Frauen in Männerdomänen
"Ich fand Lkw schon immer fesch"

Die Kfz-Mechanikerin Alexandra Schuster haben große Vehikel, wie dieses Löschfahrzeug an einem Flughafen in Portugal, schon immer fasziniert.
3Bilder
  • Die Kfz-Mechanikerin Alexandra Schuster haben große Vehikel, wie dieses Löschfahrzeug an einem Flughafen in Portugal, schon immer fasziniert.
  • Foto: Rosenbauer
  • hochgeladen von Linda Osusky

Alexandra Schuster schmiss ihr Studium hin, um eine Lehre als Kfz-Mechanikerin zu machen. Aktuell sorgt sie im Südsudan dafür, dass Ärzte ohne Grenzen von A nach B kommen.

ÖSTERREICH. Kfz-Mechaniker ist der drittbeliebteste Lehrberuf – bei jungen Männern. 2018 waren unter österreichweit 7.536 Kfz-Lehrlingen gerade einmal 311 Frauen. Das entspricht vier Prozent. Eine der seltenen Frauen, die in Autowerkstätten anzutreffen sind, ist Alexandra Schuster. Die heute 30-Jährige hatte bereits als Kind eine Schwäche für große Brummer. "Irgendwie habe ich Lkws schon immer ganz fesch gefunden", sagt sie im Interview mit den Regionalmedien Austria. Auch Schneeräumfahrzeuge und Unimogs faszinierten sie.

Ein altes Wohnmobil

Doch zuerst schlug sie eine akademische Laufbahn, ein. Das Studium brach sie aber schnell ab. "Ich habe gemerkt, dass mir die passive Art der Wissensaneignung nicht liegt", sagt sie. Gemeinsam mit ihrem Partner besaß sie ein altes Wohnmobil, dass die beiden stets selbst reparierten. Und so kam die Idee, eine Lehre zur Kfz- und Nutzfahrzeugmechanikerin zu machen. 

Traumjob mit Feuerwehrautos

Nach ihrem Lehrabschluss heuerte die gebürtige Steierin gleich bei einem der weltgrößten Hersteller von Feuerlöschfahrzeugen an. Beim Leondinger Unternehmen Rosenbauer war sie bis vor kurzem noch als internationale Service-Technikerin tätig. Ihre Aufgaben umfassten die Übergabe von Feuerlöschfahrzeugen, das Training und die Reparatur der bis zu 700-PS-starken Vehikel. Und das über 15 verschiedenen Ländern. Gegen Ende ihrer Zeit bei Rosenbauer war Schuster hauptsächlich an südamerikanischen Flughäfen anzutreffen. Für Schuster war das ein Traumjob. "Da ich bei der freiwilligen Feuerwehr bin und gerne reise, war das die perfekte Kombination." 

Veraltetes Frauenbild

Als Frau in einer Männerdomäne sticht sie immer gleich hervor. Doch schlechte Erfahrungen hat sie wegen ihres Geschlechts kaum gemacht. "Von meinen Meistern und den Gesellen wurde ich immer gut behandelt", sagt sie über ihre Erfahrungen. Zwar gab es auch ungute Kollegen, aber "die gibt es überall und meidet man am besten gleich von Anfang an", so Schuster. An der Berufsschule habe es jedoch auch einige Lehrkräfte mit einem veralteten Frauenbild gegeben. 

Frauen hinterlassen Eindruck

Sie findet, dass es Frauen in technischen Berufen schwerer haben als Männer, weil sie in der Minderheit sind. Sie schätzt aber auch die Kollegialität, die sie erfuhr. Positiv sei auch, dass Kunden sich auch noch nach Jahren an sie erinnerten. "Eine Frau als Mechanikerin hinterläßt bei vielen einen besonders großen Eindruck."

Kinderbetreuung stärken

Was die Rahmenbedingungen für Frauen in Technikberufen angeht, wünscht sie sich mehr Kinderbetreuung in Unternehmen und dass es für Mütter attraktiver wird, wieder ins Berufsleben einzusteigen. In ihrer Familie von Freunden erhielt sie volle Unterstützung für ihre Berufsentscheidung. Außerdem hatte sie genug Vorbilder in ihrem Umfeld: "Ich hatte Freundinnen, die in Männerdomänen waren. Darunter waren Schlosserinnen, Spenglerinnen und Kfz-Mechanikerinnen. Das fand ich immer schon toll."

Autos für den guten Zweck reparieren

Auch wenn sie bei Rosenbauer einen Traumjob hatte, wollte sich Schuster einen langgehegten Wunsch erfüllen: "So lange es mir gesundheitlich möglich ist, wollte ich mit meiner Qualifikation auch einmal im humanitären Bereich arbeiten." Vergangenen Sommer war Schuster daher sechs Monate lang für Ärzte ohne Grenzen als "Flying Mechanic" im Südsudan im Einsatz. 

Das Wesentliche im Leben

Nach dieser Erfahrung hat sie sich nochmals bei der NGO beworben und ist derzeit wieder im Südsudan. Diesmal sorgt sie als Logistikerin dafür, dass Ärzte Patienten in dem Bürgerkriegsland medizinisch versorgen können. Für Schuster eine unglaublich erfüllende Tätigkeit. "Dort merkt man wieder was wichtig ist im Leben. Bei Ärzte ohne Grenzen geht es wirklich ums Wesentliche, nämlich Menschen zu helfen und ihnen medizinische Versorgung zu bieten."

Lesen Sie auch:
* "Flashdance" made in Austria
* Frau Proschek greift nach den Sternen
Zwischen Ohnmacht und Bürgerkrieg

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen