Psychische Belastung für Eltern
Was für Schulschließungen spricht - und was dagegen

Leere Klassenzimmer und Homeschooling könnten schon am kommenden Montag in ganz Österreich wieder Realität werden.
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Müssen Schulen in Österreich ganz zumachen? Bevor die Bundesregierung ihre Entscheidung verkünden will, brodelt die Gerüchteküche. Die Opposition fordert Alternativen, wie eine erweiterte Maskenpflicht für Schüler oder einen gestaffelten Schulstart. Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) schließt am Donnerstag nicht aus, dass die Schulen bereits ab Montag geschlossen sein könnten.

ÖSTERREICH. Lässt sich das Coronavirus eindämmen, wenn Pflichtschulen bundesweit geschlossen werden? Experten sind sich in der Frage nicht einig. Keine unmittelbare Veranlassung für Schulschließungen sieht am Donnerstag etwa Gerald Gartlehner, Experte für Evidenzbasierte Medizin von der Donau-Universität Krems, im Gespräch mit der APA. "Ich finde, die Schulen zu schließen ist das allerletzte, was wir tun sollten." Der Epidemiologe, der auch Teil der sich am heutigen Donnerstag beratenden Kommission zur Corona-Ampelschaltung ist, werde daher in dem Gremium dafür plädieren, breitere Schulschließungen nicht zu empfehlen. 

Tatsächlich zeigen regionale oder landesweite Studien in Europa anhand der nachgewiesenen Antikörper gegen das Coronavirus, dass Kinder bisher etwas bis deutlich weniger häufig infiziert waren als ältere Bevölkerungsgruppen. In Schweden oder Belgien wurden bei Kindern weniger als halb so oft Antikörper gefunden. In regionalen Untersuchungen in Deutschland liegen die Werte im Vergleich teils noch niedriger.

Entscheidung fällt in den nächsten 48 Stunden

Am Donnerstag wurde mit 9.262 Corona-Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden der bislang höchste Wert an Neuinfizierten seit Beginn der Pandemie gemeldet. Die Entscheidung, ob der zweite Lockdown ausreicht, oder es weitere Verschärfungen geben muss, dürfte nicht wie angekündigt Morgen Freitag, sondern erst am Samstag fallen. Gesundheitsminister Anschober schloß am Donnerstag nicht aus, dass die Schulen bereits ab Montag geschlossen sein könnten, wollte sich aber noch nicht festlegen. „Wir haben immer gesagt, wir werden nach zehn Tagen beginnen zu evaluieren. Wir haben heute Tag zehn“, betonte Anschober bei einer Pressekonferenz. In den nächsten 48 Stunden werde man sich intensiv mit der Frage, ob und welche Nachjustierungen es brauche, beschäftigen. Berücksichtigt werde aber nicht nur das Infektionsgeschehen in den Schulen, sondern auch, welche Auswirkungen weitere Maßnahmen auf das „Gesamtsystem“ hätten, sagte Anschober. 

Pro: Verlängerung der Sonderbetreuungszeit

Für ein Schließen der Pflichtschulen spricht auch die Verlängerung der Sonderbetreuungszeit bis 7. Juli 2021. Der Sozialausschuss des Nationalrats billigte am Mittwoch mit breiter Mehrheit eine entsprechende Novelle zum Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz. Arbeitnehmer, die minderjährige Kinder zu Hause betreuen müssen, weil die Schule oder der Kindergarten geschlossen haben, werden künftig einen Rechtsanspruch auf vier bis zu vier Wochen Sonderbetreuungszeit haben - vorausgesetzt, es stehen keine alternativen Betreuungsstrukturen zur Verfügung.

Contra: Opposition lehnt Schulschließungen ab

Die Opposition macht inzwischen weiterhin Druck gegen mögliche Schulschließungen. Die NEOS fordern am Donnerstag, dass die Regierung die Entscheidung, wegen Problemen bei der Dateneingabe von Corona-Fällen in das elektronische Meldesystem, auf kommende Woche vertagt. "Wir würden jedenfalls das Wochenede abwarten und appellieren dringend an den Gesundheitsminister, erst das Zahlenchaos in Ordnung zu bringen, sodass wir valide Zahlen haben", so NEOS Klubobfrau Beate Meinl-Reisinger. NEOS- Bildungssprecherin Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre will die Schulen sicherer machen, etwa durch eine erweiterte Maskenpflicht für Schüler und unterschiedliche Beginnzeiten des Unterrichts. 

