz der Olympischen Ringe sonnen konnten. So etwas möchte in Tirol niemand haben.

BB: Du bist also davon überzeugt, dass Olympische Winterspiele in Tirol finanzierbar sind?
Kammerlander: Es ist ganz klar festgelegt: Die Einnahmen bestimmen die Ausgaben. Und daran muss festgehalten werden.

Sportanlagen sind vorhanden

BB: Die Gegner meutern auch ständig, dass die Adaptierung der Sportanlagen Unsummen verschlingen würden.
Kammerlander: Zunächst einmal ist festzuhalten, dass eben alle nötigen Sportanlagen vorhanden sind. Da unterscheiden wir uns schon einmal ganz wesentlich von anderen Regionen. Eben diese Anlagen müssen in den kommenden Jahren aber ohnehin erneuert werden, um den modernen Anforderungen gerecht zu werden. Sie dann gleich für olympische Bewerbe zu nutzen, ist absolut sinnvoll.

BB: Warum passen Olympische Spiele deiner Ansicht nach gerade nach Tirol?
Kammerlander: Tirol ist das Wintersportland schlechthin. Hier ist der Wintersport zu Hause, hier sollten auch Olympische Spiele ihren Platz haben.

IOC muss Flagge zeigen

BB: Erwartest du, dass das IOC einem Tiroler Angebot die Zustimmung erteilen wird.
Kammerlander: Der Fall liegt ganz einfach. Tirol macht dem IOC ein Angebot, wie es in der vorliegenden Studie festgeschrieben ist. Dann muss das IOC Flagge zeigen und deutlich machen, ob es wieder Winterspiele in der ursprünglichen Form haben will oder weiterhin auf Gigantismus setzt, der im krassen Widerspruch zum eigentlichen Sport steht.

BB: Du kommst aus dem Naturbahnrodel-Lager. Diese Disziplin ist nach wie vor nicht olympisch. Siehst du Chancen auf eine Änderung, wenn Olympia nach Tirol zurückkehrt?
Kammerlander: Die Chancen, das Naturbahnrodeln olympisch wird, würde mit einer Austragung in Tirol natürlich steigen. Keine Frage.

BB: Lass und noch den touristischen Aspekt behandeln!
Kammerlander: Tirol und seine Täler sind vom Tourismus abhängig. Alleine der Werbewert von Olympischen Spielen wäre überragend. Und ich sage ganz klar: Auch im Tourismus dürfen wir uns nicht nur auf das Vorhandene verlassen, sondern es geht darum, die guten Zahlen auch langfristig zu halten. Um das zu erreichen, müssen auch entsprechende Zeichen gesetzt werden. Und Olympische Winterspiele in Tirol wären ein ganz starkes…

Das Gespräch führte Peter Leitner
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