Paurs Traum
Der Traum von der perfekten Stadt

Andreas Schindl begibt sich in seinem Roman "Paurs Traum" auf die Spuren des Freimaurers Leopold Paur, der die perfekte Stadt bauen wollte.

INNERE STADT. Der Jurist Leopold Paur wollte im 18. Jahrhundert eine utopischen Stadt im Sinne der Aufklärung gründen. Die Stadt wurde nie gebaut, Leopold Paur verkam zu einer Fußnote der Geschichte. Jetzt hat der Wiener Arzt und Autor Andreas Schindl das Leben und die Idee des Freimaurers in seinem Roman "Paurs Traum" verarbeitet.

Wovon handelt Ihr Roman "Paurs Traum"?
ANDREAS SCHINDL:
Von Leopold Paur, der 1735 im tiefsten Niederösterreich als Sohn eines Landwirtes und Dorfrichters geboren wurde, in Wien Jus studierte und in seinen Fünfzigern, quasi in der Midlife-Crisis, eine ideale Stadt gründen wollte. In dieser Stadt sollten Menschen aller Rassen und Religionen friedlich zusammenleben.

Wie kam er auf die Idee und wie sollte sie finanziert werden?
Angeblich hatte er als Jüngling einen Traum dieser utopischen Stadt, den er nach der Aufnahme in eine Freimaurerloge im Sinne der Aufklärung verwirklichen wollte. Für die Finanzierung hat er immer wieder Anträge ans Kaiserhaus gestellt und auch ein Treuhandkonto eingerichtet. Man kann vom ersten Crowdfunding-Projekt reden. In späteren Jahren hat er publiziert, im Besitz eines Heilmittels gegen Syphilis zu sein. Das wollte er gegen den geringen Betrag von 20 Kreuzer pro Mann und Nase europaweit vermarkten.

War er tatsächlich im Besitz dieses Heilmittels?
Das ist die Frage! Kurz vor seinem Tod hat er eine eigenartige Rezeptur veröffentlicht. Das war aber nichts Spektakuläres und hätte nicht geholfen.

Wie genau sollte Paurs Stadt aussehen?
Ein gleichberechtigtes Leben in in einem kreisförmigen, streng rasterförmigen Grundriss mit Einheitshäusern, die den gleichen Grundriss und die gleiche Fassade haben. Die Stadt sollte offen und von keiner Stadtmauer umgeben sein.

Wurde so eine Stadt irgendwo errichtet?
Die Idee, eine Stadt auf die grüne Wiese zu stellen, war zu dieser Zeit nicht neu. Der Herausgeber der Zeitung Deutscher Merkur, mit dem Paur nachweislich Kontakt hatte, bildete damals im Merkur den Stadtplan von Washington, das von Freimaurern gegründet und errichtet wurde, ab. In Italien ist die Stadt Palmanova ähnlich aufgebaut und auch Karlsruhe weist einen ähnlichen Grundriss auf. Da spielten natürlich militärisch-strategische Überlegungen mit, eine kreisrunde Stadt ist gut zu verteidigen.

Wie weit hält sich der Roman an historische Tatsachen?
Die Herkunft von Leopold Paur ist ebenso historisch verbürgt wie sein Jusstudium in Wien und seine Hochzeit mit einer reichen Kaufmannstochter. Auch der Wunsch von der Errichtung der utopischen Stadt, die im Horner Becken entstehen sollte, ist überliefert. Nicht verbrieft ist seine Zugehörigkeit zu den Freimaurern. Diese Idee ist allerdings dem damaligen Zeitgeist entsprechend.

Was fasziniert Sie an den Freimaurern?
Es ist ein Wahnsinn, was die damals bewirkt haben. In einer Zeit des Absolutismus war der Gedanke, dass alle gleich sind, revolutionär. Man hat sich Gedanken gemacht über die Kindersterblichkeit, Armenhäuser gegründet und das Schulsystem reformiert. Hoher Klerus war ebenso bei den Freimaurern wie Mozart und der Hofmohr Soliman.

Wie groß ist der Einfluß der Freimaurer heute?
Der wird, denke ich, massiv überschätzt! Sie haben nicht mehr Einfluß als Gewerkschaften oder CV-Verbindungen. Auch bei den Schotten und im Theresianum bilden sich Freundschaften, die positiv eingesetzt werden können.

Wo spielt der Roman?
Vorwiegend im ersten Bezirk. Paurs Arbeitsstätte ist im Sitz des Hofkriegsrates Am Hof, wo sich heute das Hotel Park Hyatt befindet. Auch seine historisch überlieferten Adressen kommen vor: Die Salvatorgasse, der Neustädter Hof in der Sterngasse und das Haus Zur schwarzen Bürste in der Judengasse. Ich habe meine Praxis in der Schreyvogelgasse und gehe, seitdem ich das Buch geschrieben habe, nicht mehr durch die Innenstadt ohne mich zu fragen, was noch aus Paurs Zeit erhalten geblieben ist und welche Gebäude er gesehen hat.

Zur Sache

"Paurs Traum" von Andreas Schindl ist im Braumüller Verlag erschienen, hat 384 Seiten und kostet 24 Euro. Mehr Infos unter www.andreas-schindl.at und www.dr-schindl.at.
 ISBN-10: 3992002187
ISBN-13: 978-3992002184

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