Mund-Nasenschutz empfohlen
Unkraut löst Corona-ähnliche Symptome aus

Das Beifußblättrige Traubenkraut kann Heuschnupfen, Asthma und Kontaktallergien auslösen. Es wächst gerne am Straßenrand oder am Rand von Feldern.
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  • Das Beifußblättrige Traubenkraut kann Heuschnupfen, Asthma und Kontaktallergien auslösen. Es wächst gerne am Straßenrand oder am Rand von Feldern.
  • Foto: Privat
  • hochgeladen von Martin Wurglits

Ragweed (oder Ambrosie) breitet sich durch das immer wärmer werdende Klima aus und verursacht bei Menschen mit Allergie schwere Symptome, die durchaus Ähnlichkeit mit denen einer Corona-Erkrankung haben. Derzeit befindet sich das Kraut in der Hochblüte. Über einen Atlas kann man feststellen, wo in Österreich sich Ragweed-Pflanzen befinden oder sie auch melden.

ÖSTERREICH. Rund 115.000 Menschen sind in Österreich von einer Ragweed-Pollenallergie betroffen, so die Schätzungen des Österreichischen Pollenwarndienstes der MedUni Wien. Die Rate der sensibilisierten Personen nimmt in Richtung westlicher Bundesländer ab.  Ragweed gehört zu den Pflanzen mit den am stärksten Allergie auslösenden Pollen, die bei empfindlichen Personen unangenehme Symptome verursacht. Die aus Nordamerika eingeschleppte Art breitet sich seit einigen Jahrzehnten auch in Mitteleuropa aus. Sie keimt ab Mitte April, ihre Blühzeit beginnt Ende Juli und endet im September oder Oktober.  Ragweed wächst zu einer stark verzweigten Pflanze mit bis zu 1,5 Meter Wuchshöhe heran.

Ragweed-Atlas für Österreich

Ragweed hatte anfangs in Ostösterreich ihr Verbreitungsgebiet gefunden und sich in den Süden ausgebreitet. Mittlerweile ist das Kraut in fast ganz Österreich zu finden. Ihr Schwerpunkt liegt zwar weiterhin im Burgenland, Niederösterreich, Wiener Raum, in Kärnten und der Steiermark, doch hat sich die Pflanze – in geringeren Beständen – auch in den Westen und Norden des Landes verbreitet. Oberösterreich und Vorarlberg sind bisher noch weitgehend verschont geblieben, doch auch hier gibt es bereits punktuell Stellen, wo sich die Pflanze findet. In Niederösterreich und im Burgenland wurden die Landesregierungen bereits aktiv, die Straßenmeistereien haben das Unkraut so gut wie möglich bekämpft.

Wer eine Ragweed Pflanze entdeckt, kann den Fund auf einer Meldeplattform melden. Auf diesem Atlas kann man über Standortmeldungen sehen, wo genau die Pflanze aktuell aktiv ist (s.u.). Dort findet sich auch ein Tutorial wie die Pflanze zu erkennen ist, sowie nähere Informationen zur Pflanze selbst. der Österreichische Pollenwarndienst hat dafür eine "Ragweed-Finder-App" entwickelt, mit der Vorkommen direkt über das Handy an eine zentrale Stelle gemeldet werden können. 

Schäden in der Landwirtschaft

Ragweed dringt in Äcker ein und verursacht erhebliche Ernteverluste. Die Pollen der Pflanze sind sind aggressiv, schon der Hautkontakt mit dem Blütenstand kann besonders für Allergiker extrem belastend sein und heftige Allergien auslösen. Die Blühbereitschaft und -intensität hängt von Temperatur, Menge des Lichteinfalles und Regenmenge ab.  

Symptome teils ähnlich wie bei Corona

Mögliche Symptome sind Jucken in Augen und Rachen, laufende oder verstopfte Nase, Niesreiz, Bindehautentzündungen, Bronchitis mit Husten, Atemnot und allergisches Asthma. Es können auch andere Symptome wie allgemeines Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen oder Müdigkeit auftreten.  Ragweed-Allergiker reagieren schneller in der Lunge als andere Allergiker. Häufig verwechseln Betroffene die Symptome mit einer anhaltenden Erkältung, derzeit auch mit einer Infektion mit dem Covid-19-Virus. Treten solche Symptome in der Zeit von Ende Juli bis September/Oktober auf, sollte man die Beschwerden ärztlich abklären lassen. 

