22.10.2016, 00:00 Uhr

Beruf Sargträger: Ein würdevoller Abschied

Eine kleine Kapelle als letzte Ruhestätte ist eines der Ziele von Sargträter Marcus Slabihoud.

Auf den Wiener Friedhöfen gibt es viele Berufe, einer davon ist der des Sargträgers. Während am Land Sargträger meist Privatpersonen sind, werden sie bei der Bestattung Wien angestellt.

Auch wenn es auf den ersten Blick – vor allem auf die Trauernden – nicht so aussieht: Sargträger ist ein schöner Beruf. Marcus Slabihoud ist mit seiner Arbeit sehr zufrieden.

"Es macht mir Freude, für die Hinterbliebenen für einen würdevollen und respektvollen Abschied ihrer Liebsten zu sorgen. Mir macht mein Beruf viel Freude", so der 26-Jährige. Bei all der Trauer erlebt er auch immer wieder erhebende Momente: "Das schönste Begräbnis war das eines Mannes, dessen Sarg mit einer Kutsche zum Grab gebracht wurde. Es spielte eine Dixieland Band, und hinter der Kutsche gab’s eine Seifenblasenmaschine mit wunderschönen Seifenblasen."

Ab und zu wollen die Hinterbliebenen auch Luftballons steigen lassen. Dafür müssen sie aber erst bei der Austro Controll um Erlaubnis fragen. Da sich der Flughafen Schwechat in der Nähe befindet, gibt es strenge Sicherheitsvorschriften.

Körperlich fordernd

Die Aufgabe eines Sargträgers ist es, den Sarg auf der Tumba in der Trauerhalle aufzubahren, nachdem ihn der Abholdienst aus der Leichenhalle geholt hat. Nach der feierlichen Verabschiedung tragen vier bis sechs Sargträger – je nach Gewicht – den Sarg zum Auto oder zum Bahr- bzw. Konduktwagerl. Dieses fährt den Verstorbenen dann bis zum Grab.

Frauen als Sargträger gibt es bei der Bestattung Wien keine. Nicht, dass sie nicht erwünscht wären, es ist aber fraglich, ob sie der körperlichen Anstrengung gewachsen sind.

"Durchschnittlich wiegen Verstorbene 70 bis 80 Kilo. Dazu kommt das Gewicht vom Sarg, das ebenfalls an die 80 Kilo beträgt. Es gibt aber auch Verstorbene, die schwerer sind, vielleicht 200 Kilo haben. Da braucht man schon jede Menge Kraft", so Slabihoud.

Josefinisches Protokoll

Gegangen wird nach dem Josefinischen Protokoll, im Gleichschritt, mit dem linken Fuß beginnend. Gestolpert ist Slabihoud, der seit zwei Jahren seinen Dienst am Zentralfriedhof versieht, zum Glück noch nicht.

Viele der Hinterbliebenen wollen den Sargträgern Trinkgeld geben. Aber: "Wir dürfen das nicht annehmen, das ist strengstens verboten", so Slabihoud. Das lernen die angehenden Sargträger bei ihrer sechsmonatigen Einschulungsphase.

In dieser erfahren sie auch, dass bei Begräbnissen alles erlaubt ist, was nicht pietätlos ist – etwa, dass die Trauergäste alle in Weiß kommen. Weniger pietätvoll ist allerdings, wenn es beim Begräbnis Streitereien unter den Hinterbliebenen gibt.

"Es ist schon vorgekommen, dass die Frau und die Ex-Frau sich am Friedhof treffen. Das ist dann oft weniger harmonisch. Es kann auch sein, dass zerstrittende Hinterbliebene darauf bestehen, dass ihre Kränze nicht nebeneinander liegen. Darauf achtet dann aber der Arrangeur", erzählt Slabihoud.

Zur Sache

Arrangeure und Sargträger werden unter dem Begriff Konduktpersonal zusammengefasst. Bei der Bestattung Wien gibt es 90 Personen, die als Konduktpersonal arbeiten.

Die Bestattung Wien führt im Jahr etwa 18.000 Beerdigungen durch, davon ein Drittel am Zentralfriedhof.

Info: www.bestattungwien.at
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