30.09.2016, 13:29 Uhr

Österreich - Das Land der Depressiven?

Etwa 10 Prozent der Österreicher bekommen Antidepressiva verschrieben. Das sind etwa 800.000 Menschen. Zu diesem Ergebnis kam aktuell eine Studie, die von Forschern der Donau-Universität Krems durchgeführt wurde. Die Untersuchung zeigt auch, dass die Zahl der Verschreibungen von Antidepressiva weiter ansteigt. Gleichzeitig sind sich die Experten der Studie einig, dass gerade bei leichten, depressiven Verstimmungen nicht immer die Einnahme von Medikamenten notwendig ist.

Anzahl der Verschreibungen von Psychopharmaka steigt


Wird in Österreich etwa leichtfertig Antidepressiva verschrieben? Wenn es nach der Studie der Donau-Uni Krems geht, ist die Frage mit einem Ja zu beantworten. Allein die Zahlen offenbaren, dass die Ausgaben im österreichischen Gesundheitswesen für Psychopharmaka zwischen 2006 und 2013 um 31 Prozent gestiegen sind. Noch 2006 betrugen die Ausgaben für Antidepressiva etwa 144 Millionen Euro. 2013 lagen diese bei 188 Millionen Euro. Das ist ein Anstieg von 25 Prozent.

Untersuchungen gehen davon aus, dass etwa jeder siebte Österreicher psychisch erkrankt ist. Das sind etwa 900.000 Menschen. Davon bekommen etwa 800.000 Antidepressiva verschrieben. Doch die Dunkelziffer, der psychisch erkrankten Menschen in Österreich ist laut Experten am Universitätsklinikum in Salzburg viel höher. Man geht von etwa 1,2 Millionen Menschen mit psychischen Erkrankungen aus. Zwar klingt die Zahl der Betroffenen auf den ersten Blick enorm hoch. Doch viele Menschen mit psychischen Leiden durchlaufen in Österreich eine lange Wartezeit bis die richtige Diagnose gestellt wird.

Das Problem, so die Mediziner am Universitätsklinikum Salzburg, ist bei vielen Ärzten die ganzheitliche Betrachtung der Patienten. Sie werden zwar körperlich sehr gut untersucht, doch in der Psychosomatik fehlt es oft an einem fachlichen Blick. Manchmal vergehen mehrere Jahre bis Menschen mit psychischen Erkrankungen die richtige Therapie erhalten. Dabei könnte das zu Rate ziehen eines Psychotherapeuten den Patienten häufig lange Leidenswege ersparen und zusätzlich könnte das österreichische Gesundheitswesen bis zu 35 Prozent der Behandlungskosten einsparen.

Bei kurzfristigen Verstimmungen helfen auch natürliche Mittel


Dabei muss man nicht immer auf Psychopharmaka zurückgreifen. Besonders wenn es sich um depressive Verstimmungen handelt, die nur kurzfristig auftreten, kann man diese auch mit sanfteren Methoden behandeln. Dieser Meinung sind ebenfalls die Forscher der Donau-Uni Krems. Manchmal reichen natürliche Stimmungsaufheller, die die Konzentration und einen gesunden Schlaf fördern, vollkommen aus, um über ein kurzfristiges Stimmungstief zu kommen. Auch ausreichend Bewegung an der frischen Luft und eine gesunde Ernährung wirken sich bei depressiven Verstimmungen positiv aus. Wichtig für Betroffene ist die Vermeidung von Stresssituationen und sie sollten sich vor Übermüdung schützen. Als natürliche Inhaltstoffe bei leichten Verstimmungen haben sich unter anderem Baldrian, Johanniskraut und Passionsblume bewährt. Aber auch Aminosäuren können die Stimmung verbessern. Weitere Informationen gibt es hier.

Fehlende Informationen führen zur vermehrten Verschreibung von Antidepressiva


Doch warum steigt die Medikamentenverschreibung von Antidepressiva in Österreich? Das liegt nicht nur an den Patienten. Forscher der Donau-Universität Krems glauben, dass es an fehlenden Informationen liegt. Besonders Ärzte erhalten ihre Informationen über die Pharmaindustrie, die in der Regel nicht unparteiisch ist. Zudem ist das Verschreiben von Medikamenten für Krankenkassen mit einem geringen Aufwand verbunden als das Verordnen einer Psychotherapie. Zudem fehlt es den Ärzten an Zeit, um Patienten ausführlich über Probleme zu reden und daraus eine Behandlungsmöglichkeit zu finden.

Bild: © Flickr.com - Gonzalo Malpartida (301/366: Headache- CC-BY-SA 2.0)
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