So schützt man sich gegen Ragweed

Grundsätzlich kann jede/r im Laufe des Lebens von einer Pollenallergie betroffen sein, heißt es auf der Seite der MedUni Wien. Experten des österreichischen Pollenwarndiensts der MedUni Wien raten zu Mund-Nasen-Schutz gegen Ragweed. Uwe Berger von der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten der MedUni Wien: „Ragweedpollenallergikern ist der Urlaub im Westen Österreichs sehr zu empfehlen, da dort kaum Belastungen durch Ragweed auftreten. Außerdem sollte man auf ein sauberes Zuhause achten (Anm.: feucht wischen, Staub saugen mit HEPA Filter, keine Staubfänger, Luftreiniger) und seinen Alltag anpassen, zum Beispiel die Haare abends waschen, draußen getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer ablegen. Zudem sei allen PollenallergikerInnen der Mund-Nasen-Schutz ans Herz gelegt. Dieser hilft nicht nur COVID-19 Infektionen zu reduzieren, sondern auch den Kontakt mit Pollen zu minimieren“, betont der Leiter des Pollenwarndiensts der MedUni Wien. Neueste Forschungen an der Medizinischen Universität Wien weisen in diese Richtung. Erste Daten zeigen einen Rückgang der Nasensymptome, der Lungensymptome, ein allgemein besseres Befinden, aber intensivere Augensymptome. Zusätzlich weist eine Voranalyse auf geringere Verkaufszahlen von Medikation bei Allergien und Nasenbeschwerden begleitet von höheren Verkaufszahlen für Augenpräparate. „Eine wissenschaftliche Publikation des Österreichischen Pollenwarndienstes der MedUni Wien wird nach weiteren Analysen zu diesem Thema im Spätherbst folgen.“ Tipp des Experten: „Tragen Sie daher den MNS am besten mit Sonnenbrille, um Ragweedpollen möglichst effektiv abzuhalten.“ 

Ragweed hat Alpentäler erreicht

Ein internationales Forscherteam unter der Mitarbeit von Franz Essl, Biodiversitätsforscher an der Universität Wien, prognostizierte erstmals die Ausbreitung von Ragweed in Europa unter Berücksichtigung des Klimawandels bis 2050. Der ernüchternde Befund: „Die Pollenbelastung wird sich bis Mitte des 21. Jahrhunderts voraussichtlich vervierfachen. Der Klimawandel sowie die derzeit noch nicht abgeschlossene Besiedlung geeigneter Lebensräume sind die Hauptursachen dafür“, erläutert Essl und ergänzt: „Für Österreich bedeutet dies, dass besonders in kühleren Regionen, wie in Alpentälern, wo es derzeit dieser Wärme liebenden Art zu kalt ist, die Pollenbelastung besonders massiv steigen wird“.

Gesetz gegen Radweed mit hohen Strafen

Nicht nur für Menschen, auch für die Landwirtschaft stellt Ragweed eine Gefahr dar, weswegen das Burgenland die weitere Verbreitung der Pflanze verhindern will – und dafür als erstes Bundesland ein Gesetz entworfen hat. Umweltlandesrätin Astrid Eisenkopf (SPÖ) und FPÖ-Klubobmann Géza Molnár präsentierten eine Vorlage, die Anfang 2020 in Kraft treten soll. Ursprünglich wollte das Land Burgenland Anfang des Jahres das im letzten Jahr groß angekündigte Ragweed-Gesetz verabschieden. Dabei waren auch Geldstrafen für Grundbesitzer vorgesehen, die ihre Flächen nicht von dem Unkraut befreien. ÖVP und Landwirte sparten nicht mit ihrer Kritik, sie sehen im Gesetz den Ruin der Bauern. 

Mit dem Gesetz wird auch eine Landesstelle zur Koordination sämtlicher Maßnahmen eingerichtet. Kooperiert wird unter anderem mit Bezirkshauptmannschaften, Gemeinden und der Straßenaufsicht. Eine Meldepflicht ist Molnár zufolge zwar nicht festgelegt, aber man ersuche die Bevölkerung, Vorkommen von Ragweed zu melden. Grundstücksbesitzer werden angehalten, die Pflanze zu entfernen und im Hausmüll zu entsorgen. Sollte das nicht geschehen, könne angeordnet werden, das Ragweed fachgerecht zu entsorgen. Bei einer Weigerung sind Verwaltungsstrafen von 3.000 Euro möglich. Das Gesetz soll nach der Begutachtungsphase im Herbst beschlossen werden.
Interesse an einem ähnlichen Gesetz haben auch die Steiermark und Niederösterreich bekundet. 

Ragweed-Atlas für Österreich
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