„Tür und Tor für illegale Prostitution geöffnet“

Nachtklub-Betreiberin Bernadette (34) in ihrem Lokal am Gürtel.
  • Nachtklub-Betreiberin Bernadette (34) in ihrem Lokal am Gürtel.
  • hochgeladen von Alexandra Laubner

Tagsüber arbeitet Bernadette als Projekt-Managerin, ab 21 Uhr wechselt sie ihre weiße Bluse gegen ein goldenes Mieder und rote Lackstiefel.

Fünf Tische, Eckbänke und Stühle mit rotem Lederimitat. Zwei Damen trinken Kaffee und rauchen Chesterfield. Im Hintergrund flimmert eine Krimi-Serie über den Bildschirm. Kunden sind um 21 Uhr noch nicht in Sicht.

Bernadette steht hinter der Theke. Die 34-Jährige betreibt seit drei Jahren einen Nachtklub mit Separee-Genehmigung am Gürtel. Im bz-Interview spricht sie über das Prostitutionsgesetz, das die Straßenprostitution im Wohngebiet verbietet.

bz: Das neue Gesetz liegt auf dem Tisch. Was sagen Sie dazu?
BERNADETTE: „Die Regelung ist dort sinnvoll, wo es Probleme mit Anrainern gibt. Ich würde auch nicht mit meiner Tochter auf der Felberstraße wohnen wollen. Dort gibt es unhaltbare Zustände. Wir vom Gürtel kommen durch das Gesetz zum Handkuss für jene Gebiete, wo es nicht funktioniert, obwohl die Straßenprostitution auf der Äußeren Mariahilfer Straße schon immer verboten war.“

bz: Bei Ihnen gab’s nie Probleme mit den Anrainern?
BERNADETTE: „Am Gürtel ist Lärm kein Thema. Vis-à-vis meines Nachtklubs sind Szenelokale. Die Anrainer hören nicht, wenn wir einen Kunden auf der Straße anreden. Die Mädchen bahnen auf der Straße an, das Geschäft machen sie im Lokal, sauber und sicher. “

bz: Bringt die Regelung Verbesserungen für Sexarbeiterinnen?
BERNADETTE: „Die Sichtweise der Mädchen kommt zu kurz. Meine Befürchtung ist, dass wenn die Prostitution an den Stadtrand gedrängt wird, Tür und Tor für die Illegalität geöffnet werden. Auch die Sicherheit der Mädchen ist nicht gewährleistet. Mir ist auch unklar, wie das Gesetz exekutierbar sein soll.“

bz: Hat sich die Szene in den letzten Jahren verändert?
BERNADETTE: „Es geht immer mehr in Richtung Billigschiene. Ich habe schon von Angeboten gehört, bei denen für 20 Euro sehr viel geht. Das ist unfassbar.“

bz: Ihr Umsatz?
BERNADETTE: „Wir bewegen uns im höheren Preissegment, die Dienstleistung muss seinen Preis haben. Ich verdiene an den Getränken. Es gibt Gäste, die sich nur mit den Mädchen unterhalten wollen. Das ist ihnen auch Geld wert.“

bz: Tagsüber arbeiten Sie als Projekt-Managerin, von 21 bis 4 Uhr morgens betreiben Sie einen Nachtclub. Eine ungewöhnliche Berufslaufbahn …
BERNADETTE: „Ich bin vor drei Jahren für meinen ehemaligen Lebensgefährten, der ins Gefängnis musste, kurzfristig eingesprungen. Ohne meinen jetzigen Geschäftspartner wäre das nicht möglich. Ich kann nicht jede Nacht durcharbeiten. Ich habe ja noch einen anderen Job.“

bz: Wie viele Mädchen arbeiten in Ihrem Klub?
BERNADETTE: „Zwei bis vier. Frauen aus Ungarn, der Slowakei, der Dominikanischen Republik und hin und wieder Österreicherinnen.“

bz: Ihr Wunsch an die Politik?
BERNADETTE: „Die Erlaubniszonen müssen bis November klar definiert sein, sonst wird das Gesetz scheitern. Ein weiterer Punkt: Sex-Inserate zu verbieten, in denen ungeschützter Geschlechtsverkehr angeboten wird. Das wäre ein politisches Zeichen.“

Die Eckpunkte
Im November 2011 soll das Prostitutionsgesetz in Kraft treten.
• Verbot der Straßenprostitution im Wohngebiet, in Parks im Wohngebiet, in Bahnhöfen und Kleingartensiedlungen.
• Beantragung von zusätzlichen Erlaubniszonen möglich.
• Meldepflicht für Bordelle.
• Strafen für Freier, die in den Sperrzonen Prostituierte ansprechen.

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