14.07.2018, 09:44 Uhr

NO-ONE

(Foto: Prudkin & Prudkin Film)
Wien: Actors Studio | Das Vienna Independent Film Festival war der Gastgeber der österreichischen Filmpremiere NO-ONE im Kino Actors Studio, was eine unerwartete Annäherung an das bekannte Thema der sowjetischen Periode darstellt. Der Film ist eine gemeinsame Produktion zwischen Ukraine und Israel.

Unter der Regie von Vater und einem Team, Lev und Vladimir Prudkin, erscheint der Film auf den ersten Blick unkompliziert zu sein.
Das Spiel des Films findet in der Krim im August 1991 statt. Die Hauptfiguren sind die Familie eines KGB-Generals. Der Zuschauer darf mit Recht ein weiteres Retro-Drama erwarten, wie im "Driver for Vera", eine Familie vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse des Landes. Aber der Film ist komplizierter. Der historische Kontext ist auf mehrere Striche reduziert: Das staatliche Komitee für den Ausnahmezustand und Jelzin erscheinen im Fernsehen, die Ereignisse in Moskau spiegeln sich im Dialog der Charaktere wider, der General prognostiziert bisweilen den Zusammenbruch des alten Systems.

Jedoch sind nicht nur historische Ereignisse, sondern das Familiendrama was im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, die Beziehungen der Charaktere mit allen Nuancen und Obertönen. Es ist wichtig zu beachten, dass die Prudkins Vertreter einer bedeutenden Schauspielfamilie sind: Der Vater von Vladimir und der Großvater von Lev, Mark Prudkin ist eine Legende des Moskauer Kunsttheaters.
Die Erzählung ist eine solide, gut geschriebene Chronik des Zusammenbruchs einer Familie. In der idyllischen Umgebung, mit Meer, Strand, Klippen, hochklassigem Sanatorium, leichten Kleidern als Kulisse – da sind die Konflikte und Zwietracht. Der Verrat, die Spionage und Skelette in Schränken verdrängen den friedlichen Ferienort.

Aber das Merkwürdigste ist, wie dieses Drama endlich endet. Die Aufgabe ist schwierig - die russische Schule braucht noch eine gewisse Art von Charakter und Psychologismus - aber hier kommt jeder zurecht. Natalia Vdovina steht vor der schwersten Aufgabe, da ihre Rolle die Frau des Generals ist, die die emotionale Hauptlast des Films trägt. Sie spielt ihre Rolle auf eine minimalistische Art und Weise.

Aber die Hauptvorteile von NO-ONE sind die Kameraleute. Ziv Berkovich und David
Wächter bauen perfekt symmetrische Aufnahmen, korrigieren die Komposition, experimentieren mit Licht. Am Ende wird das Nostalgie-Stück dank ihnen zum Thriller.

Berkovich und Strazhmeister verwandeln ein Familiendrama in eine fast Sorokin-ähnliche Dekonstruktion der Sprache. Das evokative Bild wird vor dem Betrachter zum Thriller, zur Phantasmagorie, zum absurden Spiel. Für fast zwei Stunden warmer Farben, Nostalgie und die "Zeitatmosphäre" (ewiger Trumpf der Filme um die alten Zeiten) versiegt, verschwindet. Und an ihrer Stelle entsteht eine schreckliche Geschichte über die Welt, die vor unseren Augen stirbt. Niemand hat zuvor einen Film über die Zeiten der "guten alten Sowjets" gemacht.


Der Film wurde auf dem Moskauer Internationalen Filmfestival, dem Kyiv International Film Festival "Molodist", dem Haifa International Film Festival gezeigt und wurde außerordentlich positiv von Kritikern aufgenommen.
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