Größte Beschaffung seit Eurofighter
Bundesheer kauft 18 italienische Hubschrauber

Als Nachfolger der über 50 Jahre alten "Alouette" (im Bild) kauft das Bundesheer das Modell AW169M des italienischen Herstellers Leonardo.
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  • Als Nachfolger der über 50 Jahre alten "Alouette" (im Bild) kauft das Bundesheer das Modell AW169M des italienischen Herstellers Leonardo.
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Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) verkündete am Montag bei einer Pressekonferenz nun auch offiziell: Österreich kauft als Ersatz für die 50 Jahre alten "Alouette" das Hubschraubermodell AW169M des italienischen Herstellers Leonardo. Insgesamt werden 18 Hubschrauber angeschafft.

ÖSTERREICH. Es ist die größte Beschaffung des Bundesheers seit dem Eurofighter, "seit mehr als 17 Jahren", erklärte die Verteidigungsministerin am Montag. Gerade die Anschaffung der Eurofighter hätten gezeigt "wie es nicht gehen soll“ . Man habe sich deshalb für eine "Government-to-Government" Beschaffung entschieden, sagte Tanner, um diesmal dubiose Praktiken auszuschließen. Das bedeutet, dass Österreich an dem Beschaffungsverfahren "einer befreundeten Nation", so Tanner, konkret Italien, teilhaben wird. 

Tanner: "Meine Einstellung zu Airbus ist bekannt"

Rund 300 Millionen Euro will das Bundesheer für die neuen Mehrzweckhubschrauber ausgeben. Insgesamt sei man mit 27 Ländern in Kontakt gewesen, die am Ende aus unterschiedlichen Gründen ausgeschieden sind, wie die Verteidigungsministerin erklärte: So könnten etwa die Vereinigten Staaten in der Frage der Ausbildung und Logistik nicht kooperieren, auch auf rechtlicher Ebene sei ein Deal mit einem Nicht-EU-Land schwierig. Deutschland wolle erst später beschaffen. Außerdem wolle man die Hubschrauber in Österreich warten, Deutschland aber wolle im eigenen Land warten. "Meine Einstellung zu Airbus ist bekannt", fügte Tanner hinzu. Man befinde sich in offenen Gerichtsverfahren.

Die AW169M des italienischen Herstellers Leonardo ersetzt die veralteten Bundesheer-Helikopter.
  • Die AW169M des italienischen Herstellers Leonardo ersetzt die veralteten Bundesheer-Helikopter.
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Italien habe letztendlich alle Anforderungen hinsichtlich Beschaffung, Betrieb und Ausbildung zusichern können. "Ich hab mich deshalb entschieden, die Beschaffung gemeinsam mit Italien durchzuführen", sagte Tanner.

Zwölf Hubschrauber in Aigen, sechs in Langenlebarn

Der neue Hubschrauber des Modell AW196M soll vieles mehr als sein Vorgänger, die 50 Jahre alte "Alouette III", können. Er sei schneller und könne größere Lasten sowie mehr Personen transportieren. Beim Einsatz bei Waldbränden könne das Modell etwa dreimal so viel Wasser transportieren, wie die "Alouette", betonte die Ministerin. 12 Stück werden in Aigen in der Steiermark stationiert, sechs Stück im niederösterreichischen Langenlebarn. Die Flotte könne auch in anderen Bundesländern betrieben werden, man werde dafür etwa in Vorarlberg neue Hangar errichten.

Ein "Alouette" III im Einsatz, um Lawinen zu sprengen.
  • Ein "Alouette" III im Einsatz, um Lawinen zu sprengen.
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Tanner nannte den steirischen Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) als einen "der politischen Väter dieses Erfolgs", bei dem sie sich mehrmals bedankte.

Ab Mitte 2022 soll der italienische Hubschrauber dann im Österreicheinsatz sein. Mit der heutigen Entscheidung bis zum Ausscheiden des alten Modells solle die neue Type AW169M einsatzbereit sein, erklärte Generalstabschef Robert Brieger. Die Aufgaben des Hubschraubers, wie Hilfseinsätze sowie Rettungs- und Bergeeinsätze seien so für Jahrzehnte sichergestellt. Die Kooperationsmöglichkeit mit Italien ermögliche außerdem gemeinsame Übungen und Einsätze, durch die Synergieeffekte und kostensparende Effekte erzielt werden könnten.

Am Montag haben Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Generalstabschef General Robert Brieger über aktuelle Entwicklungen in der Landesverteidigung informiert.
  • Am Montag haben Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Generalstabschef General Robert Brieger über aktuelle Entwicklungen in der Landesverteidigung informiert.
  • Foto: Screenshot Facebook.com
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AW169M ist teuerstes Modell

Bell (hatte sein Modell 429 angeboten) und Airbus Helicopters (vormals Eurocopter, hatte die H145 angeboten) gehen damit leer aus. Von den zur Auswahl stehenden Modellen ist der AW169M allerdings das teuerste Modell. Wie die "Krone" am Sonntag berichtetet, sollen die Betriebskosten rund 30 Prozent höher sein als bei den Maschinen von Bell und Airbus.

Opposition vermisst Transparenz

SPÖ-Wehrsprecher Robert Laimer hält die Entscheidung für die Leonardo-Hubschrauber in einer Aussendung am Montag für richtig. Wichtig sei, dass die Beschaffung als Government-to-Government-Geschäft ablaufe, "also ohne die aus der Eurofighter-Beschaffung bekannten Lobbyisten, Provisionen und mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen". Negativ bewertete Laimer, dass Verteidigungsministerin Tanner dem Parlament weder in öffentlicher noch in vertraulicher Sitzung die grundlegenden Daten der verschiedenen Angebote dargelegt habe. "Dieser Verpflichtung muss die Ministerin noch nachkommen."

NEOS-Verteidigungssprecher Douglas Hoyos begrüßte in einer Aussendung, dass endlich eine Entscheidung getroffen worden sei. Hoyos forderte aber ebenfalls mehr Transparenz über die Entscheidungskriterien: "Leider hat man sich mit dem Airbus-Streit im Vorfeld selbst um eine Alternative gebracht, jetzt ist die Entscheidung auf den teuersten Typ gefallen. Tanner muss transparent machen, auf welchen Kriterien die Entscheidung beruht und wie es dazu gekommen ist."

FPÖ-Chef Norbert Hofer erklärte in einer Aussendung: "Mario Kunasek hat jenes Geld herausverhandelt, mit dem Ministerin Tanner nun einkaufen geht.“ Türkis-Grün setze mit der Hubschrauber-Beschaffung freiheitliche Verteidigungspolitik um. So sei am Ende der Verhandlungen zwischen FPÖ und ÖVP im Jahr 2018 ein 400 Millionen Euro schweres Sonderinvestitionspaket für drei neue Black-Hawk und 18 neue Mehrzweckhubschrauber als Ersatz für die Alouette 3 gestanden.

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