"Tiroler Bündnis gegen Depression": Tipps für seelische Gesundheit
Corona-Krise Herausforderung an psychische Gesundheit vieler Tirolerinnen und Tiroler

Die weltweit anhaltende Corona-Krise erleben auch nicht wenige Tirolerinnen und Tiroler als einschneidenden psychischen und emotionalen Ausnahmezustand. Besonders betroffen sind alle jene, die bereits an einer Depression oder Angststörung leiden. Beide Erkrankungen gehören auch in Tirol zu den häufigsten psychischen Störungen.

„Das Zusammenleben auf engem Raum, die fehlenden Rückzugsmöglichkeiten mit den daraus folgenden Konfliktsituationen, die bestehende berufliche, soziale und gesundheitliche Unsicherheit sowie die finanziellen Belastungen führen zu Aussichtslosigkeit, Angstzuständen und Panikattacken, zu Unruhe und Aggressivität sowie zu depressiven Verstimmungen. Selbst überwertige Ideen und Wahnvorstellungen sind bereits bekannt. Hinzu kommen noch unerklärliche Symptome und körperliche Beschwerden wie Atemnot, Herzklopfen und ein Engegefühl im Brustbereich“, erklärt Prof. Dr. Hartmann Hinterhuber, Präsident des Sozialpsychiatrischen Vereines pro mente tirol, Mitglied des Tiroler Bündnisses gegen die Depression.

"Selbst die Quarantäne an sich stellt eine psychische Notlage dar. Die Isolation durch die Ausgangsbeschränkungen, die Sorge um die Versorgungslage und die eigene Gesundheit und die der Angehörigen und der Freunde verlangen von unserer Psyche Gewaltiges ab. Quälende Fragen drängen sich auf: Bin ich bereits infiziert? Wie sicher ist mein Arbeitsplatz? Ist mein leichter Husten bereits ein Symptom der Viruserkrankung? Menschen mit psychischen Störungen sind besonders dann außergewöhnlichen Belastungen ausgesetzt, wenn begleitende Therapien abgebrochen werden mussten, wenn Tageskliniken, Reha-Einrichtungen oder Trainingswerkstätten den Betrieb einstellen mussten. Im Rahmen einer Depression wird alles Negative nochmals vergrößert wahrgenommen. Wir alle leiden unter der sozialen Distanzierung, viele auch unter Frustration und Langeweile. Je länger die Quarantäne anhält, desto größer wird der Leidensdruck. Vordringlich ist, auch in Zeiten der sozialen Isolation zu versuchen, aktiv zu bleiben, den Kontakt zu Verwandten, Freunden, Nachbarn und Arbeitskollegen nicht abreißen zu lassen, sondern im Gegenteil zu intensivieren. Dies alles fördert die körperliche und seelische Gesundheit und bleiben Sie zuversichtlich“, so Hartmann Hinterhuber weiter.

„Wenn Ängste und die Sorgen um das persönliche Leben und die Zukunft von Freunden und Angehörigen überhandnehmen und Zwangsmechanismen wie permanentes Händewaschen und Temperaturkontrollen den Alltag behindern, dann ist es besonders wichtig, dass sich Betroffene über Telefon und andere elektronische Medien professionelle Unterstützung suchen. Niemand sollte zögern, sich gerade jetzt Hilfe zu holen. Menschen in Krisen - und Schwächesituationen haben auch jetzt die Möglichkeit, Ansprechpartner und Hilfe zu finden. Die Einrichtungen, die sich im "Tiroler Bündnis gegen Depression" engagieren, leisten einen wertvollen Beitrag dazu“, rät Hartmann Hinterhuber.

Tipps für die psychische Gesundheit vom "Tiroler Bündnis gegen Depression"

1. Darüber reden: Teilen Sie Ihre Sorgen und Ängste mit Ihren Freunden und Familienmitgliedern.
2. In Kontakt bleiben: Telefonieren oder skypen Sie mit Ihren Lieben, mit den Eltern und Freunden. Vereinbaren Sie dazu auch fixe Zeitpunkte. Durch die vielen Kommunikationsmöglichkeiten lassen sich tragfähige Kontakte auch in Zeiten der sozialen Distanzierung aufrechterhalten. Ein Austausch tut der Seele gut!
3. Reden über andere Themen: Achten Sie darauf, dass "Corona" nicht alle Gespräche dominiert, reden Sie über andere, nicht belastende Themen.
4. Den Tag planen: Strukturieren Sie Ihren Tagesablauf sehr genau. Nehmen Sie sich darüber hinaus täglich etwas Bestimmtes vor, was Ihnen Freude macht oder erledigen Sie Aufgaben, die vielleicht schon länger liegen geblieben sind. Stehen Sie auch jeden Tag zur gleichen Zeit auf, planen Sie Ihre Mahlzeiten und alle Ihre sonstigen Aktivitäten.
5. Fit und Aktiv bleiben: Körperliche Betätigung wie regelmäßige Gymnastik und Kochen sind Möglichkeiten, aktiv und fit zu bleiben und kommen dem Bedürfnis nach Bewegung und Abwechslung nach.
6. Kreatives tun: Malen, Basteln, Lesen, Schreiben, sich Fortbilden – all das sorgt für Ablenkung und fördert die geistige Aktivität.
7. Machen Sie Ordnung: Tun Sie das, was Sie schon lange tun wollten! Ein kleines Beispiel: Das "Ausmisten" und das Ordnen von Schubladen und Kästen ist eine sinnvolle Beschäftigung, befreit und macht ein gutes Gefühl.
8. Suchen Sie glaubwürdige Informationen und vermeiden Sie übermäßigen Medienkonsum: Informieren Sie sich zielgerichtet und bei seriösen Medien. Vertrauen Sie glaubwürdigen Informationsquellen und meiden solche, die Angst und Panik verbreiten. Setzen Sie sich eng begrenzte "Medienzeitfenster" und nehmen Sie ganz bewusst Offlinezeit.
9. Suchen Sie Rückzugsorte: Auch in kleinen Wohnungen soll jeder eine eigene Ecke haben, wohin er sich ungestört zurückziehen kann.
10. Versuchen Sie die Zeit nach "Corona" gedanklich zu gestalten: Was möchten Sie erreichen? Kann ich meine Beziehungen zu Freunden, Nachbarn und Verwandten verbessern? Bin ich im Einklang mit mir, mit den Mitmenschen, mit Gott und der Welt? Achte ich auf meine spirituellen Bedürfnisse?

Einrichtungen und Telefonnummern:

• Corona-Sorgen-Hotline des Landes Tirol und der Diözese Innsbruck: 0800 400 120 (PsychologInnen stehen Montag bis Freitag von 8.00-20.00 zur Verfügung)
• Telefonische Beratung für Menschen mit psychischen Erkrankungen der pro mente tirol in allen Tiroler Bezirken, Erreichbarkeit in Innsbruck Mo.-Do. 8.00-17.00, Fr. 8.00-12.00, Telefon 0664 88358010. Erreichbarkeit in den Bezirken Mo.-Do. 9.00-14.00, Landeck 0664 8172778, Imst 0664 5433753, Reutte 0664 4013920, Schwaz 0664 5052587, Kufstein 0664 8172793, Lienz 0664 88218324)
• Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter (HPE) Tirol, Telefon 0699 17238060
• Telefonseelsorge der Diözese Innsbruck: 142 (rund um die Uhr) oder www.onlineberatung-telefonseelsorge.at
• Mehr Information: www.buendnis-depression.at

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