28.09.2016, 10:29 Uhr

Bezirksvorsteher Markus Figl: „Wir wurden vom Rathaus überfahren“

Beim bz-Interview: Bezirkschef Markus Figl mit der stellvertretenden Chefredakteurin Agnes Preusser und Thomas Netopilik (v.l.). (Foto: Max Spitzauer)

Markus Figl, ÖVP-Bezirkschef der Inneren Stadt, konnte sich beim Radhighway nicht durchsetzen. Er fordert mehr Kompetenzen.

INNERE STADT. Im Alten Rathaus wurde Wiener Geschichte geschrieben. Auch der 1. Bezirk wurde durch die Entscheidungen, die hier getroffen wurden, maßgeblich mitgestaltet. Der historische Sitzungssaal ist also die perfekte Location für das bz-Interview mit ÖVP-Bezirksvorsteher Markus Figl.

Nicht nur der Saal hat eine imposante Größe. Auch Figl ist mit seinen genau zwei Metern eine unübersehbare Erscheinung. Erst seit Dezember 2015 im Amt, aber schon mit einigen klaren Vorstellungen. Im Interview spricht er über den Ausbau des Donaukanals und seine Probleme mit dem Rathaus beim Thema Radhighway.

Leopold Figl war Ihr Großonkel. Ist der Name Figl eine Bürde oder ein Ansporn?
MARKUS FIGL: Ich würde sagen beides, denn ich habe sehr viele positive Erfahrungen mit diesem Namen gemacht. Auf Geburtstagsfeiern sprechen mich ältere Menschen oft auf meinen Großonkel Leopold an, weil sie ihn noch erlebt haben. Von der Jugend werde ich allerdings öfters auf meine Größe angesprochen als auf meine Verwandtschaft.

Wie wollen Sie wieder mehr Bewohner in die Innere Stadt locken?
Das ist ein ganz wichtiges Thema für uns, denn in den letzten 50 Jahren hat sich hier die Bevölkerungsanzahl halbiert. Wir wollen keine Kulisse für Touristen sein, sondern mit einer besonderen Lebensqualität punkten. Natürlich auch mit guter Mobilität und leistbarem Wohnraum statt Büros.

Wie sieht es diesbezüglich mit der Nahversorgung aus?
In den vergangenen Jahren sind einige neue Supermärkte gekommen. Leider sind uns auch einige traditionelle Geschäfte abhandengekommen.

Wie kann sich die Politik hier einbringen?
Indem wir die Möglichkeiten für gutes Wirtschaften schaffen. So haben wir etwa die Einkaufsstraßen vom Anrainerparken ausgenommen, um den Geschäftsleuten gute Bedingungen zu bieten.



Auch der Wunsch nach mehr Grün wird immer wieder geäußert. Gibt es dazu schon konkrete Überlegungen?
Durch die zahlreichen Parkanlagen im Bezirk haben wir einen beachtlichen Grünanteil. Doch am Donaukanal gibt es noch einigen Aufholbedarf. Wir wünschen uns, dass der Donaukanal zu einer Sport- und Freizeitmeile wird. Es gibt sehr viele Zuschriften der Bevölkerung, wir werden diese ernst nehmen und auch einarbeiten.

Der Radhighway in der Wipplingerstraße hat viel Staub aufgewirbelt. Fühlen Sie sich vom Rathaus überfahren?
Überfahren ist genau das richtige Wort dafür. Nicht nur wir als Bezirk haben unsere Bedenken geäußert. Auch Polizei, Feuerwehr, Wirtschaftskammer und ÖAMTC haben ihre Einwendungen erhoben. Auch wurden die von uns vorgeschlagenen Alternativrouten nicht geprüft. Das Projekt wurde einfach zentral verordnet.

Wie wichtig sind Bezirksvertretungen und wie sollen sie für die Wähler attraktiver gemacht werden?
Die Bezirke brauchen mehr Möglichkeiten. Als Bezirkspolitiker sind wir die bürgernäheste Ebene. Am Beispiel Wipplingerstraße: Da haben die Menschen aus dem Bezirk die Expertise und sollten auch mehr gehört werden.

Wie kann man den Bezirk noch aufwerten?
Das Budget für die Bezirke wird leider nicht nach Wirtschaftskraft, sondern etwa nach Einwohnern berechnet – das ist insbesondere für die Innere Stadt sehr suboptimal. Das wird in den Bundesländern ganz anders gehandhabt.

Die Ringstraßen-Demos werden immer mehr. Was kann man dagegen tun?
Es kann nicht sein, dass die Innere Stadt an mehr als 100 Tagen abgeschnürt wird. Bewohner sowie Wirtschaft leiden darunter. Teilweise wegen sinnlosen Demos in einem Bademantel. Es geht auch anders: Die letzte Demo der Ärzte hat zum Beispiel auf einer Seitenstraße des Rings stattgefunden. Das war ein guter Anfang.

Interview: Agnes Preusser und Thomas Netopilik

Zur Person:
Markus Figl (43) ist seit Dezember 2015 Bezirksvorsteher der Inneren Stadt. Der ÖVP-Politiker ist Großneffe von Leopold Figl, dem ersten Bundeskanzler Österreichs. Markus Figl ist verheiratet und Vater einer Tochter. Figl wohnt auch im 1. Bezirk.

Alle 23 Bezirksvorsteher im Interview finden Sie im Internet unter www.meinbezirk.at/bz-interview
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