SPÖ: Evidenz für Nutzen von Schulschließung fehlt 

Als "eine Maßnahme von geringem Nutzen und großem Schaden" bezeichnete SPÖ-Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner eine Schließung der Pflichtschulen in einer Pressekonferenz am Donnerstag. "Für diese Maßnahme der Schulschließung fehlt jegliche Datengrundlage, fehlt sachlliche Begründung und Evidenz ", so Rendi-Wagner. Rendi-Wagner stützt sich dabei auf die Informationen der AGES als auch internationale Studien, die zeigen würden, dass Schulkinder bis 14 Jahren keine wichtige Rolle in der Verbreitung des Virus spielen. Schulschließungen würden aber gesundheitliche, psychologische und pädagogische Schäden bei den Kindern verursachen. "Allein durch den Bewegungsmangel sagen die ersten Daten aus dem ersten Lockdown, dass es zu einer wesentlichen Zunahme des Übergewichts gekommen ist."

Das die Schulschließungen aufgrund der Corona-Pandemie im Frühjahr Eltern psychisch stark belastet haben, zeigt eine aktuelle Befragung der Arbeiterkammer (AK). Vor der Coronakrise gaben nur neun Prozent an, durch die Betreuung ihrer Kinder sehr oder ziemlich gestresst zu sein. Während der Schulschließung stieg der Wert auf 66 Prozent.
  • Das die Schulschließungen aufgrund der Corona-Pandemie im Frühjahr Eltern psychisch stark belastet haben, zeigt eine aktuelle Befragung der Arbeiterkammer (AK). Vor der Coronakrise gaben nur neun Prozent an, durch die Betreuung ihrer Kinder sehr oder ziemlich gestresst zu sein. Während der Schulschließung stieg der Wert auf 66 Prozent.
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An Sicherheitsmaßnahmen für ein Offenhalten der Schulen plädierte SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid für regelmäßig Tests und Screenings der Lehrer sowie für eine Maskenpflicht für die Pädagogen. Weiters sollten die Gurgeltests ausgeweitet werden, zusätzliche Räume angemietet und die Räume alle 20 Minuten kurz gelüftet werden. SPÖ-Chefin Rendi-Wagner würde einem kompletten Lockdown inklusive Schulschließungen nur dann zustimmen, wenn die von ihr geforderte Expertengruppe, die die Maßnahmen bewerten und evaluieren soll, einen solchen vorschlagen würde.

Auch FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl schloß sich der Forderung von SPÖ und NEOS an: "Die Schulen müssen offen bleiben, wir sind es unseren Kindern schuldig. Sperrt der Herr Bundeskanzler morgen unsere Schulen, werden Bildungsrückstände entstehen, die nicht mehr aufholbar sind." Man solle den gestaffelten Schulstart oder eine Teilung in Vormittags- und Nachmittagsunterricht überlegen, statt Schulen zu schließen.

"Ein Schul-Lockdown würde uns pulverisieren"

Für das Pflegepersonal wäre ein Schul-Lockdown fatal, warnte am Donnerstag auch der Wiener Personalvertreter Edgar Martin im Interview mit der APA. Vor allen durch die letzen 24 Stunden-Einsätze seien die Pflegekräfte bereits am Rande der Belastbarkeit angelangt. Die Gefahr, dass Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter ausbrennen, sei akut. Falle aktuell jemand aus, werde das Problem umgehend verschärft, schilderte Martin. Dramatisch wäre es, wenn viele demnächst daheimbleiben müssten, um Kinder zu betreuen: "Ein Schul-Lockdown würde uns pulverisieren."

Zuletzt hatte sich auch Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil gegen Schließungen im gesamten Schulbereich ausgesprochen. „Nur rund fünf Prozent der derzeitigen Coronacluster sind auf die Schulen zurückzuführen. Daher wäre es wichtig, die Diskussion um die Schulschließungen derzeit nicht zu führen und Schulschließungen auch nicht vorzusehen“, so LH Doskozil. Aus der Sicht des burgenländischen Landeshauptmanns würde das auch den Lockdown der Wirtschaft bedeuten, die Betreuungssituation würde eine Schulschließung nicht zulassen.

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