Depressionen im Vormarsch
Jeder fünfte Österreicher leidet wegen Corona an psychischen Problemen

Seit Beginn der Pandemie leiden etwa acht Prozent unter einer schweren depressiven Symptomatik, bei einer Untersuchung 2014 war es nur ein Prozent
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  • Seit Beginn der Pandemie leiden etwa acht Prozent unter einer schweren depressiven Symptomatik, bei einer Untersuchung 2014 war es nur ein Prozent
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  • hochgeladen von Nina Meißl

Die Corona-Krise setzt unsere Psyche unter Dauerbelastung. Laut den Daten einer Umfrage der Donau-Universität Krems leidet etwa ein Fünftel der Bevölkerung an depressiven Verstimmungen. Schwere depressive Symptome sind seit Beginn der Coronavirus-Pandemie konstant bei circa acht Prozent der Bevölkerung und damit um ein Vielfaches höher als bei früheren Untersuchungen. Die Folgeuntersuchungen zeigen: Die Belastung ist unverändert hoch.

ÖSTERREICH.  Die erste Studie der Donau Uni im April zeigte einen Anstieg der psychischen Symptome für Depression, Ängste und Schlafprobleme auf das Drei- bis Fünffache der Werte vor der Pandemie. Folgeuntersuchungen im Juni und im September bestätigen die Ergebnisse: Die Belastung ist weiterhin gleichbleibend hoch.

Corona-Krise ist psychische Dauerbelastung

Fix ist: Die Corona-Krise bedeutet für alle Österreicher eine psychische Dauerbelastung. Das Department für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit untersuchte in einer ersten Studie im April eine repräsentative Bevölkerungsstichprobe von etwa 1.000 Personen.

„Nach einem raschen Anstieg psychischer Symptome im April gibt es nach neuerlichen Untersuchungen derselben Personen im Juni wie auch im September bisher keine Entwarnung“,

erklärte der Studienautor Christoph Pieh, Leiter des Departments für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit.

20 Prozent leiden an depressiven Verstimmungen

Es sind vor allem Zukunftsängste, die Angst vor einem möglichen Jobverlust und die Einsamkeit, die psychisch zu schaffen machen. Die Ergebnisse bestätigen, dass depressive Symptome sowohl im Juni als auch im September immer noch bei etwa 20 Prozent der Bevölkerung auftraten. Auch Angstsymptome oder Schlafstörungen liegen weiterhin bei 16 Prozent.

Acht Prozent leiden an schweren Depressionen

Besonders deutlich ist der Vergleich bei schweren Fällen: "Seit Beginn der Pandemie leiden etwa acht Prozent unter einer schweren depressiven Symptomatik, bei einer Untersuchung 2014 war es nur ein Prozent“, heißt es in einer Aussendung der Donau-Universität Krems. 

„Dieser Anstieg verdeutlicht die psychischen Auswirkungen der Pandemie und bedarf einer raschen und speziell auf die aktuelle Situation angepassten Hilfe“,

empfahl Pieh.

Wirtschaftliche Folgen als psychische Belastung

Die Gründe für den Anstieg psychischer Probleme sind etwa die Sorge um die eigene Gesundheit, Zukunftsängste, finanzielle Sorgen, Jobverlust und Einsamkeit. „Gerade die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind ein nicht zu unterschätzender Faktor und auch weiterhin nur schwer abschätzbar. Möglicherweise spielen gerade die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie bei dem Anstieg psychischer Symptome eine zentrale Rolle“, sagte Pieh.

Was hilft gegen psychische Probleme?

Laut Experten sei das beste bei psychischen Probleme körperliche Bewegung und Sport. Erwiesen sei, dass Menschen, die regelmäßig körperliche Bewegung betreiben, während der Pandemie weniger belastet sind: „Regelmäßige körperliche Bewegung hat mitunter eine ähnlich gute Wirkung wie ein Antidepressivum.“ Weiters hilft ein gutes soziales Netzwerk und eine positive Lebenseinstellung, um die CoV-Krise zu meistern.

Unbedingt Hilfe suchen

Schwere depressive Symptome sind seit Beginn der Coronavirus-Pandemie konstant bei circa acht Prozent der Bevölkerung und damit um ein Vielfaches höher als bei früheren Untersuchungen.„Gerade in schweren Fällen ist eine professionelle Hilfe in der Regel notwendig", so der Experte. Wichtig sei, über seine Probleme zu reden. Wer dafür niemanden hat, sollte unbedingt eine soziale Hotline kontaktieren:

Österreichweit

Ö3-Kummernummer (täglich zwischen 16 und 24 Uhr, kostenlos): 01/116 123
Österreichweite Telefonseelsorge (rund um die Uhr, kostenlos): 142
"Rat auf Draht" (rund um die Uhr, kostenlos, für Kinder & Jugendliche): 147
Frauenhelpline gegen Männergewalt (rund um die Uhr, kostenlos): 0800/222 555
Opfernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800/112 112
Beratung für Kinder und Jugendliche (Mo-Sa 14.00-18.00 Uhr, kostenlos): 0800/201 440

Wien

Psychiatrische Soforthilfe: 01/313 300
Krisenintervention: 01/406 95 95 0
Sozialpsychiatrischer Notdienst: 01/310 87 79 oder 01/310 87 80
SozialRuf Wien: 01/533 77 77
Universitätsklinik f. Psychiatrie, AKH: 01/40 400 3547
Wiener Kindertelefon: 01/319 66 66
Kindernotruf: 02622/66 66 1 (Wiener Ortstarif!)
Frauennotruf: 01/71 719
Notruf für vergewaltigte Frauen: 01/523 22 22
Informationsstelle gegen Gewalt: 01/544 08 20
Familienberatungsstellen: 0660/52 01
Todesfall: 01/501 95 0

Niederösterreich

Krisen- & Beratungszentrum Wiener Neustadt: 0664/386 46 31
Oberösterreich
Rat und Hilfe bei Suizidgefahr: 0810/977 155
Kriseninterventionszentrum (0-24): 0732/21 77
Notruf bei psychischen Krisen (rund um die Uhr): 0732/65 10 15
Wagner Jauregg Krankenhaus: 057/680 870

Salzburg

Krisenhotline für Menschen mit Depressionen (rund um die Uhr): 064 12/200 33 oder 0662/ 43 33 51
Krisenstelle für Jugendliche: 0662/45 32 66
Babyhotline (rund um die Uhr, für Schwangere in Not): 0800/539 935
Kärnten
Kriseninterventionszentrum: 0463/310 021
Pro Mente-Notruf bei Krisen: 0664/300 700 7

Steiermark

Sorgentelefon für Kinder, Jugendliche und Erwachsene: 0800/221440
Kriseninterventionszentrum für Mädchen: 0316/39 13 20

Tirol

Kriseninterventionszentrum für Kinder und Jugendliche: 0512/58 00 59

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