15.11.2016, 08:33 Uhr

Verwirrung um Mieten am Donaukanal

"Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen", findet Rudi Konar von der Strandbar Herrmann, wenn es um die Gastgärten am Donaukanal geht.

Im Vergleich zu Schanigärten in der Stadt zahlen die Gastgärten am Kanal relativ wenig. Die bz hat sich umgehört.

INNERE STADT. Im Sommer ist die Gastro-Szene am Donaukanal in Wien nicht mehr wegzudenken. Zahlreiche Menschen tummeln sich dann in den Gastgärten, wie zum Beispiel bei "Badeschiff", "Adria Wien" und "Strandbar Herrmann". In der Sonne lässt sich so manches kühles Getränk genießen. Unterstützt wird das rege Treiben am Kanal nicht zuletzt durch das besondere Klima, denn es ist unten am Wasser generell um zwei Grad kühler als im Rest der Stadt.

Auch in anderen europäschien Städten wie Berlin hat man sich diese natürliche Klimaanlage zu nutze gemacht. Doch nun steht der Vorwurf im Raum, dass sich die Stadt einiges Geld entgehen lässt am Donaukanal, da die Miete der Gastro-Flächen zu gering bemessen wird im Vergleich dazu, was bei Schanigärten in anderen Bezirken verlangt wird. Auch der Fernsehsender puls4 berichtete bereits darüber und stellte der Stadt Wien ein entsprechend schlechtes Zeugnis aus.

Äpfel mit Birnen verglichen

Seitens der Betreiber kann mand den Vorwurf nicht nachvollziehen, wie Rudi Konar von der Strandbar Herrmann erklärt: "Ein Quadratmeter Gastgarten ist nicht einem Quadratmeter Mietfläche am Donaukanal gleichzusetzen. Denn von den 4500 von uns gemieteten Quadratmetern besteht der größte Teil aus Grünflächen, Aufbauten und selbst errichteter Infrastruktur, die nicht direkt gastronomisch genutzt wird." Zudem entfällt neben dem Anteil an die Stadt Wien auch ein weiterer Teil an den Bund, der in den Erhebungen nicht berücksichtigt wurde, so Konar weiter: "So gut wie alle Betreiber haben zwei Mietverträge. Und die Saison am Donaukanal ist nicht 9 Monate lang, denn bei der Strandbar dauert sie maximal sechs Monate. Pro Betriebsmonat zahlen wir somit 0,95 € pro Quadratmeter an die Stadt Wien und 1,02€ an die Donauhochwasserschutzkonkurezn DHK, die dem Bund untersteht."

Die Strandbar Herrmann ist einst aus einer Wiese am Donaukanal entstanden. Der Rest wurde von dem Betreiber errichtet und wird auch ständig in Stand gehalten und renoviert. "An einem Gastgarten gibt es kaum was zu reparieren, am Donaukanal ständig. Darum sind am Ende die Mieten wieder auf einem vergleichbaren Niveau wie im Rest von Wien", so Konar. Seitens viadonau, die die geschäftsführende Stelle der DHK ist, kann man die geringe Miete durchaus erklären: "Es stimmt, die Strandbar Herrmann hat Verträge mit der Stadt Wien/MA 42 und DHK abgeschlossen, wobei die Flächen von der DHK aber nur die Lagerräume betreffen. Der Gastronomiebetrieb befindet sich auf den Flächen der Stadt Wien", so viadonau-Pressesprecherin Eva Michlits.

Die Wirtschaftskammer Wien unterstützt in dieser Angelegenheit die Gastro-Szene am Donaukanal, wie Obmann Peter Dobcak erklärt: "Man darf nicht vergessen, dass der Donaukanal einst tot war. Es hat dort nichts gegeben und es war doch schwer, die Gastronomie dort anzusiedeln. Jetzt passiert etwas und schon verlangt man Gebührenerhöhungen." Das Verweilen am Donaukanal ist zudem sehr wetterabhängig, darauf muss bei den Mieten auch geachtet werden. Erhöhungen, wie es mit 2017 viele Schanigarten in Wien treffen wird, sollen daher am Kanal unterbunden werden.

Stadt Wien steht zu Mieten

Seitens der zuständigen MA 42 erklärt die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit Gabriele Thon die spezielle Situation am Donaukanal: "Die Fläche der Herrmann Strandbar wurde unter sehr schwierigen Rahmenbedingungen vermietet: Der Donaukanal war Anfang der 1990er Jahre hauptsächlich von brachliegenden Flächen ohne Infrastruktur geprägt." Die Suche nach entsprechenden Betreibern und Gastronomen, um die Donaukanalufer attraktiver zu gestalten, war damals jahrlang erfolglos verlaufen, da dies für Investoren ein hohes Risiko bedeutete und keinerlei Infrastruktur vorhanden war. Zudem waren die Qualitätsvorgaben der Stadt Wien sehr hoch.

Für den Betreiber gibt es neben dem hohen Investitionsrisiko auch keine geschäftsübliche Rechtssicherheit, so Thon weiter: "Die Betreiber der Strandbar Herrmann sind mit ihrer Geschäftsidee 2004/05 an die Stadt Wien herangetreten. Die Fläche der heutigen Strandbar Herrmann war damals eine devastierte Baustelleneinrichtungsfläche und als solche nach Beendigung einer Großbaustelle kaum benutzbar. Der Idee der Nutzung dieser Fläche als Strandbar lag ein schlüssiges Konzept zugrunde. Aus diesem Grund wurde das Grundstück an die beiden Jungunternehmer verpachtet."
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