14.03.2017, 14:43 Uhr

Steinway: Perfektion in Klang und Spielgefühl

Spezialistin Heide Braun hat in dieses alte Pianino einen neuen Resonanzboden eingebaut - für die spätere Bespannung kommt es auf Zehntelmillimeter an

Was in einem Steinway-Flügel steckt, verrät die Begeisterung der Techniker bei ihrem Streben nach Perfektion.

Innere Stadt. Die am 1. Dezember 1997 am Opernring eröffnete erste Niederlassung von Steinway in Österreich war von Anfang an als Ort der Begegnung „rund ums Klavier“ gedacht. Heute ist der 1853 in den USA gegründete Klavierhersteller überall in Österreich präsent und zum Treffpunkt für klavierbegeisterte Menschen und ihre Instrumente geworden. Die überwältigende Mehrheit der Konzertpianisten entscheidet sich für Steinway.

Ob Klassikpianisten wie Lang Lang, Jazzstars wie Brad Mehldau oder Popikonen wie Billy Joel: Diese Künstler mit ihrer großen Sensibilität und ihrem hohen Anspruch bereichern im Austausch mit den Steinway-Mitarbeitern und -Technikern deren Erfahrungsschatz, der sich als Inspiration auch in den Instrumenten jener Menschen wiederfindet, für die Klavierspielen eine private Leidenschaft ist. In einem alten Steinway ebenso wie in jedem neuen.

Im Laufe der über 160-jährigen Steinway-Geschichte wurden unterschiedliche Hölzer für den Corpus verwendet. Ursprünglich war es Ahornholz aus den USA, das mit der Gründung von Steinway Hamburg 1880 von leichter verfügbaren Harthölzern wie Rotbuche und Mahagoni (aus den Kolonien) abgelöst wurde. 1990 kehrte man zu den Wurzeln zurück und verwendet seitdem wieder amerikanischen Berg- und Felsahorn. Warum Hartholz? "Die Quelle des Tons in einem Klavier ist der Resonanzboden. Er ist aus weicher Fichte, nach oben gewölbt und nur zehn Millimeter dick. Auf ihn wird ein Saitendruck von einer Tonne ausgeübt, darauf liegt noch eine 150 Kilo schwere Gusseisenplatte", erklärt Cheftechniker Stefan Knüpfer.

Spezielle Konstruktion

Eine spezielle Hartholzkonstruktion hält den Resonanzkörper stabil im Rahmen, lässt ihm aber seine Elastizität. "Hartholz setzt der Schwingung eine Grenze, bis hier und nicht weiter, damit der Ton nichts von seiner Dichte verliert." Allerdings auch kein Wunder, dass diese Extrembelastung und der Druck bei nicht idealer Lagerung – eine gleichmäßige Luftfeuchtigkeit von etwa 50 Prozent wäre ideal –zu Rissen im Resonanzboden führen können. Dann bleibt natürlich der gute Ton weg. Ist jedoch alles perfekt, wird die Energie des Klavierspielens über die Mechanik von Hammer, Saite und Steg auf den Resonanzkörper übertragen und verfünffacht. Dabei sollte eine harmonische Obertonreihe entstehen, die lange mitschwingt.

Auch die Klaviertasten haben ein Innenleben aus Fichte, weil sie elastisch ist, Ahorn oder Eiche sorgt unterhalb und seitlich der Tasten dafür, dass nichts klopft. Die schwarzen Tasten sind aus Ebenholz, Elfenbein wird für die weißen Tasten seit 1988 nicht mehr verwendet. Die Hämmer dahinter sehen nur filigran aus, hier kommen Weißbuche und Birke zum Einsatz. Und ganz hinten am Stimmstock – wo die Saiten durch Löcher im Gusseisen gestimmt werden – halten Ahorn und afrikanisches Eisenholz die Wirbel so fest, dass kein Ton geschluckt wird.

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