Tischmanieren für Kinder: Hauptsache es schmeckt

Die neun Teilnehmer und Teilnehmerinnen mit Co-Initiatorin Ingrid Schediwy-Fuhrmann.
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  • Die neun Teilnehmer und Teilnehmerinnen mit Co-Initiatorin Ingrid Schediwy-Fuhrmann.
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WIEN. Á table, zu Tisch bitte! Richtiges Benehmen im Restaurant, von der Serviette bis zum Besteck, das will gelernt sein. Und am besten fängt man damit schon früh. Und wo ließen sich geeignete Tischmanieren wohl besser erlernen als im Traditionshaus Sacher?

"Á table, der Salon für Kinder" will die Jüngsten unter uns auf die Gesellschaft Erwachsener vorbereiten, achtsamen Umgang sowie Tradition und Werte lehren. Hierzu bat man neun Burschen und Mädchen im Alter von fünf bis 14 Jahren im Hotel Sacher zu Tisch und brachte ihnen die Grundzüge des guten Benehmens bei. Anfangs noch etwas ungestüm und steif, gestaltete sich der Umgang gegen Ende zunehmend lockerer – der Sacherwürfel als Belohnung dürfte da das Seinige dazu beigetragen haben.

Ein Handy hat am Tisch nichts zu suchen

"Das ist der Puls der Zeit", sagt Co-Initiatorin Barbara Gruszkiewicz. Gemeinsam mit Ingrid Schediwy-Fuhrmann leitet sie den "Salon für Kinder". Dass es mittlerweile Lokale gäbe, welche keine Kinder mehr wollen, sei ein deutliches Warnsignal. "Tischmanieren, Umgang, Tradition und Werte", sollten zwar in Kindergarten und Schule gelehrt werden, "in der Praxis ist das leider nicht so", so Gruszkiewicz. Im Rahmen von zwei Mal 90 Minuten andauernden Kursen, wolle man den Kindern "die Basics des Miteinander" beibringen – "nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern spielerisch". Stolze 167 Euro kostet der Kurs für die Kids, Tischmanieren haben ihren Preis. "Aus den Zeiten eines starren Benimmsystems" sei man zwar raus, dass aber zum Beispiel ein Mobiltelefon bei Tisch nichts zu suchen habe, damit beginne man am besten bereits im Kindesalter.

Ein Dinner für die Mama

Da ohnehin schon bald der Muttertag ins Haus steht, machte man sich dann im ersten Stock des Sacher Hotels Gedanken mit den Kindern, wie man Mamis Ehrentag am kulinarisch anregendsten gestalten könnte. Das will von der Vor- bis zur Nachspeise natürlich genau geplant sein. Doch zu allererst: Handy weg vom Tisch, erst dann kann's losgehen. Als Vorspeise lieber Frittaten- oder Nudelsuppe? Darf's für die Mama lieber ein Wiener Schnitzel sein oder doch Spagetti? Hinterher Eis oder Pudding? Apfelsaft oder eher Richtung heiterer Muttertag mit Aperol-Spritz und Rotwein? Kein Detail wurde ausgelassen, bis zum letzten Bissen feilte man an Mamas Gaumenschmaus.

Doch die kulinarische Verköstigung ist nur die halbe Miete. Einmal serviert, will die Speise natürlich auch in angemessenen Maße verzehrt werden. Wohin mit dem vielen Besteck und was soll ich eigentlich mit dieser riesen Serviette anfangen? Und auch wenn's unangenehm ist: wie verhalten, wenn ich auf die Toilette muss? Der Vorschlag einer Teilnehmerin "Ich muss mal kurz in die Ecke", brachte zwar allgemeine Erheiterung, setzte sich jedoch nicht als die eleganteste Lösung durch. Und schließlich: Auch das anständige Begrüßen einer Dame will gelernt sein. Beim Handkuss, sozusagen die Königsdisziplin des stilvollen Umgangs, wurden zwar einige Burschen etwas steif in der Hüfte, doch auch das meisterte man schließlich mit Bravour.

Hauptsache es schmeckt

"Wann gibt's denn jetzt wirklich was zu Essen - ich hab' echt schon Hunger?", meldet sich der Jüngste in der Runde zu Wort. Gesagt, getan: Als Belohnung gibt's für alle Teilnehmer einen echten Sacherwürfel. Auch diesen verzehrt man – wie eben gelernt – mit Stil und guten Manieren. Und weil Kinder eben Kinder sind, gilt am Schluss eben doch: Hauptsache es schmeckt.

Autor:

Johannes Gress aus Wieden

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