Pablo Chiereghin im Kunstforum
Riot Design – Oben der Richter, unten der Zerstörer

Pablo Chiereghin: Riot Design im Bank Austria Kunstforum
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Im Bank Austria Kunstforum läuft mit Gerhard Richter die Ausstellung des derzeit teuersten zeitgenössischen Künstlers. Für den "tresor" im Souterrain hat Pablo Chiereghin eine spannende multimediale Präsentation erarbeitet, im deren Rahmen der aus Italien stammende Künstler den alltäglichen Konsum hinterfragt. "RIOT DESIGN" nennt Chiereghin sein Projekt – ein absoluter Geheimtipp!

Innere Stadt. Nicht hinterfragter Konsum ist Teil unseres Lebens, mit dem dauernden Kaufen und Besitzen "füttern" wir diesen (un)wirtschaftlichen Kreislauf, bei dem die Lebensdauer der Objekte in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer kürzer geworden ist. Erst seit Kurzem hat sich eine Trendumkehr zum bewussten Konsum (Stichwort "Zero Waste") etabliert. 

Konsum und Gewalt

Bei seinem multimedialen Projekt "Riot Design" stellt  Pablo Chiereghin (geb. 1977 in Adria, Italien, lebt und arbeitet in Wien) Besitz und Konsum in den Mittelpunkt. Auf Videoleinwänden projiziert der wie ein Einbrecher maskierte Künstler Alltagsgegenstände wie etwa Möbel, die er in den Kurzfilmen gewaltsam zerstört. Dabei bedient er sich verschiedener Instrumente, wie Messer, Axt oder Farbspray. Nach dem Akt der Zerstörung (der übrigens direkt im Kunstforum stattgefunden hat) hat Chiereghin die Objekte vor Ort wieder neu zusammengebaut und stellt diese Gegenstände im "tresor" aus. "Das Freigeben von Besitz, das „Disowning“ und die Präsentation und Thematisierung dieses Prozesses im Ausstellungskontext sind die Herzstücke des Projekts", erklärt Kuratorin Lisa Ortner-Kreil. "Der Akt der Zerstörung ist Teil des Kunstwerks, modelliert und dekonstruiert das Objekt mit Gewalt und hinterlässt übrig gebliebene Teile, die dann zu einem einzigartigen Objekt zusammengesetzt werden sollen", so Chiereghin in einem Interview. 

Kunstforum-Vizedirektorin Evelyn Benesch vergleicht Chiereghin in ihrer Eröffnungsansprache mit den italienischen Futuristen um 1910, die bewusst zu Gewalt aufgerufen haben, um das Bürgertum aufzurütteln, zu verunsichern, Konventionen in Frage zu stellen. "Es ging auch um Zukunft, Geschwindigkeit, und darum, Technisierung vor Vergangenheit zu heben", so Brugger. Eine Bewegung, die mit dem Wachsen der Großstädte zusammenhing.

Chiereghins Titel "Riots" (Krawalle, Unruhen) solle sich an tatsächlichen und jetzigen Riots orientieren - das beginne mit Protesten gegen die Welthandelsorganisation in Seatlle, die "Black matters"-Bewegung oder die Bürgerrechtsbewegung in Hongkong. "Chiereghin macht uns aufmerksam auf Gewalt, und auch darauf, wie Gewalt in unserer nächsten Umgebung stattfindet, und dabei in der Momentaufnahme eine gewisse Faszination auf uns ausüben kann, wir uns dessen oft gar nicht bewusst sind, was das für ein gewalttätiger Akt ist. Der Künstler inszeniert das an den Alltagsgegenständen und setzt sie mit rosa Thermomaterial wieder zusammen."

Pablo Chiereghin: RIOT DESIGN. Die Ausstellung läuft noch bis 22.11.2020

Anspielungen auf illegale Machenschaften im Finanzbereich

Chiereghin hat sich in der Vergangenheit immer wieder mit dem Thema Wirtschaft und Zivilgesellschaft auseinandergesetzt. So organisierte er in Wien etwa eine nicht autorisierte "Wanderparty" in verschiedenen Bankfoyers, um zu hinterfragen, was die Banken eigentlich mit unserem Geld oder unseren Schulden machen, aber dass die Leute trotzdem Spaß in einer Bank haben können.

Auf der Parallel Art Fair, die in einem früheren Bürogebäude der Bank Austria stattfand, führte er ein Straßenglücksspiel vor, um auf illegales Schwarzgeld aufmerksam zu machen – mit Novomatic ein höchst aktuelles Thema.

Ein anderes Mal organisierte er beim Festival „Multimart Kunst und Kapital“ im Künstlerhaus Wien ein gefälschtes Finanzbüro, um Geld von den Besuchern zu sammeln, mit dem erklärten Ziel, es zu verdoppeln und im Finanzbereich einzusetzen. "Ich habe das Geld für mich behalten und das auch später enthüllt" –  eine Anspielung auf das Einsacken fremden Geldes durch Finanzinstitute.

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