30.09.2016, 15:18 Uhr

Eine Woche im Gemeindebau

Wien: Wien | Am Montag stinkt’s im Hof aus den Mistkübel’n
Die übervoll auf Entleerung warten.
Obwohl schon mehr als Voll,
Wird noch eins draufgelegt.
Scheiß drauf,
Wenn der Wind den Deckel auffegt
Und den Sack samt Inhalt im Hof verstreut
Morgen wird er eh geholt.

Am Dienstag betritt das Karottenballett das Parkett.
Sie entleeren gekonnt im Takt
Den Unrat der vorigen Woche
Der von den Bewohnern Umweltgerecht wurde verpackt.
Von Essensresten über Glas, Plastik und Socke
Alles in einem Sack!

Der Mittwoch ist der Tag der Pflege,
Von Stiegenhaus, Hof, Blumenbeet und Kleintiergehege.
Die Respektsperson im Bau,
Oh, das war einmal.
Heute wirtschaftet eine Fremdfirma fatal,
Und gleitet besenschwingend durch die Stiegen,
Durch den Hof,
Durch die Anlage,
Dass es von den Mietern gibt keine Klage.

Am Donnerstag könnte man glauben es ist Montag.
Das Stiegenhaus ist verdreckt,
Die Mistkübel voll,
Die Wände beschmiert,
Und vor die Kellertür hat schon wieder jemand hin uriniert.
Quasi alles für die Fisch,
Alle freuen sich, dass morgen Freitag is.

Freitag am Abend da wird es laut,
Wenn der Nachbar von Oben seine Frau und Kinder haut.
Es ist zum Verzweifeln und ein wenig fies,
Da der Nachbar ein echter Wiener is.

Am Samstag und den Rest der Woche
Führen Regie die neuen Wiener mit Mischpoche.
Es wird gelärmt, verdreckt und provoziert
Und das alles ungeniert.
Beschwerden bei der Polizei
Landen unbearbeitet wegen Personalmangel
In der Ablage Drei.

Sonntag schlafen alle lang.
Manche werden erweckt vom Glockenklang
Oder vom Duft des Sonntagsbratens
Der in der Pfanne brutzelt.
Hauptsächlich von der Sau
Weil noch ist es ein Wiener Gemeindebau!

Copyright by Zoltán Odri
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