31.10.2016, 09:00 Uhr

Die Schneiderin des Papstes

Schwester Imelda Ruf beim Anfertigen des Messgewandes für Papst Benedikt XVI anlässlich seines Wien-Besuchs im Jahr 2007. (Foto: Erdiözese Wien)

Schwester Imelda Ruf verleiht den Gottesdiensten mit ihren Messgewändern einen würdigen Glanz.

INNERE STADT. Die Nonne des Benediktiner-Ordens ist Meisterin des Handwerks der Paramentik. Unter Paramenten versteht man die in der Kirche und in der Liturgie verwendeten Textilien, also die Messgewänder der Priester. Schwester Imelda Ruf widmet sich seit 45 Jahren der Anfertigung dieser sakralen Textilien. "Vor meinem Klostereintritt absolvierte ich eine Lehre für Gold-, Silber- und Perlenstickerei", erzählt Schwester Imelda. Ein Teil der Ausbildung war die Paramentik.

Nach der Meisterprüfung studierte sie ergänzend für diesen seltenen Beruf Kunstgeschichte. In ihrem Mutterhaus der Benediktinerinnen vom Unbefleckten Herzen Mariens in Steinerkirchen (OÖ) baute sie eine Werkstätte für Paramentik auf, in der sie jahrzehntelang Lehrlinge ausbildete. Seit Langem steht sie jetzt schon im Dienst des Liturgie-Referates. In einem Atelier in der Bäckerstraße werden ihre Ideen umgesetzt. Auch in eine Benediktinerinnen-Abtei südlich von Berlin wurde sie geholt, um dort eine Paramenten-Werkstätte aufzubauen.

Mitra für den Papst

Eine ihrer Arbeiten war noch vor Kurzem im Wien Museum am Karlsplatz zu sehen. Im Rahmen der Ausstellung "Chapeau" wurde eine Mitra gezeigt, die Schwester Imelda für den Besuch von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2007 gefertigt hat. "Ich habe nicht nur die Mitra angefertigt, sondern auch das Messgewand. Ich hatte als Vorgabe nur die Farbe Grün", so die Ordensfrau.

Seit einem Besuch auf der Insel Rügen ist sie von Bernstein fasziniert. "Mir war klar, dass ich auf dieses besondere Gewand Bernsteine sticken würde. Flussperlen und vergoldete Perlen lockerten die Stickerei auf." 60 Arbeitsstunden an der Mitra selbst und etwa 170 zusätzliche Stunden erforderte dieser handgewebte Reinseiden-Ornat. "Mit zwei fleißigen Kunststickerinnen ging dieses Werk gut voran", so die Schwester. Es war übrigens nicht ihre erste Arbeit für einen Papstbesuch.

Das Kirchenoberhaupt hat das Messgewand samt Mitra nur einmal getragen – zur Messe im Stephansdom. Es bleibt aber – wie alle kostbaren Gewänder – im Dom in Gebrauch. "Im Liturgie-Referat der Erzdiö-zese am Stephansplatz gibt es einen Leihservice, aus dem sich Priester Messgewänder in allen liturgischen Farben ausleihen können. Dieses besondere Angebot wird von den Pfarren sehr gerne genutzt, zum Beispiel bei Firmungen und Jubiläen", erzählt die Ordensschwester.

Auch die Mitra von Papst Benedikt XVI. hat einen neuen Träger gefunden. "Ich habe sie auf die Größe unseres Herrn Kardinals geändert." Die Mitra wurde – im Gegensatz zur sonst eher üblichen Karton-#+einlage – mit einem festen, dauerhafterem Vlies versteift.

Berufung für Gott

"Das Schöne an dieser Aufgabe ist, für die Kirche arbeiten zu dürfen, zur Ehre Gottes. Für mich ist das nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung. Bei den Paramenten geht es nicht darum, die Priester zu schmücken, sondern dass der Gottesdienst schön und würdig gefeiert wird", so Schwester Imelda.

Mittlerweile entwirft sie die Messgewänder nur mehr und gibt sie nach dem Zuschnitt zur Fertigung an geschulte Fachkräfte weiter. Außerdem begutachtet sie unter anderem im Rahmen der Sakristei-Beratungen für das Referat für kirchliche Kunst und Denkmalpflege alte Messgewänder, um sie in Sachen Aufbewahrung und Restaurierung zu beraten.

Einen Rückblick auf die Ausstellung "Chapeau" gibt es auf www.wienmuseum.at
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