Diplomatie
Der Ozean im Gespräch

Alice Vadrot leitet das Projekt MARIPOLDATA.
  • Alice Vadrot leitet das Projekt MARIPOLDATA.
  • Foto: Markus Spitzauer
  • hochgeladen von Katharina Kropshofer

Alice Vadrot untersucht, wie Wissenschaft Verhandlungen über marine Vielfalt beeinflusst

INNERE STADT. Es ist nicht sehr lange her, dass man sich die Tiefsee wie eine dunkle, kalte Wüste vorstellte, in die niemand – außer mythenumworbene Wesen in Romanen Jules Vernes – vordringen wollte. Doch bald erkannte man die gewaltige Vielfalt der Meere und die damit verbundenen Interessen. „Vielfalt bedeutet auch Ressourcen, die etwa von der Pharma- oder Kosmetikindustrie genützt werden können“, erklärt Alice Vadrot. Sie ist Leiterin des EU-finanzierten Projektes MARIPOLDATA am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien und beforscht mit ihrem Team Verhandlungen zum Schutz der marinen Biodiversität in internationalen Gewässern. Ein Fokus liegt darin zu verstehen, wie Wissenschaft und Politik ineinanderfließen.

1982 wurde das Seerechtsübereinkommen geschlossen, das Staaten vorschreibt, Meere nicht zu verschmutzen. Der Schutz der Vielfalt kommt darin jedoch nicht vor. 2018 starteten Verhandlungen, ein rechtlich bindendes Instrument zu etablieren. Unklar ist, ob marine genetische Ressourcen zum Allgemeingut der Menschheit gezählt werden. „Das wird von Staaten des globalen Südens sehr stark gefordert, von anderen aber abgelehnt.“ Vadrot und ihr Team erforschen die jeweils zwei Wochen andauernden Verhandlungsrunden ethnografisch: „Wir benützen eine spezielle Matrix und halten so fest, welche der Staaten sich wie einbringen und wissenschaftliche Erkenntnisse einbeziehen.“ Spricht ein Staat, wird das mit dem Zeitpunkt vermerkt. Notizen zu den Inhalten der Verhandlungen zeigen, dass manche Konzepte – wie Klimawandel oder indigenes, traditionelles Wissen – über die Zeit an Bedeutung gewinnen.

Ohne Schutz keine Ressourcen

Verbunden wird die Analyse mit einem Blick auf die Entwicklung wissenschaftlicher Publikationen zu mariner Vielfalt. In einem dritten Schritt sieht sich MARIPOLDATA regionale Forschungspraktiken in Brasilien, den USA und der EU an. Auch wenn sich Vadrot nicht allzu bald eine internationale Einigung erwartet, habe sich trotzdem schon viel verändert: „Es gibt heute zumindest die Erkenntnis, dass es ohne den Schutz der Meere auch keine Ressourcen mehr geben wird, die genützt werden können.“

Als Tochter eines Franzosen und einer Österreicherin, wollte Vadrot selbst lange Diplomatin werden. Während des Studiums entdeckte sie jedoch größere Interessen: „Wissen über Natur ist etwas politisches und gleichzeitig konflikthaltig. Mir war es wichtig zu verstehen, warum welches Wissen herangezogen wird, um gewisse Dinge zu rechtfertigen. Denn Wissenschaft strukturiert auch heute die Art, wie wir leben.“

Autor:

Katharina Kropshofer aus Währing

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