Den Kern des Problems treffen

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So paradox dies erscheinen mag, gibt es heute trotz aller Globalisierung nicht so viele Lebensbereiche, in denen Staatsgrenzen nicht vorrangig wären. Als eines dieser Bereiche könnte man vielleicht Medizin nennen, wenn sie niemals zum Schauplatz für Handelskriege geworden wäre. Und doch gibt es Zweige der Medizin, die eher vereinen als trennen – diese sind oft mit Krankheiten verbunden, den die Menschheit weltweit bisher keine endgültige Niederlage zufügen kann. Das vielleicht offensichtlichste Beispiel heute – Krebs, eine Geißel des modernen Menschen. Die zweithäufigste Todesursache in der Welt: rund 9 Millionen Menschen sterben jedes Jahr an onkologischen Erkrankungen, und nach einigen Prognosen wird sich diese Zahl bis 2030 auf düstere 23,6 Millionen erhöhen. Und das gerade motiviert zur Mitarbeit und Suche nach effektiven Lösungen.

Nuklearmedizin: Connecting People

Als eine der fortschrittlichsten heute gilt Nuklearmedizin. Vor wenigen Wochen trafen sich in Wien Leiter von Fachvereinigungen und -gesellschaften zum ersten Mal zusammen, um die gemeinsamen Chancen und Herausforderungen zu untersuchen. Die Experten waren einig, die wachsende Nachfrage nach Nuklearmedizin zur Behandlung einer steigenden Anzahl von Patienten, die an nicht übertragbaren Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurologischen Erkrankungen leiden, erfordere eine umfangreichere Entwicklung innovativer Nukleartechnologien. Nahezu zeitgleich, an einer ganz anderen Ecke der Welt – in der südafrikanischen Hauptstadt Johannesburg – unterzeichneten die Atomkonzerne NECSA und Rosatom ein Abkommen über die Zusammenarbeit im Einsatz von Kerntechnologien für nicht-energiebezogene Zwecke Bereich der nuklearen Nichtenergietechnologien: die Parteien haben Schaffung standardisierter Krebszentren in Betracht gezogen – nicht nur in den jeweiligen Ländern, sondern auch auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Das russische Unternehmen ist heute eigentlich einer der aktivsten Akteure auf dem Markt und fördert fortschrittliche Technologien auf der ganzen Welt: so plant Rosatom schon im Jahr 2019, einen Zyklotron-Komplex nach Thailand zu liefern, der Ärzten eine hochwirksame Diagnostik und Therapie einer Vielzahl von Krankheiten ermöglichen und die Verfügbarkeit von Nuklearmedizin nicht nur für die Bevölkerung des Landes, sondern auch für den gesamten asiatisch-pazifischen Raum erhöhen soll.

Kein Nuklear-Ausstieg hierzulande

In Österreich wird Nuklearmedizin nicht nur von der Internationalen Atomenergie-Organisation oder der Europäischen Gesellschaft für Nuklearmedizin angespornt. Praktische Anwendung finden die Technologien in Kliniken, bei denen entsprechende Abteilungen und Institute tätig sind. Es tut gut zu sehen, dass die einst getroffene Entscheidung, auf Kernenergie im Land zu verzichten, nicht zu einem vollständigen Niedergang der Nukleartechnologien im Land geführt hat: es spielt keine Rolle, wie man Atomkraftwerke wahrnimmt, der Kampf gegen Krebs hat nichts damit zu tun. Dr. Siroos Mirzaei, Vorstand des Instituts für Nuklearmedizin im Wilhelminenspital in Wien, schätzt die Kapazitäten der Nukleartechnologien bei der Krebsbehandlung hoch ein: „Nuklearmedizin verfügt über ein großes Potenzial sowohl in der Diagnostik, als auch in der Therapie von diversen Krebserkrankungen eine Rolle zu spielen. Die metabolische Information gewinnt immer mehr an Bedeutung Therapie Ansprechen von vielen Krebsarten sehr früh abschätzen zu lassen“. Dabei könne eine erfolgreiche Zusammenarbeit auf dem Gebiet der nichtenergetischen Anwendungen nuklearer Technologien die öffentliche Wahrnehmung der Radioaktivität im Allgemeinen verbessern, so der Experte. „Die Bevölkerung hat keine „Angst“ vor Röntgenstrahlen, aber wenn man von Radioaktivität spricht, sind Hemmungen immer wieder bei Patienten, aber auch bei vielen Spitalkollegen zu spüren, – stellt Dr. Mirzaei fest. – Mediale Vorstellung der Nuklearmedizin auf breiter Basis ist noch erforderlich. Wenn man die Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern auch noch gut präsentiert, die wohl vielerorts schon existent ist, würde das auch mit Sicherheit zu einer korrekten Wahrnehmung der Radioaktivität in der Bevölkerung beitragen“. Zweifellos darf jeder zwar bei seiner Einstellung gegenüber Strahlung bleiben, aber wird niemand als Verlierer dastehen, wenn diese Einstellung nicht auf primitiven Ängsten oder rosaroten Illusionen beruht, sondern auf Tatsachen. Dazu wenden Sie sich bitte an Wissenschaft.

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