21.03.2017, 16:00 Uhr

Stephansplatz: Von der U-Bahn direkt ins Museum

Kuratorin Michaela Kronberger vom Wien Museum im Museum der Virgilkapelle, dahinter ein Bild der Maria Magdalena Kapelle, die über der Virgilkapelle stand

Unter dem Stephansplatz befindet sich in einem gotischen Innenraum ein kleines Mittelaltermuseum.

INNERE STADT. Der Eingang zur Virgilkapelle und zum Mittelaltermuseum liegt direkt in der U-Bahn-Station Stephansplatz, rechts neben der Rolltreppe. Schon beim Eintreten versinkt man in einer anderen Welt: zwölf Meter hohe Sakralräume, die eine wunderbare Stille und Erhabenheit ausstrahlen, fernab von dem geschäftigen Treiben der Großstadt nur wenige Meter darüber.

"Die Virgilkapelle wurde 1973 im Zuge des U-Bahn-Baus entdeckt und als Standort des Wien Museums in die U-Bahn-Station Stephansplatz integriert", sagt Kuratorin Michaela Kronberger. Nach Wassereinbrüchen 2004 und 2008 musste das Museum schließen und sperrte nach einer vollständigen Restaurierung und dem Einbau eines kleinen, feinen Museums 2015 wieder auf.

Klein, aber fein

Die Ausstellung ist in einem schmalen Korridor untergebracht, der auch als barrierefreier Zugang zum Museum dient. "Das war eine schwierige Aufgabe. 15 Wissenschafter aus unterschiedlichen Bereichen waren im Team. Einerseits wollten wir möglichst viele Informationen zur Virgilkapelle vermitteln, andererseits war nur begrenzt Platz für die Exponate im Museum selbst", so Kronberger.

Umso spannender ist die heutige Vielfalt der ausgestellten Stücke, die Licht auf das sonst verborgene Leben im Mittelalter werfen: Samen und Fischgräten, die aus einer Latrine extrahiert wurden und Aufschluss darüber geben, was man im Mittelalter gegessen hat, Teile von Grabdenkmälern, ein Relief der Messerer aus 1466, Kochtöpfe und Schmuck, Fragmente und Baugerüsthaken der Stephanskirche u.v.m.

Ein Mysterium

Die Virgilkapelle entstand um 1220/30 als Unterbau für einen geplanten Kapellenbau in frühgotischem Stil. Um 1246 stattete man die Kapelle mit Fugenmalereien und Radkreuzen in den Nischen aus. Erst später wurde darüber die Maria-Magdalena-Kapelle errichtet, deren Grundriss man heute rechts neben dem Haupttor von St. Stephan bewundern kann. Der ursprüngliche Bau, die heute sichtbare Virgilkapelle, diente einer reichen Wiener Kaufmannsfamilie als Andachtskapelle, das Zwischengeschoß wurde als Beinhaus verwendet.

Tablet und alte Musik

Beim Besuch der Räumlichkeiten und des Mittelaltermuseums wird man von einem Hightech-Equipment geführt: Über Headset und Tablet kann man interaktiv Informationen abfragen und dabei auch speziell für dieses Museum aufgenommene Musik des Mittelalters hören.

Zur Sache:
Die Virgilkapelle befindet sich in der U-Bahn-Station unter dem Stephansplatz und ist von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 5 Euro für Erwachsene, Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren haben freien Eintritt. Infos und Anmeldung per Mail an service@wienmuseum.at
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